Andachten

Kurz innehalten. Sich für einen Moment besinnen, woher wir eigentlich kommen, was wichtig ist im Leben. Dabei helfen uns kurze Andachten. Die Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreises Rotenburg verfassen jede Woche zwei Zeitungsandachten für die Rotenburger Rundschau und die Rotenburger Kreiszeitung. Wir veröffentlichen sie hier und schaffen damit ein Archiv, auf das Sie zurückgreifen können, wann immer Sie möchten. Denn: Ihre Zeitung werfen Sie irgendwann in den Papierkorb. Die Andachten behalten jedoch ihre Gültigkeit jenseits der Tagesaktualität.

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Sa. 31.12.16
Falsche Propheten
Roger Moch
Falsche Propheten

Anfang eines Jahres haben Hellseher und Wahrsager Konjunktur. Immer wieder spielen sie mit unseren Ängsten und sagen häufig völlig unhaltbare Dinge voraus. Fast überall kann man lesen oder hören, dass das Jahr 2016 genauso schlecht aufgehört habe, wie es angefangen hat. Aufgehört mit dem Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt, angefangen mit den Vorfällen auf der Kölner Domplatte. Ich verstehe jeden, der so etwas sagt und den Kopf dabei schüttelt. Doch Angst schüren und Stimmungsmache betreiben gehört nicht zu einer lebendigen Demokratie. Kritisch sein und auf Missstände hinweisen, das ist viel hilfreicher in einer freien und atmenden Gesellschaft. Einige Propheten aus dem Alten Testament, z.B. Amos und Micha, waren sehr sozialkritisch eingestellt und wollten keine Kaffeesatzleserei betreiben, sondern die Missstände in der damaligen Gesellschaft anprangern. Sie machten aufmerksam auf gewinnsüchtige Kaufleute und prunksüchtige Oberschichten, die auf Kosten der Armen lebten, lehnten Kriege und den Missbrauch von Macht ab.

Das ist ungefähr 2800 Jahre her. Und heute? Mir fallen ähnliche Missstände ein: Millionen Flüchtlinge auf der ganzen Welt, eine riesige, neue Völkerwanderung. Ich denke an afghanische Flüchtlinge in unserer Berufsschule, die teilweise in kürzester Zeit die deutsche Sprache lernen, bildungshungrig sind und jetzt Angst haben, einfach abgeschoben zu werden, weil Afghanistan wieder als sicheres Land eingestuft wird. Da frage ich mich, wer bestimmt, wo auf der Welt es sicher oder unsicher ist?

Was können wir da machen, damit diese spannungsgeladene Stimmung nicht weiter anschwillt?

Der Apostel Paulus hat in einem Brief den ersten Christen in der Welthauptstadt Rom einen Rat gegeben. Er empfiehlt den Christen dort: „Haltet fest am Guten!“ (Röm 12, 9) Mitten im Meer von Gewalt und Unrecht: „Haltet fest am Guten!“ Klammert euch daran, wie ein Schiffbrüchiger an ein Treibholz. Wenn er loslässt, wird er untergehen. Dann wird das Böse ihn mitreißen in die Tiefe.

Haltet euch also an das Gute! Glaubt also nicht denen, die sagen: Es hat keinen Sinn, sich Mühe zu geben. Glaubt nicht denen, die sagen: Schluss jetzt mit dem Gutmenschentum.

Mich überzeugen Solidarität und Hilfsbereitschaft in einer Demokratie. Vor der Herrschaft der Straße haben schon alte griechische Philosophen wie Platon, Aristoteles und Polybios gewarnt.

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Roger Moch

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Sa. 31.12.16
Neues Jahr - neues Herz
Thomas Steinke
Neues Jahr - neues Herz

Wie ist es um Ihr Herz bestellt? Gemeint ist nicht in medizinischer Hinsicht. Gemeint ist: Wie ist es Ihnen ums Herz – am Ende dieses Jahres?

Leicht – weil gerade ein freudiges Ereignis in Ihrer Familie anstand, die Geburt eines Kindes oder Enkelkindes, die Hochzeit oder ein Ehejubiliäum, ein runder Geburtstag oder eine überwundene Krankheit?

Oder eher schwer – weil die Lasten des Alltags Sie niederdrücken, der Stress bei der Arbeit oder Zuhause, die schlimme Diagnose, der Abschied von einem Familienmitglied oder einem guten Freund/einer guten Freundin?

Oder wissen wir gerade gar nicht so genau, wie uns ums Herz ist? Flattert es unruhig hin und her: Einerseits dankbar für viel Gutes in unserem Leben, andererseits verunsichert und traurig wegen mancher Entwicklungen in unserem Land und unserer Welt, die wir nicht richtig einordnen können?
Die Bibel spricht in besonderer Weise vom Herzen:

Das Herz – es steht für die Mitte unserer Person, die das Ganze bestimmt: Unser Denken, unser Wollen, unser Planen und unser Fühlen. Letztlich geht es um die Frage: Wer hat Einfluss auf unser Herz, wo ist es beheimatet? Die Jahreslosung für das kommende Jahr ist ein großartiges Versprechen! "Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch." (Ezechiel 36,26) Gott schenkt uns ein neues Herz, das bei ihm verankert ist in unruhiger Zeit, das sich prägen lässt von seinem Wort. Ein neues Herz, das nicht hart und kalt wie Stein ist, weil wir dicht gemacht haben und verbittert sind wegen der schlimmen Nachrichten tagaus tagein und der schweren Erfahrungen, die hinter uns liegen. Nein, ein neues Herz aus Fleisch und Blut, das wieder spürbar schlägt für andere Menschen und für die Sache Jesu. Es ist sein Geist, der Geist des Auferstandenen, der unser Herz wiederbelebt und brennen lässt für Gott und unsere Mitmenschen. Sind wir offen dafür? Lassen wir uns so beschenken?
Ich wünsche es Ihnen und mir. Denn ein Mensch mit einem solchen neuen Herzen ist ein wirklich freier Mensch: Der wird unabhängiger von den Meinungen der anderen;
der bekommt ein starkes Rückgrat und steht zu seinen Ansichten, die nun von Jesus geprägt werden;
der lässt sich nicht so schnell einschüchtern und auf Linie bringen.
Der lässt sich nicht einfangen von Hassparolen, von Stammtischmeinungen...
Der wird sich in einem Klima der allgemeinen Verunsicherung und Verdächtigungen dennoch für Menschenwürde, für gleiche Rechte für alle einsetzen.
Der wird gegen Populismus und Radikalität eintreten –
für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft!

Ein gesegnetes neues Jahr Ihnen allen – mit einem neuen Herzen!

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Thomas Steinke

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Superintendentur
Thomas
Steinke
Pastor
Rotenburger Str. 11
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Sa. 24.12.16
In süßem Jubel
Dr. Matthias Wilke
In süßem Jubel

„Nun singet und seid froh“ – „In dulci jubilo“! In süßem Jubel – sollen wir singen und froh sein, „denn unseres Herzens Wonne liegt in praesipio“ – in der Krippe. Manchem ist dieses Lied schon längst ein traditioneller Begleiter durch die Advents- und Weihnachtszeit. So ist es eben: Einige finden´s schön, andere finden es kitschig. Das wird wohl immer schon so gewesen sein, je nach Zeitgeist und Geschmack. 1529 soll „In dulci jubilo“ zum ersten Mal im Gesangbuch abgedruckt worden sein. Martin Luther wirkte dabei mit. Aber Heinrich Seuse, ein Dominikaner, auch Suso genannt, kannte es bereits in der Mitte des 14. Jahrhunderts und soll es in einer frühen Form selbst verfasst haben. Die Legende besagt, dass ihm ein himmlischer Spielmann zurief: „Vergiss dein Leiden und tanz mit mir!“ Er fing an, vom Jesuskind „in dulci jubilo“ – in süßem Jubel – zu singen. Und dieser schöne Gesang vom Gottessohn hat das Herz Seuses so sehr berührt, dass er tatsächlich sein Leiden vergaß. Die Musik linderte, heilte vielleicht sogar. Irgendwie beeindruckend. Musik, Vertrauen und Glaube können dabei helfen, einen Heilungsprozess besser zu bewältigen. Für mich ist „In dulci jubilo – nun singet und seid froh“ nicht nur ein schönes und wohltuendes Lied. Ich lese darin auch dies: Jesus Christus ist das A und O, der Anfang und das Ende. Gottes Sohn bringt unser Leben auf die richtige Spur und trägt an den Lasten mit. Das ist gerade in dieser Zeit wichtig, in der wir erschrocken sind über den Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin. Wir gedenken der Opfer und trauern mit den Angehörigen und Freunden. Auf das Licht Gottes sehen und aus dem Licht Kraft und Mut schöpfen – das ist für mich Weihnachten. Weil Gottes Wille Frieden ist für alle Menschen – unabhängig von Herkunft, Religion und Kultur. Gesegnete und friedvolle Weihnachten wünsche ich Ihnen von Herzen.

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Dr. Matthias Wilke

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Superintendentur
Matthias
Wilke
stellv. Superintendent
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Mi. 16.11.16
Eine deutsch-amerikanische Freundschaft
Meret Köhne
Eine deutsch-amerikanische Freundschaft

„Denkt an uns und betet für uns!“ schrieb mir gestern meine Freundin aus den USA. „Was soll das denn bringen?“, dachte ich mir. Donald Trump ist gewählter Präsident. Er konnte die Mehrheit der Wahlmänner für sich gewinnen. Er hat trotz grenzwertiger sexistischer Äußerungen sogar erstaunlich viele weibliche Wählerinnen erreicht. Das wäre die Gelegenheit gewesen, zum ersten Mal in der Geschichte eine Frau zur amerikanischen Präsidentin zu machen. Stattdessen nun ein Mann, der sich nicht die Bohne für das Weltgeschehen außerhalb Amerikas interessiert. Das Thema Außenpolitik war für Trump während des Wahlkampfes ein blinder Fleck. „America first“ lautet seine Devise. Warum sich auch mit den Problemen anderer beschäftigen?

Da wirkte die Bitte meiner Freundin ziemlich absurd. „Denkt an uns und betet für uns, im fernen Deutschland!“ Warum sollten wir uns Gedanken machen, um das politische Geschehen im Ausland, wenn man sich in Amerika auch nur um sich selber schert?

Eine gute Frage vor allem am Buß- und Bettag. Dieser kirchliche Feiertag geht bei uns in Deutschland gerne mal unter. Erst recht seitdem er als arbeitsfreier Tag abgeschafft wurde. Umso mehr lohnt es sich heute, an die Bedeutung des Buß- und Bettages zu erinnern. Es ist ein Tag zum Nachdenken über geschehene Irrtümer oder persönliche Fehler auch Anderen Gegenüber. Das ein oder andere bereut man und nimmt sich fest vor, es zu ändern. Da hab ich glatt vergessen, meiner Freundin in den USA zu antworten. War wieder nur mit meinen eigenen Problemen beschäftigt. „Meret first!“. Dabei wollte ich mich doch in ihre Lage hineinversetzen, in Gedanken und Gebeten bei ihr sein. Gut, dass dafür extra ein Tag im Jahr reserviert ist, der mich daran erinnert.

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Meret Köhne

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Pastor/-innen
Meret
Köhne
Vikarin in Horstedt
So. 13.11.16
Vier Maurer auf einem Dach
Dr. Matthias Wilke
Vier Maurer auf einem Dach

Vier Maurer saßen einst auf einem Dach. Da sprach der erste: "Ach!" Der zweite: "Wie ists möglich dann?" Der dritte: "Daß das Dach halten kann!!!" Der vierte: "Ist doch kein Träger dran!!!!!!" Und mit einem Krach/ Brach das Dach.

Kurt Schwitters beschreibt in seinem Gedicht „So, so!“ einen ungeahnten Übergang. Während vier noch staunend über das reden, was wunderbar ist, ist die Wirklichkeit schon ganz anders: „mit einem Krach/ Brach das Dach“. Es reicht nicht, dass wir uns an den kommenden Sonntagen wieder staunend von den prophetischen Worten vom „Frieden auf Erden“ tragen lassen. Sie tun gut, keine Frage. Sollen sie aber mehr sein als ein kurzes „Ach!“, dann braucht es Träger für das Dach – das Dach des Friedens, auf dem wir „sitzen“. Man schaue etwa auf die vielen Jugendlichen aus unseren Dörfern, die nach der Schule oder Lehre für einige Monate dorthin gehen, in alle Welt, wo alles fremd ist und allzu oft auch dunkel. Sie sind solche Träger. Da sprach der zweite: "Wie ists möglich dann?" Der dritte: "Daß das Dach halten kann!!!"

Frieden ist möglich – Gott helfe uns. Mit dieser Einstellung stellen wir uns mit den Jugendlichen und anderen mehr bittend neben einen Fünften, von dem das Gedicht Schwitters schweigt: den Zimmermann. Er hielt mit dem, was er sagte und tat, den Frieden Gottes in die Höhe – auch und gerade da, wo es zu spät zu sein schien. Am Volkstrauertag, am Ewigkeitssonntag – es tut gut, auf den Zimmermann aus Nazareth zu schauen „als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe in [unseren] Herzen“ (2. Petrus 1,19). Vier Maurer saßen einst auf einem Dach.

 

 

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Dr. Matthias Wilke

Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Matthias
Wilke
Pastor
Westerwalseder Straße 7
27386
Kirchwalsede
Tel.: 
(04269) 9320121
Fax: 
04269-2187
So. 13.11.16
Es ist Martinstag
Franziska Heimann
Es ist Martinstag

Er sitzt auf einer Bank. Es ist nass und die Kälte kriecht in seinen Körper. Der Herbst ist ungemütlich. Ein rhythmisches Geräusch dringt in seine Ohren. Bumm, bumm, bumm. Es wird immer lauter. Eine Trommel. Bumm, bumm, bumm. Nun kann er auch andere Instrumente hören. Trompeten und Flöten. Und Gesang. An der Querstraße sieht er Lichter vorbeiziehen. Kinder halten Laternen an Stöcken in den Händen. Dann erkennt er das Lied. „Sankt Martin, Sankt Martin, Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind, sein Ross, das trug ihn fort geschwind. Sankt Martin ritt mit leichtem Mut, sein Mantel deckt ihn warm und gut.“

Er erinnert sich an die Geschichte vom Heiligen Martin. Er selbst hatte sie in der Schule gehört. Jahr für Jahr. Und sein Sohn hatte einmal den Heiligen Martin in einer Schulaufführung gespielt. Wie stolz sein Sohn auf den prächtigen roten Mantel gewesen war. Wie der adelige Martin durfte er den Umhang tragen. Auf seinem Steckenpferd ritt sein Sohn über die Bühne und traf auf ein anderes Kind. Das Kind hatte keinen roten Mantel. Es hatte noch nicht einmal Schuhe an. Das Kind zitterte und fror. Da stieg sein Sohn von seinem Pferd, nahm seinen Mantel ab und teilte ihn mit seinem Holzschwert in zwei Stücke. Einen Teil hängte er sich selbst wieder um und den anderen legte er dem anderen, armen Kind um die Schultern, damit ihm wieder warm wurde. Dann stieg sein Sohn wieder auf sein Pferd, lächelte das andere Kind an und ritt davon.

Das alles ist lange her, denkt der Mann. Nicht nur die Geschichte vom Heiligen Martin, sondern auch die Zeit mit seinem Sohn. Die Zeit, als er selbst noch ein richtiges Zuhause hatte. Und eine Arbeit, zu der er jeden Tag gehen konnte. Die Zeit, als er nicht jeden Tag überlegen musste, wie er über die Runden kam. Die Zeit, als er noch dazugehörte und ihn die anderen Menschen noch ansehen mochten. Er schließt die Augen und atmet durch.

„Hier“, hört er eine Stimme sagen und sieht eine dampfende Tasse vor seinen Augen auftauchen. „Hier, nehmen Sie. Ein Becher Punsch. Schmeckt gut. Und Sie sehen aus, als könnten Sie ihn gebrauchen.“ „Danke.“, murmelt der Mann, blickt auf und sieht in das Gesicht eines Jungen. Er lächelt. Es ist Martinstag.

 

 

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Franziska Heimann

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Pastor/-innen
Franziska
Heimann
Vikarin in der Peter-und-Paul-Kirchengemeinde
Schneverdingen
So. 23.10.16
Welche Farbe hat dein Glaube?
Haike Gleede
Welche Farbe hat dein Glaube?

Rot ist die Liebe, Grün ist die Hoffnung und Blau die Treue – sagt der Volksmund. Tatsächlich spielen Farben eine große Rolle in unserem Leben. Jeder hat seine Lieblingsfarbe und wir kleiden uns in den Farben, die uns gut stehen.

Aber: Welche Farbe hat dein Glaube? Dazu wurden Jugendliche befragt, die dazu so antworteten:

Lara meint, ihr Glaube sei violett. Das steht für Treue, Ehrlichkeit und Vertrauen.

Anton findet, dass der Glaube blau ist wie der Himmel und das Wassers. Für ihn ist Gott wie eine Lebensquelle.

Anna stellt sich ihren Glauben grün vor. Das ist die Farbe der Hoffnung.

Felix denkt an die Farbe rot, wenn es um seinen Glauben geht. Rot ist die Liebe und darum geht es doch im Christentum.

Alle Farben haben ihren Sinn und ihre Wirkung. Auch in der Kirche haben die Farben eine Bedeutung: Weiß, grün, violett und rot prägen das Kirchenjahr. Weiß steht für die Christusfeste. Grün steht in der Sommerzeit im Fokus und erinnert an das Wachstum und Gedeihen. Violett ist die Farbe für die Passionszeit und die Adventszeit. Das sind Zeiten der Besinnung, der Buße und der Umkehr. Rot steht für den Heiligen Geist, der Pfingsten im Mittelpunkt steht, aber auch bei der Konfirmation und dem Reformationsfest.

Der Wechsel der Farben spiegelt den Lebensrhythmus wieder. Es gibt Zeiten der Ruhe und inneren Einkehr und Zeiten, in denen wir feiern und jubeln.

Oft eilen wir durch die Wochen und merken gar keinen Unterschied. Kein Wunder, wenn im September die Lebkuchen und Weihnachtsmänner uns verwirren, Obst und Gemüse ganzjährig zu haben und an den Feiertagen die Geschäfte geöffnet sind.

Wenn alle Zeiten gleich sind, stört das den Lebensrhythmus und der Glaube verliert an Bedeutung.

Also: Welche Farbe hat dein Glaube? Mein Glaube wechselt ab und zu die Farbe, je nach dem, was im Kirchenjahr gerade los ist. Und manchmal schillert er in allen Regenbogenfarben. Der Regenbogen erinnert an das Ende der Sintflut.

Als die Arche Noah wieder auf Land gelaufen ist, gibt Gott Noah ein Versprechen:

„Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“

Und ein Zeichen: „Meinen Bogen habe ich in die Wolken gesetzt; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde.“

Und welche Farbe hat Ihr Glaube?

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Haike Gleede

Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Haike
Gleede
Pastorin
Kirchstraße 6
27367
Horstedt
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So. 16.10.16
Glaube – ein Stück Lebensqualität
Marita Meixner-Ander…
Glaube – ein Stück Lebensqualität

 

In den Nachrichten war in letzter Zeit immer wieder zu hören, wie sehr die Menschen heutzutage unter Druck stehen. Stress ist der Krankmacher Nr.1 in unserer Industriegesellschaft. Eine Fülle von sogenannten Zivilisationskrankheiten sind seine Folgen. Jedoch der Ruf nach mehr Freizeit ist kein Ausweg. Wir bringen es fertig, auch die Freizeit gehetzt, ruhelos oder in Verkehrsstaus zu verbringen.

Die Sehnsucht des Menschen nach Ruhe ist uralt. Damit ist keineswegs das Nichtstun gemeint, sondern, dass wir innerlich wie äußerlich frei sind von einem Druck, der Angst und Hektik verbreitet.

Solch einen Druck erlebte das Volk Gottes damals in der Wüste, wie es im 2.Buch Mose beschrieben wird. Wir erleben ihn vor der Operation im Krankenhaus oder vor hohen Leistungsanforderungen, ob in der Schule, im Beruf oder auch in der Familie. So wird leider die Ruhelosigkeit oft zu einem Teil unserer Seele. Sie wird zu einer inneren Unruhe, die krank macht. Doch der Glaube an Gott, in dessen Liebe wir Menschen geborgen sein dürfen, hilft uns, unsere innere Unruhe zu besiegen. Insofern ist der Glaube ein Stück Lebensqualität.

Aus einer inneren Ruhe heraus, wird unser Leben in Arbeit und Freizeit zwar nicht ohne äußere Herausforderung sein, jedoch frei von innerem und zerstörerischem Druck. Wo es an uns liegt, brauchen und werden wir dann nicht mehr selbst Unruhe und Stress verbreiten, sondern vielmehr helfen, dass auch andere Menschen Ermutigung und Ruhe, Gelassenheit und Selbstvertrauen finden.

Gott sprach: Mein Angesicht soll vorangehen; ich will dich zur Ruhe leiten.

2 Mose 33,14

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Marita Meixner-Andersohn

Marita
Meixner-Andersohn
Pastorin
Im Specken 3
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Ahausen
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Mo. 03.10.16
Bierzeltkrieg
Peter Handrich
Bierzeltkrieg

Am Mittwoch hat sich das „Forum Diakonie“ in der Flüchtlingsunterkuft im Glummweg in Rotenburg getroffen. Das „Forum Diakonie“ ist ein loser Zusammenschluss diakonischer Einrichtungen im Kirchenkreis Rotenburg.

Manfred Kröger, Bereichsleiter der Flüchtlingshilfen Rotenburg, hat uns von viel Improvisation, viel Engagement, vielen Fortschritten und auch von ein bisschen Sand im Getriebe erzählt. Die beste Nachricht fand ich, dass Flüchtlinge aus Syrien zur Zeit sehr schnell ein Bleiberecht erhalten. Die schlechteste Nachricht fand ich, dass sie zur Zeit nur einen so genannten „subsidiären“ Status erhalten. Das bedeutet: Sie sind eigentlich keine echten Flüchtlinge. Ihre Anerkennung bekommen sie erst einmal für ein Jahr. Sie dürfen keine Familienangehörigen aus Syrien nachkommen lassen.

Angesichts der augenblicklichen Verhältnisse in Aleppo, aber auch in vielen anderen Regionen Syriens, ist das eine ausgesprochen zynische „Anerkennung“. Wie soll sich ein Mensch fühlen, dessen Frau, Mann, Kinder, Eltern in der andauernden Gefahr leben müssen, dass sie bombardiert und beschossen werden, es aber keine Ärzte mehr gibt, kein Operationsbesteck, keine Schmerzmittel? Etwas Schlimmeres kann ich mir kaum vorstellen.

Und dazu das Gerede von den Obergrenzen und dass es christlich sei, wenn wir nur so viele reinlassen, wie sich mit uns vertragen, und dann am besten nur noch Christen, am besten welche mit europäischer Kultur – vielleicht aus Großbritannien? Aus Island? Aus der Schweiz?

Der Krieg tobt in Syrien und im Sudan, im Irak und an vielen anderen hundert Schauplätzen, die es nicht einmal in die Tagesschau schaffen –- und wir fürchten um unsere Bierzeltkultur?

 

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Peter Handrich

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Pastor/-innen
Peter
Handrich
Pastor in den Rotenburger Werken
Lindenstraße 14
27356
Rotenburg
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(04261) 920889
Mo. 19.09.16
Was heißt eigentlich Integration?
Hendrik Becker
Was heißt eigentlich Integration?

Was heißt eigentlich Integration? Bei „Europäischer Integration“ denken wir automatisch an ein Zusammenwachsen gleichberechtigter Partner. Aber bei den Geflüchteten scheint man unter Integration nur einseitige Anpassung zu verstehen.

Als meine Frau 1990 meiner Familie im tiefsten Ostfriesland vorgestellt wurde, verstand sie bei der damaligen Geburtstagsfeier meines Großvaters anderthalb Stunden rein gar nichts. „Ihr hättet arabisch sprechen können…“. Zur Beerdigung des Großvaters kamen die auf dem Nachbarhof einquartierten kurdischen Nachbarn. Opa wurde von den kurdischen Frauen mit Wehklagen betrauert. Man kannte sich gut vom Teedrinken. „Sett fell e´m Teewater up, de Kuur´ komt fut“ „Setz schnell Teewasser auf, der Kurde kommt gleich!“ hieß es. „Kook Tee!“ Zwei „Parallelkulturen“, die sich gut verstanden, die ostfriesische und die kurdische: Ein fast beduinisch-biblisches Erlebnis!

Sie lernen von uns, die Neuen aus dem Orient, aber ich lerne auch von ihnen. Es sind Menschen, die Respekt vor dem Alter haben, die ihre Alten niemals mit Giftspritzen in der Schweiz einschläfern lassen würden, denen Familie etwas bedeutet, Kinder sind für sie ein Segen. Ein Flüchtling sagte bei einem Besuch in einer Grundschulklasse: „Bei euch ist es so kalt. Jeder ist für sich. Darunter leide ich. Bei uns in meiner Heimat spielt sich das Leben auf der Straße ab.“

Ja, wer soll sich eigentlich wem anpassen? - Man lernt aneinander, so entsteht ein neues Ganzes: Integration! Die Bibel fasst diese Erfahrung in der Vision von der sogenannten Völkerwallfahrt zusammen: „Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk gegen das andere ein Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr Krieg führen lernen.“ (Jes. 2)

Eine schöne Herbstzeit wünscht Ihnen allen Ihr Diakon Hendrik Becker, Familiengarten Oyten.

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Hendrik Becker

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sonstiges
Hendrik
Becker
Diakon im Familiengarten Oyten (Nachbarkirchenkreis Verden)
Jahnstraße 4
28876
Oyten
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So. 11.09.16
Zwischen den Wahltagen
Jens Ubben
Zwischen den Wahltagen

Sie kriegen unser Kreuz und fragen bis zur nächsten Wahl nicht nach unserer Meinung. Sie sagen heute das, und morgen erinnern sie sich nicht mehr. Sie schreiben sich Dinge auf die Fahnen, die eigentlich andere getan haben. Manche sagen, dass das bei Politikern so sei.

Andere sagen: Sie wollen etwas bewegen. Sie bewahren einen langen Atem für komplexe Themen. Sie schlagen sich lange Abende um die Ohren. Sie tun das im kommunalen Bereich ehrenamtlich. Sie tun das, obwohl es immer Leute gibt, die die Ergebnisse blöd finden und es sowieso besser wissen.

Was können wir tun als Bürger, zwischen Wahltagen? Neben persönlichen Kontakten zu unseren Volksvertretern, neben konstruktiven Ideen, ermutigenden Worten, kritischen Rückfragen? Was tun, statt gleichgültig-frustriertem Ignorieren?

Christen sind aufgefordert zu beten! So heißt es im Neuen Testament im 1. Timotheusbrief: „So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für die Könige und für alle Obrigkeit.“ Vier Arten des Betens, auch für Politiker!

Beten heißt, Gott einzubeziehen in unser Leben und unser Miteinander. Eine Letztverantwortung bei etwas Größerem anzuerkennen, und den Kontakt zu diesem zu pflegen. „Bitte“ meint: Wir holen Gott hinein in unser Leben, nennen das, was wir brauchen. „Gebet“ steht für das alltägliche Gespräch mit Gott, das die Dinge des Lebens in das vertraute Gespräch mit ihm einfließen lässt. „Fürbitte“ bedeutet, die Not des anderen zu sehen. Zu wissen, dass wir allein es nicht lösen können, und darin dann den eigenen Beitrag zu erkennen. Der „Dank“ schaut wertschätzend zurück und freut sich am nicht Selbstverständlichen.

Tun wir das doch auch im Blick auf unsere Volksvertreter: Die „Bitte“, die Gott bewusst hineinholt in unser Leben. Das „Gebet“, das eigene gesellschaftliche Haltungen im stillen Zwiegespräch mit Gott reifen lässt. Die „Fürbitte“, die um Kraft, gutes Urteilsvermögen, Besonnenheit und Ausdauer für unsere Abgeordneten bittet. Und der „Dank“, der die Wertschätzung für das Gelungene wachsen lässt und auch persönlich zum Ausdruck bringt.

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Jens Ubben

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Gemeindebrief
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Jens
Ubben
Pastor
Große Straße 16
27383
Scheeßel
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(04263) 4920
So. 21.08.16
Die Saat der Diakonie
Matthias Richter
Die Saat der Diakonie

Neulich im Campus Unterstedt – der Landessuperintendent will sich ein Bild davon machen, wie die Diakonie die Flüchtlinge in Rotenburg betreut. Mit dabei sind vier junge Männer, aus Syrien, dem Irak, dem Iran. Sie erzählen, was sie nach Deutschland getrieben hat, was sie erlebt haben. Manche Träne fließt, besonders wenn sie von ihren Angehörigen in der Heimat berichten. Aber Augen leuchten auch, wenn es um die Zukunft geht. Einer hat gerade eine Festanstellung in einer Rotenburger Pizzeria bekommen. Der jüngste in der Runde – gerade 19 Jahre alt – wird rot, als zur Sprache kommt, dass er als erster eine einheimische Freundin hat. Er ist dankbar, dass er auch in ihrer Familie sehr herzlich aufgenommen wurde. Der andere steht in Gesprächen, wie er sein syrisches Studium hier fortsetzen kann. Alle haben in den letzten Monaten Deutsch gelernt, einer spricht holprig, der Student schon ziemlich geschliffen.

Würden wir es eigentlich merken, wenn unter unseren Bewohnern jemand radikal, vielleicht sogar gefährlich werden würde? Die erste Antwort auf unsere Frage überrascht uns nicht: Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht – nirgendwo auf der Welt, bei keinem Menschen, egal wo er herkommt. Denn was jemand im Verborgenen seines Herzens oder in den Untiefen des Internets treibt, ist nicht immer erkennbar. „Aber alles andere würden wir merken und gleich an Euch weitergeben“, sagt der angehende syrische Student und zählt die vielen Sprachen auf, die er versteht und die alle im Campus gesprochen werden. Da sind sich die vier Männer einig: Sie haben in den letzten Monaten durch Mama Grube, Madame Clüver und Frau Conny – wie sie ihre Betreuerinnen nennen – so viel Gutes erfahren, Trost gefunden und Hoffnung geschöpft, dass sie und alle, die sie kennen, für Hassparolen nicht anfällig sind.

Für mich ist es ein berührender Moment in dem schlichten Campuszimmer. Hier geht eine gute Saat der Diakonie auf. Das Zugehen auf den Nächsten hilft nicht nur dem Menschen, sondern kommt auch zurück. So wirkt Nächstenliebe mindestens doppelt. Ich glaube, wir schaffen es, die vielen Geflüchteten und Entwurzelten zu integrieren, wenn wir ihnen das Gefühl geben: Ihr seid Menschen, so wie wir – und Euer Schicksal lässt uns nicht kalt. Das ist oft schwierig, bewirkt aber tausendmal mehr als alle Parolen, die weiter spalten und nichts und niemanden nach vorne bringen.

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Matthias Richter

Matthias
Richter
Theologischer Direktor des Agaplesion Diakonieklinikums
Elise-Averdiek-Straße 17
27356
Rotenburg
Tel.: 
(04261) 77-0
So. 21.08.16
Gold für die Liebe
Peter Thom
Gold für die Liebe

Täglich haben wir sie vor Augen, die Sportler bei den olympischen Spielen: Wie sie kämpfen, sich verausgaben, fighten und manchmal unter Schmerzen das Letzte geben. Hochachtung! Und doch können nur die Besten über Medaillen jubeln. Die anderen gehen leer aus und ihnen bleiben nur Trauer und Tränen.

Wofür es bei den olympischen Spielen alles Medaillen gibt! Mindestens ebenso aufschlussreich ist, wofür keine Medaillen vergeben werden. Es gibt viele Ziele, für die zu kämpfen lohnen würde. Aber eben nicht mit Muskelkraft, sondern mit dem Herzen. Die olympischen Spiele der Herzen müssen erst noch erfunden werden. „Fairness im Straßenverkehr“ wäre eine echte Herausforderung. Sehr reizvoll wäre auch ein Wettkampf im Komplimente machen. Wo doch Wertschätzung so wichtig ist! Und warum kämpfen die Nationen dieser Welt nicht für die Menschenrechte, obwohl man dafür ganz viel Kraft, Mut und Ausdauer braucht?

In der Bibel steht: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei“, die sind die Besten, die gehören auf’s Treppchen. „Aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ Gold für die Liebe? Wer hätte das gedacht! Mit der Liebe hat keiner gerechnet, die hatte keiner auf dem Zettel. Ausgerechnet die Liebe! Donnerwetter!

Nur Insider wussten es schon immer. Fragen Sie mal die Verliebten, die haben es selbst erlebt: „Die Liebe ist das Größte überhaupt!“ Und die Miteinander-Alt-Gewordenen bekennen: „Nur die Liebe lässt uns leben.“ Christen wissen es ganz genau: „Nächstenliebe ist das höchste Gebot. Das ist die Königsdisziplin im Olympia der Herzen.“ Dafür lohnt es sich, alle Kräfte einzusetzen und zu kämpfen. Keine Frage, ohne Kampf geht es nicht. Keiner soll meinen, er käme kampflos zum Ziel. Das echte Leben ist im Schongang nicht zu haben. Aber der Kampf lohnt sich. Und jeder kann mitmachen. Auf die Plätze, fertig – los!

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Peter Thom

Peter
Thom
Pastor i. R.
Lüdinger Str. 5
27374
Visselhövede
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So. 14.08.16
Nicht einfach zu knicken
Alexa Wilke
Nicht einfach zu knicken

Eigentlich war einfach ein netter Abend geplant. Daraus wurde nichts. Das hatte er gleich gesehen, als sein Freund in der Tür stand. „Frag nicht!“, sagte der, grüßte kaum und saß kurz danach ziemlich geknickt auf dem Sofa. „Mensch, es gibt Tage…“ fing er an. Der Morgen beim dementen Vater. Und am Nachmittag dann auch noch Streit mit seiner Freundin. „Es gibt Tage, die ziehen einen nur runter...“

Im Laufe des Abends erzählte er. Der Vater am Morgen. Früher war er offen für die Welt, hatte Freunde und stand im Leben. „Er hatte richtig Feuer, weißt Du?“ Und heute erkundigten sich die Nachbarn zwar höflich, wie es ihm ginge. Doch hinter der Hecke hörte er sie munkeln: „Mit dem ist nichts mehr los!“ „Und dabei ist das nicht wahr! Wenn ich Papa Bilder von früher zeige, dann funkeln seine Augen richtig. Und ich sehe wieder den Papa, der er immer für mich gewesen ist.“

Eine Weile blieb er ruhig. „Aber das mit der Moni…“ begann er dann. „Das mit der Moni – ich hab wirklich Angst, dass das in all der Belastung zerbricht.“ Er sackte noch tiefer in sich zusammen: „Mensch, ich will sie nicht so knicken…“

Eigentlich war ein netter Abend geplant. Und nun saß sein Freund auf dem Sofa, erzählte und schimpfte, versank in Gedanken. Erzählte sich Stück um Stück aus seiner Traurigkeit und seinem Ärger über sich selber heraus und wurde ruhiger. Hätte er den Wochenspruch für die kommende Woche gekannt. Er hätte etwas mit ihm anfangen können. In solchen Begegnungen wie denen, die ihn an diesem Tag runtergezogen hatten, können wir ahnen, was es bedeutet (Jesaja 42,3), „Gott wird das geknickte Rohr nicht zerbrechen und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.“

 

 

 

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Alexa Wilke

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Dr. Alexa
Wilke
Pastorin der Stadtkirchengemeinde, Fundraisingbeauftragte im Kirchenkreis Rotenburg
Am Kirchhof 9
27356
Rotenburg //Postadresse: Westerwalseder Str. 7, 27386 Kirchwalsede
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(04261) 3061644
So. 14.08.16
Ber Jesus in der Küche
Thomas Steinke
Ber Jesus in der Küche

Als meine Geschwister und ich klein waren, haben unsere Eltern mit uns abends oft diese Liedstrophe gesungen: „Breit aus die Flügel beide, o Jesu, meine Freude, und nimm dein Küchlein ein...“ (Ev. Gesangbuch 477,8). Warum Jesus in die Küche gehen soll, habe ich nicht verstanden. Aber ich dachte an Onkel Willys und Tante Lenes Bauernhaus: Bei ihnen kam man nämlich von der Diele, auf der die Kühe standen, direkt in die Küche. Hier spielte sich das ganze Leben ab. Hier wurde nicht nur gekocht und gegessen. Hier setzte man sich mit den Besuchern an den Tisch, hier wurden die Pausen und der Feierabend verbracht. Hier gab es außer Schwarzbrot auch Kuchen und Chips. Hier ging es in den Gesprächen um die tägliche Arbeit und die große Politik. Kurz: Dieser Raum stand für mich als Kind für Gemeinschaft und Geborgenheit.
Und deshalb war es für mich ein beruhigender Gedanke: Wenn Jesus abends in der Küche ist, dann ist alles gut. Dann kann ich, falls ich im Dunkeln Angst haben oder falls tatsächlich etwas Schlimmes passieren sollte, ja schnell zu ihm rennen! Später habe ich den ursprünglichen Sinn des Bildes verstanden: Wie die Henne bei Gefahr ihre Flügel schützend über ihre Küken breitet, so möge Jesus in der Nacht segnend seine Hände über uns halten. Dann, wenn wir uns – möglichen äußeren und inneren Feinden wehrlos ausgeliefert – in den Schlaf fallen lassen. „Will Satan mich verschlingen, so lass die Englein singen: »Dies Kind soll unverletzet sein.«“, so geht die Liedstrophe weiter.
Und das tröstet mich noch heute, nicht nur nachts. Sondern auch tagsüber, wenn ich wieder mal den Eindruck habe, es ist buchstäblich „der Teufel los“ in unserer Welt. Dann ist es gut, diesen Zufluchtsort zu kennen: „Wie köstlich ist deine Güte, Gott, dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben!“ (Psalm 36,8).

 

 

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Thomas Steinke

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So. 31.07.16
Wer hat mein Leben eigentlich in seiner Hand?
Wer hat mein Leben eigentlich in seiner Hand?

Aber der Herr ist treu; der wird euch stärken und bewahren vor dem Bösen. 2Thess 3,3

 

Im Garten entdecke ich eine kleine Blattlaus auf meinem Pullover. Schnell läuft sie voran. Sie hat zwei lange Fühler, die ständig tastend in Bewegung sind. Bald erreicht sie meine Hand. Und dann verirrt sie sich. Sie läuft immer wieder um meine Hand herum und merkt gar nicht, dass ihr Weg kein Ziel haben wird.

Schlagartig wird mir bewusst: Sie ahnt gar nicht, dass sie auf einem Menschen sitzt. Sie weiß nicht einmal, was ein Mensch ist. Sie erkennt mein Gesicht über sich nicht als Gesicht, meine Augen nicht als Augen.

Ich schaue auf ihren Weg wie Gott auf meinen. Und ich habe die Macht über sie: In Bruchteilen einer Sekunde könnte ich sie zwischen den Fingern zerquetschen. Ihr Leben ist in meine Hand gegeben.

 

Wie oft kann ich wie die Blattlaus selbst gar nicht einschätzen, ob mein Weg, mein Lebensweg, ein Ziel haben wird. Angst und Sorge vor Anschlägen und politischer Instabilität rücken näher und lassen mich zaudern. Werde ich vollenden können, was mir wichtig ist, werde ich ans Ziel kommen?

Und wie oft bin ich wie die Blattlaus im Leben unterwegs, ohne mir Gedanken über den Grund zu machen, auf dem ich stehe.

 

Aber der Herr ist treu, der wird euch stärken und bewahren vor dem Bösen.

 

Mit Gottes Gegenwart, die in diese unsere Situation spricht, ändert sich zweierlei:

Zum einen relativieren sich die Ziele: Sind die Ziele, die sich ein jeder von uns gesteckt hat, tatsächlich auch die, zu denen Gott uns führen will? Ist das Bild, das ich von mir entworfen habe, auch das, wie Gott mich meint?

Zum anderen wird der Grund erkennbar: Trotz der Verunsicherungen und politischen Erschütterungen liegt unser Leben nicht in der Hand politischer Entwicklungen oder gar in der Hand von Attentätern oder Terroristen: Unser Leben, unser Sein ist im Leben wie im Sterben allein in Gottes Hand gegeben, denn:

 

Der Herr ist treu, der wird euch stärken und bewahren vor dem Bösen.

 

Viel Mut und Glaubensgewissheit wünscht Ihnen

Theodor Adam,

Pastor in St. Georg, Sottrum

So. 10.07.16
Mensch, werde wesentlich!
Harm Cordes
Mensch, werde wesentlich!

„ … schnell mal eben …“. Ich weiß nicht, wie oft ich diese Formel benutze. Ich gehe „schnell mal eben“ einkaufen, bin „mal eben“ mit dem Hund draußen oder erledige „schnell mal eben“ einen Anruf. Manchmal vergehen ganze Tage in diesem „schnell mal eben“ – und am Ende lässt sich kaum sagen, was an ihnen Wesentliches geschehen ist.

Wie? Sie leben auch so? Auch Sie bringen schnell mal eben die Kinder zur Schule, schauen „schnell mal“ bei Oma vorbei … Entsetzlich dieses „schnell mal eben …“. Bedeutet es doch zugleich: Das wirklich Wichtige kommt noch. Gleich, wenn das Unvermeidliche aber Unaufschiebbare erledigt ist.

Dabei ist mein Leben viel zu schade, all diese Dinge „schnell mal eben“ zu erledigen. Ganz abgesehen davon, dass ich es nicht mag, wenn mit mir so umgegangen wird. Ich will nicht „schnell mal“ angerufen werden, wer „schnell mal“ zum Geburtstag vorbeikommt, kann gleich zu Hause bleiben; Lob und Tadel „schnell mal eben“ angebracht, berühren mich wenig.

Johann Scheffler hat dieser Hektik und Oberflächlichkeit eine Mahnung entgegengehalten: „Mensch, werde wesentlich!“. Er will sagen: lass die Finger von Dingen, die nicht wichtig für Dich sind. Verschwende Deine kostbare Zeit nicht mit Unwesentlichem. Dafür hat Gott Dir Dein Leben, Deine Mitmenschen, Deine Aufgaben nicht anvertraut. Nimm ernst, was Du tust und lebst. Wo Du bist, da sei ganz. Oder eben gar nicht. Und auch das ganz bewusst.

„Mensch, werde wesentlich!“ Dieser Satz erinnert mich daran, dass jeder Moment meines Lebens kostbar, wesentlich sein kann und darf. Weil genau dieser Moment, diese Begegnung, diese Aufgabe das Leben ist, das Gott mir schenkt. Das aber will ich, darf ich bewusst leben und gerade nicht „schnell mal eben“ hinter mich bringen.

 

 

 

 

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Sa. 09.07.16
Lieder erklingen
Hilke Bauermeister
Lieder erklingen

Morgen ist das Finale der Fußball-Europameisterschaft. Zwei Mannschaften werden gegeneinander antreten. Fans werden sich im Stadion versammeln. Es werden die Nationalhymnen erklingen. Die Fans werden Gesänge anstimmen während des Spiels. Im Fußballstadion singt man gern und viel. Wie in der Kirche. Da singt man auch gern und viel. Vielleicht denken Sie nun: „Das mag ja sein. Aber die passenden Töne trifft man im Stadion leichter.“ Das stimmt! Viele Kirchenlieder haben schöne, aber anspruchsvolle Melodien. Wer die Melodie nicht kennt, hat es schwer, stets den richtigen Ton zu treffen. Da hat man es im Stadion einfacher.

Kirchenlieder und Fußballgesänge haben dennoch etwas gemeinsam: Singen verbindet. Obwohl sich die vielen Menschen in den Fankurven nicht alle kennen, sind sie doch für die Zeit, in der sie zusammen singen, geeint – geeint in dem Wunsch, ihre Mannschaft kräftig anzufeuern. Kirchenlieder vereinen Menschen im Gebet: Manche Lieder singen wir, um Gott zu danken, andere singen wir, um Gott zu klagen, was uns auf dem Herzen liegt. Lieder helfen, Traditionen zu bewahren, die Erinnerung wach zu halten an die Vergangenheit, sei es die Erinnerung an die glanzvolle Vergangenheit eines Fußballvereins oder die Erinnerung daran, was unser christlicher Glaube ist. Morgen Abend ist das Finale der Europameisterschaft. Morgen Vormittag ist Gottesdienst. In den Kirchen werden Lieder erklingen. Lieder, die uns daran erinnern, woran wir als Christinnen und Christen glauben: „Wenn wir in Frieden beieinander wohnten, Gebeugte stärkten und die Schwachen schonten, dann würden wir den letzten heilgen Willen des Herrn erfüllen.“ (Ev. Gesangbuch, Nr. 221, Strophe 2)

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Mo. 04.07.16
Ans Eingemachte gehen
Martin Söffing
Ans Eingemachte gehen

Die ersten Gläser Erdbeer-Rhabarber-Marmelade sind gekocht.

Die Erntezeit hat wieder begonnen.

Früher, so erinnere ich aus meiner Kindheit, füllten sich dann die Regale im Vorratskeller. Es wurde eingekocht, eingelegt, eingeweckt, eingemacht. Und im Herbst und Winter ging´s ans Eingemachte. Das reichte bis zur nächsten Erntezeit.

Heute werden Früchte meistens eingefroren. Aber redensartlich ist uns das Eingemachte geblieben. Ans Eingemachte gehen, so der Duden, meint: an die Substanz gehen, von der Substanz nehmen.

In entscheidenden Situationen, wenn Stellungnahmen gefordert sind, wenn es um zentrale Fragen und die Auseinandersetzung geht, ist das „Eingemachte“ gefordert.

In unseren unruhigen und verunsichernden Zeiten möchte ich nicht, dass aus dem Keller alte Parolen aus brauner Vorzeit hervorgeholt werden und an Macht gewinnen. Ich möchte von dem Vorrat nehmen, der uns im Evangelium zur Verfügung gestellt ist: Das ist ein unerschöpflicher Vorrat an guter Botschaft. Sie will Frieden stiften, dem Leben dienen, Gemeinschaft fördern, eintreten für die Würde des Menschen, für die Bewahrung der Schöpfung.

Aber auch dieser gute Vorrat darf nicht zur Parole entleert werden.

Wir können daraus Kraft schöpfen, wir dürfen Menschen der Hoffnung sein und des festen Vertrauens auf Gottes Wirken in der Welt.

Und er braucht dazu unsere Hände und Füße, unsere Ohren, Augen und unseren Mund und unser Mit-Fühlen und unseren Verstand. Richtig viel ist uns gegeben! Wir können es einsetzen und es werden wieder viele gute Früchte daraus wachsen.

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Martin Söffing

Martin
Söffing
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So. 12.06.16
Steh-Tipp für mit ohne Handy
Dr. Matthias Wilke
Steh-Tipp für mit ohne Handy

„Wenn Sie bei der Schnäppchenjagd im Kaufhaus jemanden verloren haben: geraten Sie, bitte, nicht in Panik! Bleiben Sie erst einmal ruhig stehen, gucken sich um – und gehen dann zu dem Punkt zurück, an dem Sie den anderen zuletzt gesehen haben. Hier verharren Sie und warten. Spätestens nach Ladenschluss werden Sie einander wiederhaben.“

Habe ich aus irgendwelchen Gründen kein Handy, um den anderen mal schnell anzurufen und zu fragen: „Ey, wo bist Du denn?“, dann mag dieser Steh-Tipp hilfreich sein. Jemanden zu suchen, muss nicht bedeuten, durch die Gegend zu laufen, sondern kann gerade auch heißen: stehen zu bleiben. Vielleicht stehen zu bleiben oder immer wieder nach kurzen Gängen zurückzukehren an einen Punkt, von dem ich überzeugt bin, dass der andere hier früher oder später wieder vorbeikommt. Denn hier waren wir schon einmal zusammen, bevor wir uns aus den Augen verloren. Auf diese Weise jemanden zu suchen, das erfordert viel Geduld, zugegeben. Vor allem, wenn zwei, die sich suchen, beide an irgendeinem Punkt stehen bleiben und darauf warten, dass sich der andere bewegt. Das gilt für zwei im Kaufhaus. Das gilt aber wohl auch für mich und den, den meine Seele sucht. Wer bewegt sich: er oder ich oder wir beide? Und an welchem Punkt waren wir das letzte Mal zusammen? Ohne, dass geklärt wäre, wer sich bewegt und wer wo wartet, heißt es von ihm, den meine Seele sucht, im Evangelium nach Lukas: „ER ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist“ (Lukas 19,10). Also: Spätestens nach Ladenschluss weiß auch ich, dass ich gefunden bin. Das erfordert Geduld, aber ist auch eine echte Verheißung.

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Dr. Matthias Wilke

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