Andachten

Kurz innehalten. Sich für einen Moment besinnen, woher wir eigentlich kommen, was wichtig ist im Leben. Dabei helfen uns kurze Andachten. Die Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreises Rotenburg verfassen jede Woche zwei Zeitungsandachten für die Rotenburger Rundschau und die Rotenburger Kreiszeitung. Wir veröffentlichen sie hier und schaffen damit ein Archiv, auf das Sie zurückgreifen können, wann immer Sie möchten. Denn: Ihre Zeitung werfen Sie irgendwann in den Papierkorb. Die Andachten behalten jedoch ihre Gültigkeit jenseits der Tagesaktualität.

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So. 13.08.17
Bauanleitung gesucht
Alexa Wilke
Bauanleitung gesucht

Eine Strandmuschel, zum Beispiel, ist ja auch nicht immer so hilfreich, wie man es sich wünschen würde. Beim Stangenmodell bringt man sich und das Augenlicht der Mitreisenden schon beim Aufstellen in Gefahr. Wohingegen das sich selbst aufbauende Modell „pop-up“ sich beim abendlichen Rückzug vom Strand gern geheimnisvoll gibt und nur mit einigem Widerstand wieder „down“ gefloppt werden kann.

Der Grund liegt auf der Hand. Strand und Sand sind für Traumschlösser und Kleckerburgen. Bei Ankunft von Flut, Wind oder dem nächsten spielenden Kind fallen sie in sich zusammen. So entsteht immer wieder Platz für Neues: Staudämme oder Seerobben aus Sand etwa. Das ist die besondere Freiheit am Meer. Nichts bleibt hier draußen lange wie es ist.

Und doch: Die viele Freiheit und der aufgewirbelte Sand werden manchem auf Dauer zu mühsam. Hier und da erwacht die Sehnsucht nach Behausung. Wohin dann? Doch die Strandmuschel? Der Freigeist wütet: „Du wirst doch nicht ernsthaft versuchen, sogar Meer und Strand zur windstillen Komfortzone zu machen! Der Sand zwischen deinen Zähnen – das ist der Preis der Weite!“ Und der Architekt sagt: „Bau nicht auf Sand!“ (Matthäus 7,24-27).

„Aber wohin denn dann am Abend?“, frage ich zerknirscht. Bauen, ohne Wind und Weite zu verraten. Heimisch werden, ohne die Freiheit zu verlieren. Das wär’s. „Bau auf das, was ich Dir sage“, mischt sich der ins Gespräch, den keiner am Strand erwartet hätte. Er selbst, Jesus von Nazareth, war ständig unterwegs und hatte keinen sicheren Platz. Nicht mal in der Nacht. Er lebte die Freiheit und herrscht über Wind und Wellen. Sein Vater im Himmel hält ihn und er hält auch mich am Strand des Lebens, mit und ohne Strandmuschel.

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Alexa Wilke

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Dr. Alexa
Wilke
Pastorin der Stadtkirchengemeinde, Fundraisingbeauftragte im Kirchenkreis Rotenburg
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27356
Rotenburg //Postadresse: Westerwalseder Str. 7, 27386 Kirchwalsede
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(04261) 3061644
So. 06.08.17
„Komm, wir gehen in die Schule!“
Peter Thom
„Komm, wir gehen in die Schule!“

Viele kleine Mädchen und Jungen haben in diesen Tagen aufgeregt ihren Schulranzen gepackt, haben stolz die Zuckertüte in den Arm genommen und sich fröhlich auf den Weg in die Schule gemacht. Endlich ist es so weit! Was für ein spannender Tag: Erst der Schulanfänger-Gottesdienst in der Kirche, dann die Einschulungsfeier.

Als Erwachsene spüren wir: Unsere Erstklässler sind ziemlich aufgeregt, aber sie freuen sich schon lange auf die Schule. „Jetzt geht es los, ich komme in die Schule!“ Wir merken, die Kinder sind offen für alles Neue. Sie sind so neugierig. Sie wollen ganz viel wissen. Lernen ist ihr Ding.

Als Eltern und Großeltern erleben wir ihre Begeisterung für das Lernen vielleicht mit etwas Neid. Wir wissen, dass das Lernen ein lebenslanger Prozess ist und eigentlich nie aufhört. Aber leider lässt die Begeisterung für das Lernen mit den Jahren nach. Je älter man wird, umso schwerer fällt es, offen zu sein für Neues. Aber genau das ist die Herausforderung, vor der wir immer wieder stehen: Wir müssen uns mit neuer Technik, neuen Möglichkeiten, neuem Denken auseinandersetzen. Und empfinden das manchmal als Zumutung.

Die Bibel erzählt von Abraham. Er war schon sehr alt, als Gott ihm zumutete: „Auf, mach dich auf den Weg in ein fremdes Land.“ Und Abraham ging los. Er vertraute auf Gott. Und darum wurde sein Leben gut.

Also machen wir uns mit unseren Kindern auf den Weg, lassen uns anstecken von ihrer Freude am Lernen. Und entdecken: Die Zukunft ist ein weites Land. Es lohnt sich aufzubrechen. Wir wagen vertrauensvoll den nächsten Schritt. Wer den nicht geht, bleibt stehen. Und verpasst die Zukunft.

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Peter Thom

Peter
Thom
Pastor i. R.
Lüdinger Str. 5
27374
Visselhövede
Tel.: 
04260 951159
Mo. 03.07.17
Schön gehört?
Harm Cordes
Schön gehört?

Haben Sie schon gehört? Von dem Kollegen, der sich von seiner Frau trennen will? Er soll eine neue Partnerin haben. Ist vielleicht auch besser so. Er war eh immer unterwegs. Und seine Frau, naja …

Haben Sie noch nicht gehört? Dann vielleicht die Sache mit dem Geschäft in der Hauptstraße, das bald zumacht. Da war ja sowieso nie was los. Kein Wunder, bei der Auswahl. Und überhaupt – diese Mitarbeiter …

Wussten Sie auch nicht? Doch von der Familie, drei Straßen weiter, die in dem komischen Haus, von denen haben Sie gehört, oder? Ein Kind soll vor Gericht stehen; irgendwas mit Diebstahl; naja, er wäre ja, wie man hört, nicht das erste Mal …

Haben Sie alles noch nicht gehört: von dem Kollegen, dem maroden Geschäft, den schwierigen Kindern? Dann sind Sie zu beneiden. Man kommt ja kaum durch den Tag, ohne massenweise Gerüchte und Halbwahrheiten aufzuschnappen – und leider (!) weiterzutragen. Was wäre die Frühstückspause ohne morgendlichen Tratsch, das Bier nach dem Sport ohne Schwank aus der Straße, die Kartenrunde ohne das Neuste aus der Stadt?

Ich weiß, wovon ich rede. Auch ich kann meine Gedanken, meine Zunge nicht immer im Zaum halten. Im Nachhinein ärgere ich mich. Ich weiß, wie verletzend Gerede ist. Ich ahne, wieviel Vertrauen durch Gerede zerstört wird. Wie leer muss mein Leben sein, wenn die Sorgen anderer Leute mich aufmuntern?

Manchmal fällt mir in solchen Momenten Luthers Erklärung zum achten Gebot ein. Er schlägt vor, den Mitmenschen nicht zu verleumden oder ins schlechte Licht zu rücken. Stattdessen könnte ich, so Luther, „ihn entschuldigen, Gutes von ihm reden und alles zum besten kehren …“

Das meint natürlich nicht, dass ich Schlechtes schön reden, Falsches mit dem Mantel des Schweigens umhüllen soll. Aber doch, dass ich sorgsam mit Worten über meinen Mitmenschen umgehen sollte. Nicht jedes Gerücht weitertragen. Einfach mal aufstehen, wenn es zu hässlich wird. Mich aus der WhatsApp-Gruppe abmelden, die mehr und mehr zur Läster-Gruppe verkommt.

Oder den anderen in Schutz nehmen. Für ihn einstehen. Ihn entschuldigen. Ihm den Rücken stärken. Ihm wird das guttun. Und unserer Gemeinschaft allemal. Haben Sie das schon gehört?

 

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Harm Cordes

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Gemeindebrief
Kirchenvorstand
Pastor/-innen
Harm
Cordes
Pastor, Vorsitzender des Kirchenvorstands
Bruchstraße 3
29640
Schneverdingen
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(05193) 986860
Mo. 03.07.17
Immer reicher an Erkenntnis und Erfahrung
Dr. Matthias Wilke
Immer reicher an Erkenntnis und Erfahrung

500 Antworten von Pädagogen wurden in einer Studie der Universität Oldenburg gesichtet mit dem Ergebnis, dass die Trennung von Name und Person keine leichte Sache ist. Das ist meistens kein Problem. Zum Beispiel beim Vornamen Astrid, der sich von den altnordischen Begriffen „ass/oss“ (Göttergeschlecht) und „frior“(Schönheit) ableitet. Somit kann man zum Vornamen Astrid die Bedeutung „göttlich Schöne“ assoziieren. Das ist gut so. Dass allerdings ein Vorname mit einer Voreinstellung gehört werden kann, könnte da, wo Kinder und Jugendliche neu in Gruppen oder Schulklassen zusammenkommen, auch schwierig sein. Es ist gut, wenn wir einander ohne Bedingungen vorurteilsfrei begegnen. Denn alle tragen die gleiche Würde in sich und müssen die gleichen Chancen haben.

Trotz aller Bemühungen jedoch von Eltern, Freunden und Lehrern im wertschätzenden und vorurteilsfreien Umgang mit Namen ist ungefähr jeder zehnte Deutsche mit seinem Vornamen unzufrieden. Manche leiden geradezu unter ihrem Namen. Das ist kein einfaches Thema. Manche versuchen, ihren Namen zu ändern. Schwerwiegende, sehr ernst zu nehmende Gründe werden vorgetragen und sind auch Voraussetzung für eine eventuelle Änderung. Andere finden im Laufe des Lebens ein positives Verhältnis zu ihrem Namen und prägen ihm ihr eigenes Bild auf: Durch die Art, wie sie ihren Namen repräsentieren, bestimmen sie die Bedeutung ihres Namens mit, und es wird ihr Name.

„Ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung“, heißt es im Monatsspruch für den Monat Juli (Philipper 1,9). Ein gutes Motto. Auch für den Umgang mit Namen.

 

 

 

 

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Dr. Matthias Wilke

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Superintendentur
Matthias
Wilke
stellv. Superintendent
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Fax: 
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So. 25.06.17
Spaltet Religion die Welt?
Werner Burfeind
Spaltet Religion die Welt?

Zeichen für den Frieden

Im Namen Gottes

 

Nun ist es passiert. In der Nacht zu Montag dieser Woche wurden Muslime Ziel eines Attentats. Ein 47 jähriger Mann aus Wales steuerte einen Lieferwagen in eine Menschenmenge nahe einer Londoner Moschee. Offenbar aus Vergeltung.

Spaltet Religion also unsere Gesellschaft?

Es scheint so kommen zu können. Dieser Angriff gegen ein Gruppe gläubiger Muslime spricht dafür. Aber es ist kein muslimisches Phänomen. Es ist nicht allzu lange her, da spaltete die Frage nach der Konfession ganz Nordirland. Evangelische Christen kämpften gegen katholische Christen.

Geht es bei allem um Religion? Ich wage es zu bezweifeln. Es geht um Macht. Es braucht einen Sündenbock, um den eigenen Zielen näher zu kommen. Dabei wird nicht nach dem Anteil des Einzelnen am eigenen Leid gefragt. Es reicht die Zugehörigkeit zu einer Gruppe.

Die Menschen aus der Londoner Moschee sind unschuldig an den Anschlägen zuvor auf der London Bridge oder der Westminster Bridge. Sie beten lediglich zu dem Gott, in dessen Namen die Attentäter dort gemordet haben.

Ich denke, wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht im Netz der Terroristen verfangen, die unsere Zivilgesellschaft spalten wollen. Wir müssen unterscheiden zwischen Islam und islamistischem Terror.

Im Namen Gottes lässt sich nicht töten. In der Bibel lesen wir die Aussage Jesu: „Glücklich sind, die Frieden stiften. Sie werden Gottes Kinder heißen“ (Bergpredigt). Auch im Begriff Islam steckt das Wort „Salam“, arabisch für Frieden. Im Namen Gottes können wir also nur für den Frieden eintreten. Für das Miteinander der Menschen.

Gut finde ich, dass wir in der letzten Woche eine Demonstration von Muslimen in Köln gegen den Terror gesehen haben. Bemerkenswert ebenso die Meldung, der Imam der Londoner Moschee habe sich schützend vor den 47-jährigen Waliser gestellt, als er nach seiner Tat attakiert wurde.

Von dieser friedenstiftenden Kraft der Religionen brauchen wir im Moment mehr.

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Werner Burfeind

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Jugendarbeit
Werner
Burfeind
Kirchenkreisjugenddiakon
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So. 04.06.17
„Segelst Du schon?“
Thomas Steinke
„Segelst Du schon?“

- „Oder ruderst Du noch?“ So könnte die Karikatur überschrieben werden, die mir vor Augen ist: Verbissen legen sich zwei Ruderer ins Zeug, während ganz entspannt und gelassen ein Paar Arm in Arm in einem Segelboot an ihnen vorbeifährt.

Für mich ist dies auch ein pfingstliches Bild. Gott hat seinen Geist versprochen, der weht, wo er will. Wie der Wind kommt er von außen. Wir können ihn nicht selbst machen, aber wir können uns dafür öffnen. Wir können die Paddel aus der Hand legen und die Segel setzen. Indem wir z.B. einen Gottesdienst besuchen. Jesus Christus hat die Nähe in seinem Geist in besonderer Weise zugesagt, wo wir in seinem Namen zusammen kommen. So laden z.B. sieben Gemeinden aus Rotenburg, die in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen verbunden sind, am Pfingstmontag um 11 Uhr zu einem gemeinsamen ökumenischen Gottesdienst auf dem Pferdemarkt ein. Auch in anderen Regionen unseres Kirchenkreises werden an diesem Pfingstfest besondere Gottesdienste gefeiert. Ebenfalls am Pfingstmontag findet etwa im Schulwald Lauenbrück neben der Kirche um 10 Uhr ein regionales Tauffest an der Wümme statt.

Immer geht es darum, dass wir uns an dem orientieren, was Christus in unsere Welt gebracht hat. Nicht verkrampft, nicht verbissen, nicht engstirnig sind wir unterwegs. Sondern von seinem Geist wollen wir uns bewegen lassen. Dieser Geist ist nicht ein Geist der Furcht oder der Abschottung. Nein, es ist der Geist Christi: Der Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit! (2. Timotheus 1,7)

Möge dieser Geist kräftig in unser Leben hineinwehen - bei uns persönlich und in unseren Kirchen und Gemeinden. Setzen wir die Segel, dann werden wir seine Kraft spüren! Gesegnete Pfingsten!

Thomas Steinke,
Pastor in Fintel

 

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Thomas Steinke

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Superintendentur
Thomas
Steinke
Pastor
Rotenburger Str. 11
27389
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Tel.: 
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So. 28.05.17
Worauf warten Sie?
Haike Gleede
Worauf warten Sie?

Eine interessante Runde sitzt am Tisch. Ein bescheidenes Abendessen ist vorbereitet: Frisches Brot, Wein, Trauben, Käse. Sie reden. „Wisst ihr noch, wie er damals mit uns zum Fischen rausfuhr. Da haben wir den Fang unseres Lebens gemacht!“ beginnt Petrus. „Wisst ihr noch, wie er die Kinder gesegnet hat?“ Maria lächelt bei dem Gedanken daran. Nach einer Weile sagt Johannes:

„Wisst ihr noch, wie sie ihn verurteilt und gekreuzigt haben!“ Schweigen.

Jakobus ergreift das Wort: „Wisst ihr noch, wie er uns danach begegnet ist und mit uns gesprochen hat?“ „Ich konnte es erst nicht glauben,“ bekennt Thomas, „aber jetzt weiß ich, dass Jesus hält, was er verspricht!“

„Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen!“ verspricht Jesus seinen Freunden, bevor er in den Himmel entschwindet.

Darauf warten sie. Sie wissen nicht wann, sie wissen nicht wie, aber sie wissen, dass Jesus ihnen Kraft senden wird.

Die Zeit zwischen Himmelfahrt und Pfingsten ist eine Wartezeit. Pfingsten erleben die Jünger den Durchbruch. Sie sind vorbereitet. In ihren Gesprächen haben sie Klarheit gewonnen. Nun können sie allen Menschen von Jesus erzählen. Sie setzen damit etwas in Bewegung, was die Welt verändern wird.

Meistens warten wir nicht gern. Warten – das ist schwer auszuhalten. Leerlauf, Stillstand – das ist unerträglich. Dennoch: Ich glaube, Wartezeiten sind wichtig.

Sie zwingen uns, anzuhalten und nicht gleich weiterzueilen. Darin liegt die Chance zu überdenken: Wo komme ich her? Wo will ich hin? Wo will Gott mit mir hin? Warten schafft Klarheit. Selbst das Warten auf den Bus, an der Kasse im Supermarkt oder an der Ampel können entscheidende Momente sein. Gerade in dieser kleinen Zwischenzeit kommt ein zündender Gedanken oder es ergibt sich ein Lächeln.

Manchmal fällt gerade dann der göttliche Funke in einen Menschen. Das ist Pfingsten!

 

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Haike Gleede

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Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
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Haike
Gleede
Pastorin
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(04288) 320
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So. 14.05.17
Frankreich hat gewählt
Olaf Feuerhake
Frankreich hat gewählt

Emmanuel Macron gegen Marie Le Pen. Viele haben aufgeatmet, als das Ergebnis feststand. Überall ist zu lesen, dass ein Wahlsieg von Le Pen das Ende von Europa gewesen wäre. Denn ohne Frankreich als einem Motor der europäische Einigung wäre eine Zukunft der Europäischen Union undenkbar, so die Auffassung aller Fachleute.

Europakritik ist in Mode. Die Argumente sind oft dieselben: Es kostet uns mehr, als es bringt, die offenen Grenzen und der Immigrantenzustrom seien unerträglich. Die Parole: Grenzen zu und kein Geld mehr für die EU.

Ich lese gerade ein Buch von Helmut Schmidt. „Deutschland und seine Nachbarn“ heißt es. Es ist schon 30 Jahre alt. Besonders interessant fand ich sein Kapitel über England. Ich lernte, dass Großbritannien bereits seit seinem EU-Beitritt 1973 ständig schwankte, ob es überhaupt zur EU gehören wolle. Der Brexit 2016 war schon der dritte Volksentscheid, in dem die Engländer darüber abgestimmt haben, ob sie in der EU (oder früher EWG) bleiben wollen. Der Euroskeptizismus ist in England so alt wie die englische Mitgliedschaft. Helmut Schmidt ist in seinem Urteil deutlich: Eine solche Haltung sei „nationaler Egoismus“. Natürlich fällt es nicht leicht, wenn man mehr Geld an die EU überweisen muss als man zurückbekommt. Natürlich ist es ein Opfer, wenn man Entscheidungskompetenzen an eine übergeordnete Instanz abgibt. Und natürlich läuft in Brüssel nicht alles optimal.

Europa ist ein Projekt der Solidarität. Stärkere Länder helfen schwächeren (selbst in kritischen Fällen wie Griechenland). Das Ziel: zusammenwachsen zu einer politischen Größe, die auch in Zukunft in der Welt von Bedeutung ist und die langfristig für gleichgute Lebensbedingungen innerhalb Europas sorgt. Helmut Schmidt warnt vor einer scheiternden Integration: Wir würden gegenüber China und den USA in die Bedeutungslosigkeit versinken. Und wir würden so arm werden, dass wir uns unseren Sozialstaat nicht mehr leisten können.

Solidarität – dieses Wort kommt in der Bibel noch nicht vor. Aber man kann es ganz gut verwenden, um den Geist christlicher Lebenshaltung zu beschreiben: den Schwächeren helfen, die Opfer nicht alleine lassen. Und zwar ohne Eigennutz, betont Jesus. Und doch frage ich mich, ob auf lange Sicht nicht jede solidarische Tat – gewissermaßen automatisch – auch für den Helfenden zum Vorteil wird. Im Falle Europa jedenfalls wird es so sein.

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Olaf Feuerhake

Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Olaf
Feuerhake
Schulpastor am Gymnasium Sottrum
27367
Sottrum
Fr. 31.03.17
Kirche und Werbung?
Haike Gleede
Kirche und Werbung?

Täglich werden wir mit Werbung überflutet. Werbung lockt mit tollen Angeboten und verspricht: Wenn du dieses Produkt kaufst, steigerst du damit deine Lebensqualität, dann bist du ein glücklicher Mensch.

Dabei haben wir es doch längst durchschaut. Nur Weniges ist wahr, nicht alles tut uns wirklich gut und nützlich ist es meistens auch nicht. Dennoch: Je lauter und je bunter etwas beworben wird, um so tiefer prägt es sich ein.

All die vielen Angebote überfordern mich und sie kosten mich viel Kraft und Lebensenergie. Ich schalte sie weg, werfe sie achtlos ins Altpapier und höre gar nicht hin. Und doch erreichen sie mich. Woher kommt es, dass die Medien uns so in ihren Bann ziehen, während das Wort Gottes uns nur gelegentlich erreicht? Macht die Kirche zu wenig Werbung? Aber passt das überhaupt – Kirche und Werbung? Jesus hat uns den Auftrag erteilt: Geht in die Welt und erzählt den Menschen, was ihr von mir gehört habt! Verkündet ihnen den Weg zum ewigen Leben! Macht die Menschen zu meinen Jüngern! Ladet sie ein in meine Gemeinde!

Auch Paulus hat sich nicht geschämt, für das Evangelium zu werben.

Für ihn war es die einzig seligmachende Kraft. Dafür hat er sich eingesetzt, weil ihm daran lag, dass immer mehr Menschen davon erfahren und aus dieser Kraft leben.

In vielen Gemeinden werden an diesem und den nächsten Sonntagen Konfirmationen gefeiert. Jugendliche sagen „Ja“, ich gehöre zu Christus, seine Botschaft ist für mein Leben wichtig.

Und bald schon werden Menschen in den Gemeinden gesucht, die sich als Kirchenvorsteher für die Kirche vor Ort einsetzen, sie verantwortlich gestalten und dafür sorgen, dass die wertvolle Botschaft der Bibel im Bewusstsein bleibt.

Bis heute verkünden wir Jesu Botschaft, weil wir glauben, dass sie unserem Leben eine neue Qualität gibt.

Für mich gibt es sonntags um halb zehn nichts Schöneres, als in die Kirche zu gehen und eine Botschaft zu verkünden, die hält, was sie verspricht.

 

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Haike Gleede

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Pastor/-innen
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Haike
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So. 16.04.17
Ein Glaube, der lebt und wirkt
Dr. Matthias Wilke
Ein Glaube, der lebt und wirkt

Sonntag – Auferstehungstag – in Jerusalem. Vor wenigen Stunden hatte Maria Magdalena eine Begegnung mit dem auferstandenen Christus gehabt, die alles auf den Kopf gestellt hatte. Nun sitzen die Jünger hinter verschlossenen Türen. Sie haben Angst. Angst, dass ihnen Unheil droht, dass man sie sucht und verfolgt. Plötzlich steht Jesus mitten im Raum. Durch die verschlossene Tür muss er gekommen sein – wie geht das denn? „Friede sei mit euch!“ Das haben sie schon einmal gehört. War es nicht beim Abschied von ihrem Herrn? Ja, so war es. Und nun wieder diese vertraute Stimme.

Thomas hat das alles nicht mitbekommen. Wenn er ihnen glauben soll, müsste er es selbst sehen. Mehr noch: Er müsste die Wundmale Jesu mit seinen eigenen Händen fühlen. Dann wäre er überzeugt. Ob er wirklich damit gerechnet hat, dass sich dieser Wunsch erfüllt? Am nächsten Sonntag ist es so weit. Wieder sitzen die Jünger – natürlich wieder ohne Judas Iskariot – im Hause zusammen. Die Tür ist zu. Wieder steht Jesus mitten im Raum. Wieder grüßt er mit dem Friedensgruß. Ohne Umschweife wendet er sich Thomas zu und fordert ihn auf, zu tun, was er braucht, um zu glauben. „Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite.“ Das öffnet Thomas die Augen. Es bricht förmlich aus ihm heraus: „Mein Herr und mein Gott!“

Mehr geht nicht. „Selig sind die nicht sehen und doch glauben“, muss er sich anhören. Das ist die Regel für die Zukunft: Nicht sehen und doch glauben. Wie kommt man dazu, an Gott zu glauben, wenn für uns so eine spürbare Begegnung mit dem Herrn, wie sie hier von Thomas berichtet wird, nicht möglich ist? Wie kriegt man das hin? Wie es zum Glauben kommt, ist schwer zu sagen. Trotzdem muss man auf die Frage hin nicht verstummen. Man kann selbst ein gutes Beispiel sein und davon erzählen, was der Glaube im eigenen Leben bewirkt. Man kann sprechen über die größere Klarheit der Entscheidungen, über die Kraft in Krisenzeiten, den Mut, den ersten Schritt zu tun, über die Freude an Versöhnung und Gerechtigkeit. Glaube ist ein Geschehen zwischen Dir und mir, zwischen Gott und Mensch – das aber natürlich trotzdem nach außen hin sichtbar und spürbar werden kann.

Davon erzählen Worte und Taten von Menschen, die in ihrem Beruf, in der Familie und in der Freizeit als Menschen, die auf Gott vertrauen, leben. Vielleicht ganz still und unbemerkt. Vielleicht öffentlich sichtbar. Auf jeden Fall getragen von der Überzeugung, dass es gut ist, sich einzubringen – als Anwälte des Lebens. Zum Beispiel Ingeburg und Werner. Statt im Ruhestand die Füße hochzulegen, entwickelten sie gemeinsam mit dem Diakonischen Werk die Idee, mit dem „Zahnmobil – Hilfe mit Biss“ bedürftigen Menschen eine Zahnbehandlung zu ermöglichen. Ihr Engagement lindert die Not da, wo sie am größten ist. In und im Umkreis einer Großstadt bietet das Ehepaar gemeinsam mit anderen Zahnärzten und weiteren Mitarbeitenden Behandlungen an – auch, wenn etliche der Patienten nicht krankenversichert sind. „Es ist ein tolles Gefühl, anderen zu helfen“, sagt Ingeburg. Entscheidend ist neben der medizinischen Versorgung auch, dass die Patienten durch dieses Angebot Wertschätzung und Aufmerksamkeit erfahren – etwas, was ihnen im Alltag oft fehlt.

Menschen in unserer Kirche geben ihre Zeit und ihre Kompetenz für andere. Gut, dass es sie gibt. Das ist ein Beispiel für einen Glauben, der lebt und wirkt. Christlicher Glaube tut der eigenen Seele gut und hat zugleich eine gesellschaftliche, soziale, politische Dimension. Wer Gott liebt, liebt auch den Nächsten wie sich selbst. Und das kann man sehen und spüren. So soll es sein.

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Dr. Matthias Wilke

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Matthias
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So. 09.04.17
Arabischer Frühling
Peter Handrich
Arabischer Frühling

Vor knapp 2.000 Jahren ritt Jesus auf einem Esel in Jerusalem ein. Die Straße säumten Menschen, die Hosianna riefen und mit Palmzweigen winkten. Sie erwarteten den Messias. Den König der Welt. Den Mann, der der Welt den Frieden bringen würde. Den Mann, der die römischen Besatzer aus ganz Israel vertreiben würde.

Ab Dezember 2010 versuchten viele Bewohner arabischer Länder ihre autoritären Regierungen mit Demonstrationen, Protesten und Aufständen zum Aufgeben zu bewegen und demokratischere Strukturen zu schaffen.

Beides hat nicht funktioniert. Jesus starb nur wenige Tage später am Kreuz. Außer in Tunesien hat der arabische Frühling nur zu noch autoritäreren Regierungen, zu Staaten ohne Regierung und ohne Schutz ihrer Bewohnerinnen oder zu Bürgerkriegen geführt. Syrien und der Jemen sind die traurigsten Beispiele dafür.

Wir Christen glauben, dass Jesus der Messias war, obwohl er am Kreuz starb. Für uns ist der Messias nicht der strahlende Gottmensch, dessen Kraft alles hinwegfegt, was auf dieser Welt schlecht ist. Für uns ist der Messias nur ein Mensch, der das nicht hingekriegt hat, was alle von ihm erwartet haben. Und der gerade deswegen Gottes Sohn war. Weil er so war wie wir: guten Willens – aber hilflos.

Und weil Gott nicht einfach so Frieden im Jemen und in Syrien schafft, weil da alle möglichen Länder ihre unheiligen Suppen am Kochen halten, sind wir in unserer Hilflosigkeit gefragt. Wir versuchen denen, die geflohen sind, ein Zuhause zu geben. Wir spenden für Ärzte ohne Grenzen. Aber vor allem: Wir sprechen mit allen, die das hören wollen und auch mit allen, die das nicht hören wollen, friedlich. Und vom Frieden. Und von der Welt, die Jesus eigentlich wollte, als er vor knapp 2.000 Jahren auf einem Esel in Jerusalem einritt.

Das ändert die Welt täglich.

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Peter Handrich

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Peter
Handrich
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So. 09.04.17
Aus der Finsternis ins Osterlicht
Marita Meixner-Ander…
Aus der Finsternis ins Osterlicht

Am Sonntag beginnt die Karwoche. „Von der Finsternis ins Licht“ heißt es in der Region Ahausen-Horstedt-Sottrum.

Karwoche – warum noch? Für viele Menschen wird sie von dem Osterferien überstrahlt: Skifahren oder Sonne tanken irgendwo im Süden, jedenfalls endlich heraus aus dem Alltagstrott.

Doch nicht nur solche erlebnisbedingten Begleitumstände ziehen die Aufmerksamkeit von der Karwoche ab, es ist vor allem ihr Inhalt, der viele auf Abstand hält. Wer lässt sich schon gerne mitnehmen auf einen Weg, der erst einmal in die Dunkelheit, ans Kreuz, in den Tod führt.

Wir dürfen nicht meinen, es ginge uns im Leben besser, wenn wir weniger über Kreuz und Leiden nachdächten. Jeder durchläuft irgendwann in seinem Leben solche Zeiten – aufgrund von Krankheit, Angst, Feindschaft, Not, Verlassenheit oder Misserfolg. Und auch der Tod bleibt niemandem erspart.

Entscheidend ist, wie wir solche Zeiten durchleben. Werfen sie uns um? Bleiben wir in der Dunkelheit stecken? Wer sich mit Jesus auf den Weg durch diese Zeit der Karwoche macht, bekommt Teil an seiner Kraft, seinem Gott-Vertrauen.

Natürlich hat der religiöse Selbstbedienungsladen des 21.Jahrhunderts ganz andere Leckerbissen anzubieten. Zen-Meister, Yogaübungen und tibetanische Klosterweisheit scheinen der christlichen Karwochen-Frömmigkeit bei weitem überlegen zu sein.

Doch die Tragfähigkeit einer Frömmigkeitsform wird sich im konkreten Leben zeigen. Das Evangelium der Karwoche ist jedenfalls kein sinnloses Mantra, kraft dessen alles persönliche Erleben sich in Wohlbefinden auflöst. Es ist vielmehr eine innere Wegbeschreibung zu Gott, die aus der Finsternis heraus zum Osterlicht führt – zu Freude, Kraft und Verantwortung.

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Marita Meixner-Andersohn

Marita
Meixner-Andersohn
Pastorin
Im Specken 3
27367
Ahausen
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(04269) 5288
So. 26.03.17
Dummheit regiert, wenn Bildung krepiert!
Roger Moch
Dummheit regiert, wenn Bildung krepiert!

Dummheit regiert, wenn Bildung krepiert!

Das schrieb Martin Luther in der Schrift: „An die Ratsherren aller Städte deutschen Landes“ 1524, dass sie „christliche Schulen aufrichten und halten sollen.“

Aus dieser Forderung entstand dann erst 1919 durch die Weimarer Verfassung die allgemeine Schulpflicht für ganz Deutschland. Luther war es wichtig, dass die Menschen Lesen und Schreiben lernen. Dabei dachte er bei seiner Forderung nach „Bildung für alle“ aber nicht ursprünglich ans Bibel lesen und auswendig lernen. Er wollte vor allem, dass jeder Mensch sich seine eigene Meinung bilden kann. Dass man fähig ist, ein Thema zu verstehen und zu beurteilen. Deshalb sollten Jungen und Mädchen in die Schule gehen. Das war und ist für mich ein entscheidender Grund in der (Berufs)-Schule zu arbeiten.
Lernen ist eine lebenslange Aufgabe, die auch im Erwachsenenalter nicht aufhört. Deshalb haben die Nachfolger von Luther immer wieder Bildungseinrichtungen gegründet. Der dänische Pfarrer Severin Grundvig hat z.B. die Volkshochschule erfunden Auch da ging es darum, Bildung allen Menschen zugänglich zu machen. Bildung ist aber nicht nur Lesen, Schreiben und Rechnen lernen. Bildung ist, wenn sich etwas im Menschen herausbildet. Eine Meinung, eine Haltung oder ein Standpunkt. Eine gegenwärtige „Kernkompetenz“ für Lernende ist und wird sein, die sogenannten „Fakenews“ und unsinniges "Getwittere" aus den Weiten des Internets von echten Informationen unterscheiden zu können. Hier übernimmt das Erlernen des oftmals zitierten „Faktenchecks“ eine erhebliche Rolle.
Ich bin froh, dass wir ein funktionierendes Schul- und Bildungssystem in Deutschland haben, dass beispielsweise ein Schüler oder eine Schülerin ohne einen Schulabschluss an einer Berufsbildenden Schule die Schullaufbahn noch mit dem Abitur abschließen kann. So werden jungen Menschen wirkliche Chancen für den Übergang in das weitere (Berufs)- Leben ermöglicht. Ich lasse mich darum im 500. Jahr des Reformationsjubiläums gerne an Martin Luther erinnern.

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Roger Moch

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Schulpastor/-innen
Weltanschauungsfragen
Roger
Moch
Schulpastor
Schmezer-Str. 8
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Verden
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So. 19.03.17
Den Blick nach vorn
Jens Ubben
Den Blick nach vorn

Wer am Steuer eines Traktors sitzt, mit einem Pflug im Rücken, wird nicht einfach losfahren. Für mich ist das nachvollziehbar: Wer gerade Furchen in den Acker ziehen möchte, sollte nach vorne sehen. Nur wer den Blick nach vorne hat, nur wer das Ziel fest im Blick hat, wird es auch erreichen können. Wenn die Linie einmal gezogen wurde, dann lässt es sich auch anders orientieren. Und heute hat man Satellitennavigation an Bord. Aber auch die kommt ja nicht aus dem Nichts. Gerade die hat einen festen Bezugspunkt. Und der entsteht durch einen klaren Bezug auf das Ziel.

Wohin geht der Blick am Steuer meines Lebens, frage ich mich. Geht er zurück? Leiten mich Erfahrungen der Vergangenheit? Geht der Blick auf die Erfolge oder Misserfolge einer früheren Zeit? Der Blick in den Rückspiegel ist wichtig. Wer nur darauf schaut, lebt gefährlich.

Oder geht der Blick auf mich selbst und das direkte Umfeld? Auf die direkten Rahmenbedingungen? Meine eigenen Möglichkeiten, meine Grenzen? Auch das greift zu kurz.

Geht der Blick schließlich nach vorne? Auf einen Zielpunkt, den ich nicht aus dem Auge verlieren will? Der vielleicht ganz klein ist, nur schemenhaft zu erkennen, den ich aber klar fokussiere?

Das Beispiel vom Pflügen verwendet Jesus. Er fordert Menschen auf, als Zielpunkt ihn selbst in den Blick zu nehmen. Seinen Worten und Gedanken für diese Welt Gehör zu schenken. Seinen Umgang mit Menschen genau in den Blick zu nehmen. Darauf zuzugehen mit dem eigenen Leben. Das meint er, wenn er von Nachfolge spricht.

Gerade sind wir in der Passionszeit, gehen auf Karfreitag und Ostern zu. Viele nutzen die Wochen, um bewusst auf bestimmte Dinge zu verzichten. Kürzer zu treten, um Freiräume zu schaffen. Ich finde: Wo wir bewusst etwas weglassen, tun wir gut daran zu überlegen, was stattdessen geschehen soll. Gut ist, wenn die entstandene Lücke gefüllt wird durch etwas, was für die Zeit danach hilft.

Das Beispiel vom Pflügen will dabei einen Akzent setzen: Nutzen wir doch die Passionszeit, um das Ziel neu anzupeilen. Wohin geht der Blick am Steuer meines Lebens?

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Jens Ubben

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Gemeindebrief
Pastor/-innen
Jens
Ubben
Pastor
Große Straße 16
27383
Scheeßel
Tel.: 
(04263) 4920
So. 05.03.17
Du siehst mich
Franziska Heimann
Du siehst mich

Eine Plakatwand. Sie ist leuchtend orange. Auf der großen Fläche sind nur zwei Augen und ein Mund abgebildet. Die Augen sehen aus wie Bastel-Kulleraugen zum Aufkleben. Der Mund besteht aus einem nach oben gebogenen Satz: „Du siehst mich.“ Das Plakat wirkt freundlich mit den Augen und dem Mund auf dem orangefarbenen Hintergrund. Es ist die Werbung für den Deutschen Evangelischen Kirchentag 2017 in Berlin und Wittenberg. Er steht unter dem Motto „Du siehst mich“. In der Bibel wird das über Gott gesagt. „Du bist ein Gott, der mich sieht.“
Ein Gott, der mich sieht. Egal, wo ich bin, egal was ich tue. Ob ich allein bin oder zusammen mit anderen. Ob ich schlafe, oder wach bin. Ob es dunkel ist oder hell. Das ist ein Gedanke, der manch einem zu viel und zu nah ist. Nichts an mir ist ihm verborgen. Gott durch-schaut mich. Das kann beängstigend sein. Als wolle er mich kontrollieren, mir bei allem auf den Mund und die Hände schauen. Will ich das? Diskussionen um Überwachungskameras oder die Nachverfolgung jeder meiner Schritte im Internet zeigen: eigentlich will ich das nicht.
Ich denke entscheidend ist die Motivation, die dahintersteht, wenn jemand mich und mein Leben ansieht. „Du bist ein Gott, der mich sieht.“ Immer. Ob ich gerade stolz auf mich bin, weil mir etwas wirklich gut gelungen ist. Oder ob ich mich klein fühle. Ob ich gar nichts geschafft habe, ob ich allein bin und das eigentlich nicht möchte. Gott wendet seinen Blick nicht ab. Er sieht hin. Er sieht mich an. Es ist kein drohendes, überwachendes Sehen. Es ist vielmehr ein aufmunterndes, mitfühlendes und mutmachendes Sehen. Gott sieht mich an. Immer. Und er schenkt mir damit An-sehen. Ich finde es ist ein schöner Gedanke, dass da immer jemand ist, der mich sieht. Der da ist, auf den ich mich verlassen kann. Du siehst mich, Gott. Danke dafür.

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Franziska Heimann

Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Franziska
Heimann
Vikarin in der Peter-und-Paul-Kirchengemeinde
Schneverdingen
So. 26.02.17
Hätte ich mehr getan?
Matthias Richter
Hätte ich mehr getan?

Seit einigen Wochen ist sie als Buch zu kaufen: Die historische Untersuchung „Über Leben in der christlichen Kolonie“. Sie behandelt die Geschichte des Diakonissen-Mutterhauses, der Rotenburger Werke und ihrer Vorsteher von 1905-1955. Ein renommierter Historiker hat dafür über ein Jahr lang geforscht, alte Archive gewälzt und dann alles aufgeschrieben. Beim Lesen entsteht bei mir ein Bild, wie die diakonischen Unternehmen in Rotenburg wachsen und ein Segen für viele werden. Aber es geht es mir auch neu unter die Haut, wie damals Menschen mit Behinderung in unserem Diakonieklinikum zwangssterilisiert worden sind. Noch mehr erschüttern mich die Berichte, wie Menschen aussortiert worden sind und dann im Rahmen der sog. T4-Aktionen abgeholt und feige ermordet wurden.

Und mitten drin in diesen Zeiten als Vorsteher Johannes Buhrfeind, nach dem auch die Straße benannt ist, in der ich wohne. Wie könnte es anders sein, dass er als Mensch seiner Zeit in hervorgehobener Position verstrickt ist mit allem, was um ihn herum passiert. Durch die Lektüre verstehe ich manche seiner Handlungen besser. Wie er bei den T4-Aktionen versucht hat, das Schlimmste zu verhindern oder zumindest hinauszuzögern. Auch wird deutlich, dass er niemals überzeugter Vertreter der NS-Ideologie oder ein Haupttäter der Verbrechen jener Zeit ist. Aber gleichzeitig kommt mir beim Lesen die Frage: Lieber Amtsbruder Johannes, hättest Du nicht etwas mutiger sein und etwas mehr tun können? Aber kaum gedacht kommt die nächste Frage an mich: Wäre ich in Deiner Situation mutiger gewesen und hätte ich mehr getan?

Ich bin froh, dass die Studie vorliegt und sich jeder selbst diese Fragen stellen kann. Noch wichtiger ist mir aber das Bewusstsein dafür, dass jede Zeit solche Fragen hervorbringt und das Gewissen herausfordert. In diesen Tagen ziehe ich für mich diese Parallele: Ich bin Zeuge, wie Menschen sich nach Deutschland geflüchtet haben und in Sicherheit sind. Dann werden sie in ein Flugzeug gesetzt und nach Afghanistan geflogen, wo es vielleicht auch sichere Ecken gibt, wo vielleicht aber auch der Tod wartet.

Vielleicht werde ich im Himmel gefragt werden, warum ich nichts dagegen getan habe. Geschichte wiederholt sich niemals genau gleich. Aber die Herausforderungen, sich für den Wert und den Schutz des Lebens einzusetzen, die bleiben.

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Matthias Richter

Matthias
Richter
Theologischer Direktor des Agaplesion Diakonieklinikums
Elise-Averdiek-Straße 17
27356
Rotenburg
Tel.: 
(04261) 77-0
So. 19.02.17
Hilft auch bei Verstockung
Dr. Matthias Wilke
Hilft auch bei Verstockung

Ein junger Mann aus Tuttlingen, sagt der Dichter, kam einmal ins reiche Amsterdam. Er blieb vor einem prächtigen Gebäude stehen. Was für eine Villa! „Wem gehört das Haus?“, fragte er einen Vorübergehenden. Doch der, Niederländer der er war, sagte nur: „Kannnitverstan“. Aha, dachte der junge Mann und ging weiter. An einer Gracht sah er ein großes Schiff mit vielen reichen, fröhlich feiernden Menschen. „Wau“, sagte er, „wem das wohl gehört?“ Wieder erhielt er die Auskunft: „Kannnitverstan“. „Dem gehört wohl alles“, grummelte er. Und als er auch noch hörte, dass der Jackpot der Lotterie geknackt worden war und wieder, klar, von einem „Kannitverstan“, da hielt es ihn nicht mehr, sondern er murmelte so platte Gedanken wie: „Ja, wenn einer hat, dann wird ihm auch noch alles andere … einfach so nachgeschmissen.“ So ging er weiter und sah vom Rand aus grummelnd dem Leben zu. Sein Herz wurde hart. Verbittert kam er an eine Straßensperre. Ein Leichenzug zog des Wegs. „Wer wird denn begraben?“, fragte er und bekam die Antwort: „Kannnitverstan“. „Och“, sagte der junge Mann und war sofort etwas ergriffen, „so was. Nun liegt er da, hat nichts von seinem Gewinn, der Herr Kannitverstan…“.

Ich denke nach über diese Geschichte, der einmal eine wahre Begebenheit zugrunde lag. Wer hätte das gedacht? All der Groll hätte bei dem jungen Mann auch zu Dauerverstockung führen können. Doch Gott rüttelt an ihm durch das, was er hört und erlebt – und löst die Verstockung. Möge er auch mein Herzensgegrummel lösen. Auf dass sich erfüllt, was die Losung für die kommende Woche fordert: »Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht“ (Hebräer 3, 15).

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Dr. Matthias Wilke

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Pastor/-innen
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Pastor/-innen
Matthias
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Pastor
Westerwalseder Straße 7
27386
Kirchwalsede
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(04269) 9320121
Fax: 
04269-2187
So. 12.02.17
Was mich trägt
Peter Thom
Was mich trägt

Ich schaue aus dem Fenster: Ein paar Schneeflocken schweben herab und wirbeln umher. Vom Wind getrieben und getragen tanzen sie eine Weile den Schneeflockentanz. Und sinken schließlich hinunter zu den vielen anderen, die schon wieder tauen.

Was bewegt mich im noch jungen Jahr 2017? Bin ich auch nur eine Schneeflocke unter vielen anderen, die den Mächten und Kräften dieser Welt gehorchen müssen? Was trägt mich? Was treibt mich?

Nein, Schneeflocke bin ich nicht. Ich habe Willen und Verstand, meine Kräfte einzusetzen, Neues zu bewegen und Gutes zu tun. Dafür bin ich ein erwachsener Mensch und trage Verantwortung für mich und andere. Ich bin nicht Getriebener; ich betreibe meine Sache. Ich habe Vorsätze für’s neue Jahr und guten Willen, die Zukunft zu gestalten.

Was treibt mich in alledem? Ist es die Angst vor der Unberechenbarkeit des neuen amerikanischen Präsidenten? Oder der drohende Wirtschaftskrieg, der mich bangen lässt? Was wird aus Europa? Oder ist es die Furcht vor Krankheit oder Unglück? Ich muss mir bewusst machen, was mich treibt; denn Angst und Sorge sind schlechte Ratgeber. Sonst bin ich am Ende doch nur Getriebener von Ängsten und allgemeiner Panikmache.

Welche Hoffnungen habe ich für das neue Jahr? Was trägt mich, was gibt mir guten Mut, Neues zu wagen? Was begeistert mich? Ich muss mir das bewusst machen, sonst bleibe ich abhängig von den wohlfeilen Illusionen dieser Zeit.

„Die der Geist Gottes treibt, die sind seine Kinder.“ Ich will mich leicht machen – wie eine Schneeflocke so leicht – und mich treiben lassen von Gottes lebensschaffender Energie. Ich will mich tragen lassen von seinem guten Geist.

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Peter Thom

Peter
Thom
Pastor i. R.
Lüdinger Str. 5
27374
Visselhövede
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04260 951159
So. 15.01.17
Das neue Jahr: Chancen und Risiko
Hilke Bauermeister
Das neue Jahr: Chancen und Risiko

Die ersten beiden Wochen des neuen Jahres liegen hinter uns. Die Schule hat wieder begonnen. In den Betrieben sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Ferien zurück. Man hatte Gelegenheit genug allen ein frohes neues Jahr zu wünschen. Wir haben die Schwelle zum Jahr 2017 überschritten. Der Alltag hat uns wieder. Und doch erscheint die Frage, was das Jahr wohl bringen wird, noch angebracht: Gut zwei Wochen liegen hinter uns, 50 werden noch kommen, bis wir wieder Silvester feiern. – Der eine freut sich womöglich, weil er Schönes erwartet. Ein anderer sieht vielleicht skeptisch in die Zukunft. Aus Erfahrung weiß man, dass nicht jeder Tag freudige Erwartungen erfüllt. Und vielleicht gibt es auch Menschen, die den kommenden Wochen mit Sorge entgegensehen, weil unangenehme Termine schon festgelegt sind für Prüfungen oder für Krankenhausaufenthalte. Das neue Jahr: Chance und Risiko.

Wenn Risiken Angst machen, tut es gut, sich klar zu machen, dass wir nicht allein mit allem fertig werden müssen. Da sind vielleicht Freunde und Verwandte, auf die man zählen kann. Und da ist auch noch Gott! Er hat versprochen uns beizustehen Stunde um Stunde, Tag für Tag. Ihm können wir klagen, was schwer ist. Ihm können wir danken, was uns froh macht. Ihn können wir um Kraft und Mut bitten: „Wenn ich schlafe, wenn ich wache, wollest du, Herr, bei mir sein; geh ich aus, wollst du mich leiten; komm ich heim, steh mir zur Seiten. Lass dies sein ein Jahr der Gnaden, hilf ab von allem Schaden“ (nach Ev. Gesangbuch, Nr. 61, Strophen 2 und 3). Mit diesen Versen aus dem Gesangbuch grüßt Sie herzlich Hilke Bauermeister, Ihre Pastorin aus der Auferstehungsgemeinde Rotenburg.

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Hilke Bauermeister

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Pastor/-innen
Hilke
Bauermeister
Pastorin
Berliner Ring 19
27356
Rotenburg
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(04261) 961 33 90
Sa. 07.01.17
Rufe mich an...
Rufe mich an...

Und wann haben Sie das letzte Mal mit Amerika telefoniert? Vielleicht der fernen Tante ein frohes neues Jahr bzw. eher ein „Happy new year“ gewünscht. Oder doch eher mit Spanien telefoniert? Letztes Jahr, als die Kinder dorthin geflogen sind, eben angerufen haben, dass sie gut gelandet sind. Schon erstaunlich, was heute so möglich ist. Dabei gibt es dieses Telefonieren zwischen fernen Kontinenten schon etwas länger. Heute am 7. Januar vor 90 Jahren gab es zum ersten Mal eine Telefonverbindung zwischen der alten und der neuen Welt. London und New York, die Zentren der Macht, nur einen Anruf entfernt. Nun war es nicht ganz so einfach wie heute: Nummer wählen und anrufen, nein. Aber es war schon eine Übertragung per Funk – Handyanruf sozusagen. Seekabel sollten erst später kommen. Aber wie wichtig sollten diese langen Leitungen noch werden! Das rote Telefon – der heiße Draht zwischen dem weißen Haus und dem Kreml. Sinnbild für den Versuch, folgenschwere Missverständnisse zu vermeiden.

Ich wünsche mir auch heute ein ums andere Mal einen solchen Anschluss, um zu verstehen, was da eigentlich zwischen Krisen und Populismus auf unserer Welt so gehörig schief läuft. Einen solchen Anschluss aber haben wir alle. Heißer Draht nach oben sozusagen. Gott sagt selbst: „Rufe mich an, so will ich dir antworten und will dir anzeigen große und gewaltige Dinge, die du nicht weißt.“ Ja, das könnte dieser Tage wirklich nicht schaden, so große und gewaltige Dinge gezeigt zu bekommen! Im Gebet. Schon immer drahtlos.

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