Der Kirchenkreis Rotenburg

So ist Kirche hier im Kirchenkreis Rotenburg. Das macht sie. Dazu ist sie in unserer Welt nützlich und notwendig. Das sind die Menschen, die sich hier engagieren. Das sind ihre Erfahrungen, Ideen und Ziele. Und immer wieder wird deutlich: In dieser Kirche ist Platz, um selbst dabei zu sein, mitzuerleben und auch mitzugestalten.

Roger Moch als BBS-Berufsschulpastor verabschiedet
Mit Knasterfahrung und relevanten Antworten Roger Moch wird nach 28 Jahren als BBS-Berufsschulpastor verabschiedet Wenn Roger Moch am Ende des Schuljahres seine Sachen packt, wird er eine Menge guter Zeugnisse mit nach Hause nehmen. Sie bescheinigen ihm in der Mehrheit große Sachkenntnis und Fairness und allerlei weitere positive Eigenschaften, die ein Lehrer haben sollte. Seit Beginn seiner Zeit als Schulpastor in den Berufsbildenden Schulen (BBS) Rotenburg hat sich der Theologe nach jedem Schuljahr Zeugnisse von seinen Schülern ausstellen lassen. „Wenn ich in einem Schuljahr mehr als zehn Prozent schlechte Zeugnisse erhalten hätte, wäre das für mich das Zeichen gewesen, in einen anderen Job zu wechseln“, sagt Moch. Aber das ist nicht passiert. Und so blieb der Schulpastor 28 Jahre der BBS Rotenburg treu. Jetzt wird er in den Ruhestand verabschiedet. Eigentlich hatte er Gefängnisseelsorger werden wollen. Während seines Vikariats, der praktischen Ausbildungszeit für Pastoren, hatte Moch Gelegenheit, hinter Gefängnismauern Erfahrung zu sammeln. Seine „Knasterfahrung“ kam ihm dann in der Berufsschule sehr zugute. „Die Themeneinheit Gefängnis-Strafe-Gerechtigkeit war immer der Renner“, erzählt er. Doch gelang es ihm auch, mit anderen Themen nah an die Jugendlichen heranzukommen und sie zu einer intensiven Auseinandersetzung anzuregen. Traumdeutung war so ein Bereich. Dazu hatte Moch sogar noch eine umfangreiche Zusatzausbildung absolviert. „Ich möchte den Schülern dabei helfen, lebensfähig zu werden in dieser Welt“, beschreibt der Theologe seine Motivation für den Lehrerberuf. Dass er das ernst meint, merkten die Schüler schon allein daran, dass ihr Schulpastor immer ein Ohr hatte für ihre kleinen und manchmal großen Sorgen und Probleme – auch nachts. Dass er weiß, wovon er spricht, dafür sorgt der Schulpastor. So hat er sich im Bereich Krisenmanagement und Cybermobbing fortgebildet. „Für das Thema digitale Medien hat die Gesellschaft noch gar keine Antworten“, bedauert Moch, der vielen jugendlichen Mobbingopfern geholfen hat. Ein weiteres Gebiet, auf dem der Theologe sich auskennt, sind Sekten und Weltanschauungsfragen. Für diesen Aufgabenbereich war er Ansprechpartner für den gesamten Kirchenkreis Rotenburg. Weiterhin steht er für Bewegungen wie die Abschaffung von Atomkraft und Frieden. So hat er beispielsweise eine eindrückliche DVD zu Radioaktivität und Krieg erarbeitet. Auch das Thema Tod begleitete den Theologen über die gesamten Berufsjahre. Schüler und Lehrer verlieren Angehörige, Freunde oder Kollegen. „Aber häufig kann man es in dem großen Betrieb Schule nicht erkennen, wo jemand trauert und wer eine besondere Ansprache benötigt“, sagt Moch. Deshalb entwickelte er 2011 zusammen mit Kollegen das Trauerarmband. Seitdem hat es in der gesamten Landeskirche Hannovers Verbreitung gefunden. Auch am Bau der BBS-Tankstelle, einem stillen Rückzugsraum für Schüler und Lehrer, war Moch beteiligt. Bei allen unterschiedlichen Themenbereichen gelang es dem Theologen, relevante Antworten für alle Konfessionen zu finden. In den BBS-Klassen sitzen Christen, Muslime, Jesiden und Angehörige vieler weiterer Religionen. Wer kein Christ ist, muss nicht am Religionsunterricht teilnehmen. Doch Moch riet allen: „Schaut es euch drei Wochen lang an. Dann könnt ihr immer noch aufhören.“ Die meisten blieben.

DATUM

1. Juli 2019

AUTOR

Anette Meyer
BILDER (1)
Roger Moch begleitete rund 7.000 Schüler durch ihre BBS-Zeit.
Roger Moch begleitete rund 7.000 Schüler durch ihre BBS-Zeit.
Roger Moch begleitete rund 7.000 Schüler durch ihre BBS-Zeit.