Andachten

Kurz innehalten. Sich für einen Moment besinnen, woher wir eigentlich kommen, was wichtig ist im Leben. Dabei helfen uns kurze Andachten. Die Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreises Rotenburg verfassen jede Woche zwei Zeitungsandachten für die Rotenburger Rundschau und die Rotenburger Kreiszeitung. Wir veröffentlichen sie hier und schaffen damit ein Archiv, auf das Sie zurückgreifen können, wann immer Sie möchten. Denn: Ihre Zeitung werfen Sie irgendwann in den Papierkorb. Die Andachten behalten jedoch ihre Gültigkeit jenseits der Tagesaktualität.

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So. 26.11.17
Jamaika – oder die Kunst des Kompromisses
Jutta Wendland-Park
Jamaika – oder die Kunst des Kompromisses

Bisher dachte ich bei dem Begriff „Jamaika“ immer an weiße Strände, Sonne und Meer, Reggae und pure Lebensfreude. Seit der Sondierungsgespräche von CSU/CDU, der FDP und den Grünen hat sich dies verändert und Kompromissfähigkeit kommt mir zuerst in den Sinn. Laut Wikipedia ist der Kompromiss „die Lösung eines Konfliktes durch gegenseitige freiwillige Übereinkunft, unter beiderseitigem Verzicht auf Teile der jeweils gestellten Forderungen. Er lebt von der Achtung der gegnerischen Positionen und gehört zum Wesen der Demokratie“. Klingt einfach und ist scheinbar doch so schwer. In den letzten Wochen haben wir es in der Auseinandersetzung der politischen Parteien um eine Regierungsbildung erlebt.

Ob in der Politik und Wirtschaft, in der Partnerschaft oder im Beruf, ohne Kompromissbereitschaft geht es nicht voran. Zugegebenermaßen hat der Kompromiss nicht nur einen guten Ruf. Manchmal wird ihm vorgeworfen, dass er etwas für Unentschlossene, Schwächlinge oder Unklare sei. Fest steht jedoch, dass der Kompromiss alle Lebensbereiche prägt.

Selbst Gott lässt sich in der Bibel auf Kompromisse ein. Ich denke daran, wie Abraham mit ihm erbittert über die Zahl der Menschen in Sodom und Gomorra verhandelt, die Gott vernichten will, weil die Schrecklichkeit ihrer Sünden zum Himmel schreit. In den Verhandlungen gelingt es Abraham schließlich mehrfach, diese Zahl zu verringern.

Es sind viele Themen mit unterschiedlichen Interessen, die auf der politischen Agenda stehen. Vor allem aber geht es um die Suche nach dem Besten für unser Land und für die Menschen, die hier leben und leben möchten. Traurig, wenn ein Miteinander nicht gelingt.

 

 

 

 

 

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Jutta Wendland-Park

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So. 19.11.17
Mein unbekannter Opa
Thomas Steinke
Mein unbekannter Opa

Meinen Opa habe ich nicht mehr kennengelernt. Er starb einige Jahre vor meiner Geburt. Was ich mit ihm verbinde, hat mein Vater mir erzählt. Unfassbar, was mein Opa in seinem Leben durchgemacht hat. Aufgewachsen im heutigen Polen musste er als junger Soldat im Ersten Weltkrieg beim russischen Heer kämpfen. Er geriet in deutsche Gefangenschaft, lernte dort seine Frau kennen und die beiden heirateten. Doch nach der Geburt des zweiten Kindes starb seine Frau. Er zog zurück zu seinen Eltern, unweit der russischen Grenze. Dort machte er Bekanntschaft mit einer jungen Witwe, die drei Kinder hatte. Nach der Heirat mit ihr hatten sie also fünf Kinder und in den folgenden Jahren wurden ihnen noch sechs gemeinsame Kinder geboren. Sie hatten sich einen kleinen Hof aufgebaut, den der älteste Sohn übernahm. Nun zog mein Opa mit seiner Frau und den sechs kleinen Kindern an verschiedene Orte. Er pachtete jeweils Land und Hof, aber durch unglückliche Umstände musste die Familie oft schon nach kurzer Zeit weiterziehen. Immer wieder musste mein Opa von vorne anfangen. Im Zweiten Weltkrieg verlor er zwei seiner Söhne und musste mit seiner Familie in den Westen fliehen.
Ein Erlebnis noch vor der Flucht hatte sich meinem Vater besonders ins Gedächtnis eingebrannt: Mein Opa hatte mit den Kindern gemeinsam auf dem gepachteten Land das Getreide geschnitten und die Garben zum Trocknen aufgestellt. Als sie später die Ernte einbringen wollten, kam der Besitzer und verjagte die Familie vom Feld. Mit leerem Leiterwagen mussten sie wieder nach Hause fahren. Das war ein herber Verlust in diesen entbehrungsreichen Zeiten. Die Kinder wunderten sich, dass mein Opa nicht in Zorn entbrannte, sondern das erlittene Unrecht so hinnahm. Er wusste sein ganzes Leben in Gottes Hand und vertraute darauf, dass sein himmlischer Vater ihn und seine Familie nicht im Stich lassen wird.
Leider habe ich meinen Opa nie persönlich gekannt. Und doch ist er für mich ein wichtiger Zeuge der Versöhnung, der den Worten von Jesus Christus folgte: "Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen; segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen." (Lukas 6,27+28)
Dass es nach all dem Unrecht, das von unserem Volk ausgegangen ist, zur Versöhnung und nun schon zum über 70 Jahre andauernden Frieden mit unseren Nachbarländern gekommen ist, erfüllt mich mit großer Dankbarkeit. Und es spornt mich an, genauso wie mein Opa alles in meinem persönlichen Umfeld dafür zu tun, dass der Geist der Versöhnung sich ausbreitet.

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Thomas Steinke

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Thomas
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Sa. 11.11.17
Zeichen der Hoffnung
Dr. Matthias Wilke
Zeichen der Hoffnung

Vor fast genau 51 Jahren starb der oberbayrische Pfarrer Korbinian Aigner. Schon in jungen Jahren beginnt er, sich für die Apfelkunde zu interessieren, die Pomologie. Und ebenso früh entscheidet er sich, Pfarrer zu werden. Zuerst gründet er einen Apfelverein. Dann wird er katholischer Priester. Diese doppelte Leidenschaft als Pomologe und Theologe bleibt – oft ist er mehr das eine, als das andere, auch noch, nachdem er 1931 seine erste eigene Pfarrstelle antritt. Von den Nationalsozialisten lässt er sich nicht einschüchtern. Er wird strafversetzt, aber auch das hindert ihn nicht daran, weiter mutig Stellung gegen die Nazis zu beziehen. Er wird von Gemeindegliedern angeschwärzt und kommt ins Konzentrationslager. Aus dieser Zeit ist nicht viel bekannt. Aber so viel doch: Heimlich sät der Landpfarrer auf dem Gelände des KZ Dachau Apfelkerne aus und zieht neue Sorten. Die Pflänzchen lässt er aus dem Lager schmuggeln, damit sie draußen wachsen können. Eine Sorte wird auch heute noch angebaut. Sicher hat Korbinian Aigner Luthers Wort vom Apfelbäumchen gekannt... Mir ist die Erinnerung an den leidenschaftlichen Apfelkenner und Dorfpfarrer, der beharrlich auf Frieden wartet, sehr wichtig geworden. In einer Zeit, die nicht friedlich ist. Wie oft schon werden Menschen heute zaghaft Ausschau gehalten haben nach einem Zeichen, das Hoffnung gibt – wie eben jemand, der Samen aussäht und schaut, ob er aufgeht? Wie oft war das Warten für viele Menschen unserer Zeit schon vergebens? Was hat sie dennoch gehalten und getragen? Das wird nur jeder und jede für sich beantworten können. Mich trägt jedenfalls die Hoffnung, dass unsere Zeit unter Gottes Zuspruch steht.

 

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Sa. 04.11.17
Ex abundantia – oder häh?
Dr. Matthias Wilke
Ex abundantia – oder häh?

„Das nennt Fred das Überflussparadox“. „Häh, versteh ich nicht“. „Na, ganz einfach. Nimm Bremen Brinkum. Dass es da eine Autobahn gibt, ist eigentlich spitze. Denn wie lange brauchten die andern früher, wenn sie von Rotenburg nach Bremen zur Arbeit wollten. Und heute: geht das eigentlich richtig klasse.“ „Eigentlich, ja…“. „Genau. Das Problem heute nämlich…“ „Die Baustelle!“ „Ja, die auch, aber das eigentliche Problem in unserer Gesellschaft ist…“ „Dass die Leute sich nicht einfach mal rechts einordnen können. Diese blödsinnige Regelung, ständig in der Mitte zu fahren…“ „Ja, ja, aber was ich meine, ist das Paradox unserer Überflussgesellschaft, zu dem Fred Hirsch schrieb…“ „Ne, ne, ich sage dir. Letztens zum Beispiel. Mittlere Spur. Der vor mir: Strich 60! Ich dachte ich krieg die Motten. Rechts war alles frei, der hätte einfach nur: Blinker setzen und rechts rüber. Aber nein! Und ich: Rechts vorbei soll man ja nicht, links aber war auch alles voll und dann hängst du in der Mitte und kommst nicht vorbei – boah ne…“. Und was ist nun mit unserem Überfluss und Überdruss? Wir werden es wohl „googeln“ müssen. Denn dadurch, dass dem einen das Herz so voll war vom täglichen Stau, dass es ständig aus seinem Mund sprudelte, konnte der andere sich gar nicht Gehör verschaffen für das, was er in seinem Kämmerlein von Fred Hirsch gelesen hatte. Und dabei: gehört hätte ich es schon gerne, warum Überfluss nicht einfach nur schön ist. So aber bleibt es bei der Losung für den heutigen Samstag: „Wovon das Herz voll ist, davon fließt der Mund über“ (Lukas 6, 45). Und ich werde nachdenklich und überlege: Wovon würde ich reden, wenn ich wüsste, dass mir einer wirklich zuhört?

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Dr. Matthias Wilke

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So. 22.10.17
Sich regen bringt Segen
Haike Gleede
Sich regen bringt Segen

Ich bin mit Lebensweisheiten wie „Ohne Fleiß, kein Preis.“ und „Sich regen bringt Segen“ aufgewachsen. Und das hat mich weitergebracht, manchmal auch an meine Grenzen. Ohne Anstrengung wäre ich nicht da, wo ich heute bin. Noch immer versuche ich mein Bestes zu geben. Mal wachse ich über mich hinaus, mal scheitere ich. So ergeht es nicht nur mir. Viele arbeiten fleißig, engagieren sich ehrenamtlich und betreuen Kinder und Familie. Sie sind rund um die Uhr im Einsatz und irgendwann erschöpft und ausgebrannt.

Es gibt in unserer Gesellschaft aber auch die andere Einstellung: „Geiz ist Geil“ und „Wissen ist Macht, nichts wissen, macht nichts“. Chillen ist angesagt, so viel wie möglich. Bloß nicht mehr tun als nötig. Freiwillig arbeiten, sich anstrengen – „Ich bin doch nicht blöd“. Vor allem Jugendliche legen großen Wert auf Freizeit, feiern, chillen, schlafen, denn „unterm Strich zähl ich“.

Wer ohne Ehrgeiz durch das Leben geht, tritt irgendwann auf der Stelle. Wer sich den Herausforderungen nicht stellt, wird gleichgültig sich selbst und seinen Mitmenschen gegenüber. Immer nur fernsehen oder you- tube- videos anschauen, ist auf Dauer langweilig.

In der Bibel bewegt sich das Leben zwischen „Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot essen.“ und „Den Seinen gibt`s der Herr im Schlaf.“

Es ist weise, das Gleichgewicht zwischen Arbeit und Entspannung zu finden. Dazu gehört das Gottvertrauen, dass die Welt nicht untergeht, wenn ich mal keine Überstunden mache und mir eine Pause gönne. Aber ebenso die Bereitschaft, mich anzustrengen, wenn es darum geht, ein Ziel zu erreichen oder sich für eine gute Sache einzusetzen. Denn von nichts kommt nichts.

Darum „Carpe diem !“, das heißt übersetzt: „Nutze den Tag!“ oder auch „Genieße den Tag!“ Ganz wie Sie wollen.

 

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Haike Gleede

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So. 08.10.17
Herbst
Susanne Briese
Herbst

Es ist Herbst. Bunte Farben malen ein schönes Bild in die Bäume. Die Sonne lädt ein, das Laub beim Gehen aufzuwirbeln. Sanft fallen die Blätter und finden ihren Platz am Wege. Irgendwann werden sie vergehen, und Neues entsteht.

Romantisch wirkt dieses malerische Bild des bunten Herbstlaubes. Manche genießen diese Zeit, tauchen ein in die letzten wärmenden Sonnenstrahlen und in das bunte Bild der Wälder. Anderen werden die Gedanken jetzt schwer. Ihnen singt der Herbst vom Abschied, ihnen erzählen die fallenden Blätter Geschichten vom Sterben. Der Herbst erinnert daran, dass alles, was lebt, auch einmal gehen muss. Ein Gedicht von Rainer Maria Rilke beschreibt das so:

 

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
 

Die Sonntage der nächsten Wochen erinnern uns an unsere Toten. Trauer berührt das Herz aufs Neue. Und große Fragen bewegen manche unter uns: „Wie wird es sein, wenn ich einmal sterbe? Was wird von mir übrigbleiben? Und wie werde ich es ertragen können, wenn ein Mensch stirbt, den ich liebe?“

 

Draußen fallen die Blätter. Die Zeit vergeht. Und mit ihr auch wir. Das kommt uns nahe in diesen Tagen. Wer lebt, muss auch einmal gehen. Der Tod ist ein Bruder des Lebens. Auf Fragen nach dem Weg, der vor uns Menschen liegt, muss jeder eine eigene Antwort finden.

„Ich denke jetzt im Herbst an den Tod meines Mannes zurück. Das war kein schöner Herbst! Es war schwer, dass er schon sterben musste. Es hat sehr weh getan, so auseinander gerissen zu werden“ schreibt eine Frau, dessen Ehemann nach einer schweren Krankheit verstarb. „Aber da stand auch Vertrauen im Raum“, sagt sie, „einer ist da, der dich hält.“ Das Gedicht von Rainer Maria Rilke endet so:

„Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.“

 

 

 

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Susanne Briese

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Briese
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So. 24.09.17
Provikativ lieben
Jens Ubben
Provikativ lieben

Raketentests, Sanktionen, scharfe Worte: Es brodelt wieder gehörig in Pjöngjang, Washington, Istanbul und anderswo. Altbekannte und neue Konfliktherde schaukeln sich hoch. Einfache Lösungen sind nicht in Sicht. Andere Reaktionen dafür umso ansteckender: Gleiches wird mit Gleichem beantwortet. Dann braucht es Steigerungen, um wirkungsvoll zu bleiben, und gut ist am Ende gar nichts.

Dabei müssen wir gar nicht nach Nordkorea schauen. Unsere Wohnzimmer, Büros und Bürgersteige sind die Bereiche, in denen wir direkt herausgefordert sind.

Einen Hinweis gibt der Apostel Paulus im Neuen Testament: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem!“ Häufig wählen Jugendliche diese Worte als Konfirmationsspruch. So herausfordernd der Gedanke ist, so faszinierend ist er auch! Er ermutigt, Kreisläufe zu durchbrechen, Spiralen der Gewalt auszusetzen.

Die Rückfrage ist naheliegend: Ist das nicht schrecklich naiv? Nun prägt dieser Gedanke aber weite Teile der Bibel: Schlagt nicht im Zorn zurück! Haltet die andere Wange hin! Wenn euer Gegner unverschämt fordert: Gebt es gleich doppelt! Liebt eure Feinde! Und fast bescheiden: Soweit es an euch liegt, habt Frieden mit allen Menschen!

Warum dieser starke Impuls? Gott selbst hat diesen Weg gewählt! Schuld und Bosheit begegnet er auf dem Weg der Liebe. Wenn wir schauen, wie Jesus handelt, sehen wir davon eine ganze Menge.

So kann sich wirklich etwas zum Guten bewegen! In einer Gemeinschaft Gleichgesinnter geht das am besten: Wo Menschen sich gemeinsam der Liebe Gottes aussetzen, entsteht ein Miteinander. Dort wird göttliche Liebe spürbar. Ein guter Ausgangspunkt, provokativ Liebe zu üben, selbst wo Böses mit Händen zu greifen ist.

Mein Handeln als Einzelner wird die Welt nicht auf den Kopf stellen. Aber wenn viele sich davon anstecken lassen, dann prägt das eine ganze Gesellschaft. Dann kann sogar in Pjöngjang etwas davon spürbar werden.

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Jens Ubben

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Gemeindebrief
Pastor/-innen
Jens
Ubben
Pastor
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Scheeßel
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So. 17.09.17
Falschmeldungen
Roger Moch
Falschmeldungen

Die digitale Welt kannte Martin Luther nicht. Aber schon damals durchschaute er Falschmeldungen und Gerüchte. „Manche sind so neugierig, dass sie am liebsten das Gerede aller und jeden Wink erhaschen möchten, ja dass sie sogar am Fenster und an der Wand lauschen, was man von ihnen spricht. Denen geschieht recht, wenn sie etwa von ihrem Gesinde hören, was ihnen wehe tut. Wenn du auf jedes Gerede hören willst, so denk daran, dass du auch Leute hören wirst, die dir fluchen, und das am ehesten von denen, bei welchen du es am wenigsten erwartet hättest. Denn wenn du alles erfahren willst, wirst du auch vieles hören, was dir nicht lieb ist. Also erübrigt sich’s, so neugierig auf jedes Gerede zu achten."

Fake-news sind absichtlich verbreitete Falschmeldungen. Sie sind ein ernstzunehmendes Phänomen geworden. Und sie sind nicht so einfach von wahren Meldungen zu unterscheiden. Was ist wahr? Was ist gefälscht?

Das beste Mittel gegen Falschinformation ist gute Bildung. Die Bevölkerung, auch eines demokratischen Staates, sollte lernen, seriöse von unseriösen Quellen zu unterscheiden. Wie aber geht das? Menschen müssen sich heute in einer Fülle von Informationen zurechtfinden. Sie wissen häufig nicht, wie Nachrichten gemacht und wie sie verbreitet werden. Falschmeldungen sind nichts Neues, doch durch das Internet ist die Nachrichtenmenge gewaltig gestiegen. Heute kann jeder in sozialen Netzwerken Nachrichten absondern, und das Ganze verbreitet sich in bit-schneller Geschwindigkeit.

Doch allein weil etwas im Internet steht, muss es noch lange nicht stimmen. Eigentlich ist das keine überraschende Erkenntnis.

Hat man ein komisches Gefühl, ist das der erste Schritt beim Erkennen von Fake News. Überspitzte Darstellung und das Fehlen belastbarer Quellen (z.B. überprüfen: Wer ist der/die AutorIn? Wo ist der Text veröffentlicht?) können Anzeichen für eine falsche Nachricht sein. Man sollte sich klarmachen, dass durch die Masse an Informationen im Internet auch viele ungefilterte Nachrichten wiedergegeben werden können – und dass es Menschen gibt, die gezielt falsche Informationen streuen, auch um damit Geld zu verdienen, oder andere in Verruf zu bringen. Nur weil etwas oft geteilt wird oder eine Seite professionell gemacht aussieht, heißt das nicht, dass hinter ihr auch eine seriöse Quelle steckt. Also bitte nicht auf jedes Gerede (s.o.) hereinfallen.

 

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Roger Moch

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Roger
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So. 20.08.17
Profil zeigen
Matthias Richter
Profil zeigen

Die Kollegin guckte fast so, als hätte ich ihr einen unanständigen Antrag gemacht. Sie hatte mich auf ein Interview angesprochen. Da hatte ich gesagt, dass ich Frau Twesten gewählt habe und jetzt sauer bin, dass sie in ihrem Ego-Trip mit meiner Stimme fremdgeht und das tut, was ich definitiv nicht gewählt habe. Das finde ich charakterlos und ich sehe keinen Grund, damit hinter den Berg zu halten. „Und was wählst Du so?“, war meine Frage an die Kollegin. Uups, das war zu viel. Sie antwortete mir was von Wahlgeheimnis und dass man ja mit allen gut auskommen müsse. „Ich will mich nicht über Politik streiten und womöglich die Freundschaft riskieren, das muss jeder selbst wissen.“ Ja, natürlich muss jeder selbst wissen, wen oder was er wählt. Aber vor Streit habe ich hier keine Angst – im Gegenteil. Wenn es um Politik geht, finde ich Streit wichtig. Mit Worten, die auf Fakten gründen. Da darf es leidenschaftlich sein, schließlich geht es darum, welchen Kurs unser Land in der Zukunft nimmt. Wem traue ich es zu, dass er oder sie am besten für Gerechtigkeit sorgt? Wer macht Deutschlands Stimme in der Welt für Frieden laut? Wer redet nicht nur, sondern tut auch was, dass unsere Kinder noch gesunde Luft, Erde und Wasser haben? Diese Fragen haben für mich auch mit christlicher Verantwortung zu tun und sind jeden Streit wert. Streit heißt für mich aber nicht, das ich die Person mit dem anderen Kreuz auf dem Stimmzettel ablehne oder wegen ihrer politischen Einstellung weniger nett finde. Oft ist das Gegenteil der Fall. Ich stelle mir vor, wenn in Freundeskreisen, Gemeindegruppen, auf der Arbeit mit aufgeklapptem Visier über Politik diskutiert wird, dann kommen die echten Fragen zur Sprache, weitet sich so mancher Horizont – und das zieht Kreise und bringt das Miteinander in unserem Land nach vorne.

Im letzten Buch der Bibel wird ziemlich schlecht über Christen gesprochen, die nicht mehr erkennbar sind, weder heiß noch kalt, sondern einfach lau. Die bringen nichts nach vorne. Das gleiche gilt sicher für ein Land, in dem man sich nicht traut oder sich nicht die Mühe macht, sein politisches Profil zu zeigen.

Meine Autowerkstatt wacht über das Profil meiner Reifen. Zu wenig ist gefährlich. Für mein Profil bin ich selbst verantwortlich.

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Matthias Richter

Matthias
Richter
Theologischer Direktor des Agaplesion Diakonieklinikums
Elise-Averdiek-Straße 17
27356
Rotenburg
Tel.: 
(04261) 77-0
So. 13.08.17
Bauanleitung gesucht
Alexa Wilke
Bauanleitung gesucht

Eine Strandmuschel, zum Beispiel, ist ja auch nicht immer so hilfreich, wie man es sich wünschen würde. Beim Stangenmodell bringt man sich und das Augenlicht der Mitreisenden schon beim Aufstellen in Gefahr. Wohingegen das sich selbst aufbauende Modell „pop-up“ sich beim abendlichen Rückzug vom Strand gern geheimnisvoll gibt und nur mit einigem Widerstand wieder „down“ gefloppt werden kann.

Der Grund liegt auf der Hand. Strand und Sand sind für Traumschlösser und Kleckerburgen. Bei Ankunft von Flut, Wind oder dem nächsten spielenden Kind fallen sie in sich zusammen. So entsteht immer wieder Platz für Neues: Staudämme oder Seerobben aus Sand etwa. Das ist die besondere Freiheit am Meer. Nichts bleibt hier draußen lange wie es ist.

Und doch: Die viele Freiheit und der aufgewirbelte Sand werden manchem auf Dauer zu mühsam. Hier und da erwacht die Sehnsucht nach Behausung. Wohin dann? Doch die Strandmuschel? Der Freigeist wütet: „Du wirst doch nicht ernsthaft versuchen, sogar Meer und Strand zur windstillen Komfortzone zu machen! Der Sand zwischen deinen Zähnen – das ist der Preis der Weite!“ Und der Architekt sagt: „Bau nicht auf Sand!“ (Matthäus 7,24-27).

„Aber wohin denn dann am Abend?“, frage ich zerknirscht. Bauen, ohne Wind und Weite zu verraten. Heimisch werden, ohne die Freiheit zu verlieren. Das wär’s. „Bau auf das, was ich Dir sage“, mischt sich der ins Gespräch, den keiner am Strand erwartet hätte. Er selbst, Jesus von Nazareth, war ständig unterwegs und hatte keinen sicheren Platz. Nicht mal in der Nacht. Er lebte die Freiheit und herrscht über Wind und Wellen. Sein Vater im Himmel hält ihn und er hält auch mich am Strand des Lebens, mit und ohne Strandmuschel.

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Alexa Wilke

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Pastorin der Stadtkirchengemeinde, Fundraisingbeauftragte im Kirchenkreis Rotenburg
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So. 06.08.17
„Komm, wir gehen in die Schule!“
Peter Thom
„Komm, wir gehen in die Schule!“

Viele kleine Mädchen und Jungen haben in diesen Tagen aufgeregt ihren Schulranzen gepackt, haben stolz die Zuckertüte in den Arm genommen und sich fröhlich auf den Weg in die Schule gemacht. Endlich ist es so weit! Was für ein spannender Tag: Erst der Schulanfänger-Gottesdienst in der Kirche, dann die Einschulungsfeier.

Als Erwachsene spüren wir: Unsere Erstklässler sind ziemlich aufgeregt, aber sie freuen sich schon lange auf die Schule. „Jetzt geht es los, ich komme in die Schule!“ Wir merken, die Kinder sind offen für alles Neue. Sie sind so neugierig. Sie wollen ganz viel wissen. Lernen ist ihr Ding.

Als Eltern und Großeltern erleben wir ihre Begeisterung für das Lernen vielleicht mit etwas Neid. Wir wissen, dass das Lernen ein lebenslanger Prozess ist und eigentlich nie aufhört. Aber leider lässt die Begeisterung für das Lernen mit den Jahren nach. Je älter man wird, umso schwerer fällt es, offen zu sein für Neues. Aber genau das ist die Herausforderung, vor der wir immer wieder stehen: Wir müssen uns mit neuer Technik, neuen Möglichkeiten, neuem Denken auseinandersetzen. Und empfinden das manchmal als Zumutung.

Die Bibel erzählt von Abraham. Er war schon sehr alt, als Gott ihm zumutete: „Auf, mach dich auf den Weg in ein fremdes Land.“ Und Abraham ging los. Er vertraute auf Gott. Und darum wurde sein Leben gut.

Also machen wir uns mit unseren Kindern auf den Weg, lassen uns anstecken von ihrer Freude am Lernen. Und entdecken: Die Zukunft ist ein weites Land. Es lohnt sich aufzubrechen. Wir wagen vertrauensvoll den nächsten Schritt. Wer den nicht geht, bleibt stehen. Und verpasst die Zukunft.

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Peter Thom

Peter
Thom
Pastor i. R.
Lüdinger Str. 5
27374
Visselhövede
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Mo. 03.07.17
Schön gehört?
Harm Cordes
Schön gehört?

Haben Sie schon gehört? Von dem Kollegen, der sich von seiner Frau trennen will? Er soll eine neue Partnerin haben. Ist vielleicht auch besser so. Er war eh immer unterwegs. Und seine Frau, naja …

Haben Sie noch nicht gehört? Dann vielleicht die Sache mit dem Geschäft in der Hauptstraße, das bald zumacht. Da war ja sowieso nie was los. Kein Wunder, bei der Auswahl. Und überhaupt – diese Mitarbeiter …

Wussten Sie auch nicht? Doch von der Familie, drei Straßen weiter, die in dem komischen Haus, von denen haben Sie gehört, oder? Ein Kind soll vor Gericht stehen; irgendwas mit Diebstahl; naja, er wäre ja, wie man hört, nicht das erste Mal …

Haben Sie alles noch nicht gehört: von dem Kollegen, dem maroden Geschäft, den schwierigen Kindern? Dann sind Sie zu beneiden. Man kommt ja kaum durch den Tag, ohne massenweise Gerüchte und Halbwahrheiten aufzuschnappen – und leider (!) weiterzutragen. Was wäre die Frühstückspause ohne morgendlichen Tratsch, das Bier nach dem Sport ohne Schwank aus der Straße, die Kartenrunde ohne das Neuste aus der Stadt?

Ich weiß, wovon ich rede. Auch ich kann meine Gedanken, meine Zunge nicht immer im Zaum halten. Im Nachhinein ärgere ich mich. Ich weiß, wie verletzend Gerede ist. Ich ahne, wieviel Vertrauen durch Gerede zerstört wird. Wie leer muss mein Leben sein, wenn die Sorgen anderer Leute mich aufmuntern?

Manchmal fällt mir in solchen Momenten Luthers Erklärung zum achten Gebot ein. Er schlägt vor, den Mitmenschen nicht zu verleumden oder ins schlechte Licht zu rücken. Stattdessen könnte ich, so Luther, „ihn entschuldigen, Gutes von ihm reden und alles zum besten kehren …“

Das meint natürlich nicht, dass ich Schlechtes schön reden, Falsches mit dem Mantel des Schweigens umhüllen soll. Aber doch, dass ich sorgsam mit Worten über meinen Mitmenschen umgehen sollte. Nicht jedes Gerücht weitertragen. Einfach mal aufstehen, wenn es zu hässlich wird. Mich aus der WhatsApp-Gruppe abmelden, die mehr und mehr zur Läster-Gruppe verkommt.

Oder den anderen in Schutz nehmen. Für ihn einstehen. Ihn entschuldigen. Ihm den Rücken stärken. Ihm wird das guttun. Und unserer Gemeinschaft allemal. Haben Sie das schon gehört?

 

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Harm Cordes

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Mo. 03.07.17
Immer reicher an Erkenntnis und Erfahrung
Dr. Matthias Wilke
Immer reicher an Erkenntnis und Erfahrung

500 Antworten von Pädagogen wurden in einer Studie der Universität Oldenburg gesichtet mit dem Ergebnis, dass die Trennung von Name und Person keine leichte Sache ist. Das ist meistens kein Problem. Zum Beispiel beim Vornamen Astrid, der sich von den altnordischen Begriffen „ass/oss“ (Göttergeschlecht) und „frior“(Schönheit) ableitet. Somit kann man zum Vornamen Astrid die Bedeutung „göttlich Schöne“ assoziieren. Das ist gut so. Dass allerdings ein Vorname mit einer Voreinstellung gehört werden kann, könnte da, wo Kinder und Jugendliche neu in Gruppen oder Schulklassen zusammenkommen, auch schwierig sein. Es ist gut, wenn wir einander ohne Bedingungen vorurteilsfrei begegnen. Denn alle tragen die gleiche Würde in sich und müssen die gleichen Chancen haben.

Trotz aller Bemühungen jedoch von Eltern, Freunden und Lehrern im wertschätzenden und vorurteilsfreien Umgang mit Namen ist ungefähr jeder zehnte Deutsche mit seinem Vornamen unzufrieden. Manche leiden geradezu unter ihrem Namen. Das ist kein einfaches Thema. Manche versuchen, ihren Namen zu ändern. Schwerwiegende, sehr ernst zu nehmende Gründe werden vorgetragen und sind auch Voraussetzung für eine eventuelle Änderung. Andere finden im Laufe des Lebens ein positives Verhältnis zu ihrem Namen und prägen ihm ihr eigenes Bild auf: Durch die Art, wie sie ihren Namen repräsentieren, bestimmen sie die Bedeutung ihres Namens mit, und es wird ihr Name.

„Ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung“, heißt es im Monatsspruch für den Monat Juli (Philipper 1,9). Ein gutes Motto. Auch für den Umgang mit Namen.

 

 

 

 

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Dr. Matthias Wilke

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So. 25.06.17
Spaltet Religion die Welt?
Werner Burfeind
Spaltet Religion die Welt?

Zeichen für den Frieden

Im Namen Gottes

 

Nun ist es passiert. In der Nacht zu Montag dieser Woche wurden Muslime Ziel eines Attentats. Ein 47 jähriger Mann aus Wales steuerte einen Lieferwagen in eine Menschenmenge nahe einer Londoner Moschee. Offenbar aus Vergeltung.

Spaltet Religion also unsere Gesellschaft?

Es scheint so kommen zu können. Dieser Angriff gegen ein Gruppe gläubiger Muslime spricht dafür. Aber es ist kein muslimisches Phänomen. Es ist nicht allzu lange her, da spaltete die Frage nach der Konfession ganz Nordirland. Evangelische Christen kämpften gegen katholische Christen.

Geht es bei allem um Religion? Ich wage es zu bezweifeln. Es geht um Macht. Es braucht einen Sündenbock, um den eigenen Zielen näher zu kommen. Dabei wird nicht nach dem Anteil des Einzelnen am eigenen Leid gefragt. Es reicht die Zugehörigkeit zu einer Gruppe.

Die Menschen aus der Londoner Moschee sind unschuldig an den Anschlägen zuvor auf der London Bridge oder der Westminster Bridge. Sie beten lediglich zu dem Gott, in dessen Namen die Attentäter dort gemordet haben.

Ich denke, wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht im Netz der Terroristen verfangen, die unsere Zivilgesellschaft spalten wollen. Wir müssen unterscheiden zwischen Islam und islamistischem Terror.

Im Namen Gottes lässt sich nicht töten. In der Bibel lesen wir die Aussage Jesu: „Glücklich sind, die Frieden stiften. Sie werden Gottes Kinder heißen“ (Bergpredigt). Auch im Begriff Islam steckt das Wort „Salam“, arabisch für Frieden. Im Namen Gottes können wir also nur für den Frieden eintreten. Für das Miteinander der Menschen.

Gut finde ich, dass wir in der letzten Woche eine Demonstration von Muslimen in Köln gegen den Terror gesehen haben. Bemerkenswert ebenso die Meldung, der Imam der Londoner Moschee habe sich schützend vor den 47-jährigen Waliser gestellt, als er nach seiner Tat attakiert wurde.

Von dieser friedenstiftenden Kraft der Religionen brauchen wir im Moment mehr.

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Werner Burfeind

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So. 04.06.17
„Segelst Du schon?“
Thomas Steinke
„Segelst Du schon?“

- „Oder ruderst Du noch?“ So könnte die Karikatur überschrieben werden, die mir vor Augen ist: Verbissen legen sich zwei Ruderer ins Zeug, während ganz entspannt und gelassen ein Paar Arm in Arm in einem Segelboot an ihnen vorbeifährt.

Für mich ist dies auch ein pfingstliches Bild. Gott hat seinen Geist versprochen, der weht, wo er will. Wie der Wind kommt er von außen. Wir können ihn nicht selbst machen, aber wir können uns dafür öffnen. Wir können die Paddel aus der Hand legen und die Segel setzen. Indem wir z.B. einen Gottesdienst besuchen. Jesus Christus hat die Nähe in seinem Geist in besonderer Weise zugesagt, wo wir in seinem Namen zusammen kommen. So laden z.B. sieben Gemeinden aus Rotenburg, die in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen verbunden sind, am Pfingstmontag um 11 Uhr zu einem gemeinsamen ökumenischen Gottesdienst auf dem Pferdemarkt ein. Auch in anderen Regionen unseres Kirchenkreises werden an diesem Pfingstfest besondere Gottesdienste gefeiert. Ebenfalls am Pfingstmontag findet etwa im Schulwald Lauenbrück neben der Kirche um 10 Uhr ein regionales Tauffest an der Wümme statt.

Immer geht es darum, dass wir uns an dem orientieren, was Christus in unsere Welt gebracht hat. Nicht verkrampft, nicht verbissen, nicht engstirnig sind wir unterwegs. Sondern von seinem Geist wollen wir uns bewegen lassen. Dieser Geist ist nicht ein Geist der Furcht oder der Abschottung. Nein, es ist der Geist Christi: Der Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit! (2. Timotheus 1,7)

Möge dieser Geist kräftig in unser Leben hineinwehen - bei uns persönlich und in unseren Kirchen und Gemeinden. Setzen wir die Segel, dann werden wir seine Kraft spüren! Gesegnete Pfingsten!

Thomas Steinke,
Pastor in Fintel

 

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Thomas Steinke

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So. 28.05.17
Worauf warten Sie?
Haike Gleede
Worauf warten Sie?

Eine interessante Runde sitzt am Tisch. Ein bescheidenes Abendessen ist vorbereitet: Frisches Brot, Wein, Trauben, Käse. Sie reden. „Wisst ihr noch, wie er damals mit uns zum Fischen rausfuhr. Da haben wir den Fang unseres Lebens gemacht!“ beginnt Petrus. „Wisst ihr noch, wie er die Kinder gesegnet hat?“ Maria lächelt bei dem Gedanken daran. Nach einer Weile sagt Johannes:

„Wisst ihr noch, wie sie ihn verurteilt und gekreuzigt haben!“ Schweigen.

Jakobus ergreift das Wort: „Wisst ihr noch, wie er uns danach begegnet ist und mit uns gesprochen hat?“ „Ich konnte es erst nicht glauben,“ bekennt Thomas, „aber jetzt weiß ich, dass Jesus hält, was er verspricht!“

„Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen!“ verspricht Jesus seinen Freunden, bevor er in den Himmel entschwindet.

Darauf warten sie. Sie wissen nicht wann, sie wissen nicht wie, aber sie wissen, dass Jesus ihnen Kraft senden wird.

Die Zeit zwischen Himmelfahrt und Pfingsten ist eine Wartezeit. Pfingsten erleben die Jünger den Durchbruch. Sie sind vorbereitet. In ihren Gesprächen haben sie Klarheit gewonnen. Nun können sie allen Menschen von Jesus erzählen. Sie setzen damit etwas in Bewegung, was die Welt verändern wird.

Meistens warten wir nicht gern. Warten – das ist schwer auszuhalten. Leerlauf, Stillstand – das ist unerträglich. Dennoch: Ich glaube, Wartezeiten sind wichtig.

Sie zwingen uns, anzuhalten und nicht gleich weiterzueilen. Darin liegt die Chance zu überdenken: Wo komme ich her? Wo will ich hin? Wo will Gott mit mir hin? Warten schafft Klarheit. Selbst das Warten auf den Bus, an der Kasse im Supermarkt oder an der Ampel können entscheidende Momente sein. Gerade in dieser kleinen Zwischenzeit kommt ein zündender Gedanken oder es ergibt sich ein Lächeln.

Manchmal fällt gerade dann der göttliche Funke in einen Menschen. Das ist Pfingsten!

 

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So. 14.05.17
Frankreich hat gewählt
Olaf Feuerhake
Frankreich hat gewählt

Emmanuel Macron gegen Marie Le Pen. Viele haben aufgeatmet, als das Ergebnis feststand. Überall ist zu lesen, dass ein Wahlsieg von Le Pen das Ende von Europa gewesen wäre. Denn ohne Frankreich als einem Motor der europäische Einigung wäre eine Zukunft der Europäischen Union undenkbar, so die Auffassung aller Fachleute.

Europakritik ist in Mode. Die Argumente sind oft dieselben: Es kostet uns mehr, als es bringt, die offenen Grenzen und der Immigrantenzustrom seien unerträglich. Die Parole: Grenzen zu und kein Geld mehr für die EU.

Ich lese gerade ein Buch von Helmut Schmidt. „Deutschland und seine Nachbarn“ heißt es. Es ist schon 30 Jahre alt. Besonders interessant fand ich sein Kapitel über England. Ich lernte, dass Großbritannien bereits seit seinem EU-Beitritt 1973 ständig schwankte, ob es überhaupt zur EU gehören wolle. Der Brexit 2016 war schon der dritte Volksentscheid, in dem die Engländer darüber abgestimmt haben, ob sie in der EU (oder früher EWG) bleiben wollen. Der Euroskeptizismus ist in England so alt wie die englische Mitgliedschaft. Helmut Schmidt ist in seinem Urteil deutlich: Eine solche Haltung sei „nationaler Egoismus“. Natürlich fällt es nicht leicht, wenn man mehr Geld an die EU überweisen muss als man zurückbekommt. Natürlich ist es ein Opfer, wenn man Entscheidungskompetenzen an eine übergeordnete Instanz abgibt. Und natürlich läuft in Brüssel nicht alles optimal.

Europa ist ein Projekt der Solidarität. Stärkere Länder helfen schwächeren (selbst in kritischen Fällen wie Griechenland). Das Ziel: zusammenwachsen zu einer politischen Größe, die auch in Zukunft in der Welt von Bedeutung ist und die langfristig für gleichgute Lebensbedingungen innerhalb Europas sorgt. Helmut Schmidt warnt vor einer scheiternden Integration: Wir würden gegenüber China und den USA in die Bedeutungslosigkeit versinken. Und wir würden so arm werden, dass wir uns unseren Sozialstaat nicht mehr leisten können.

Solidarität – dieses Wort kommt in der Bibel noch nicht vor. Aber man kann es ganz gut verwenden, um den Geist christlicher Lebenshaltung zu beschreiben: den Schwächeren helfen, die Opfer nicht alleine lassen. Und zwar ohne Eigennutz, betont Jesus. Und doch frage ich mich, ob auf lange Sicht nicht jede solidarische Tat – gewissermaßen automatisch – auch für den Helfenden zum Vorteil wird. Im Falle Europa jedenfalls wird es so sein.

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Olaf Feuerhake

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Olaf
Feuerhake
Schulpastor am Gymnasium Sottrum
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Fr. 31.03.17
Kirche und Werbung?
Haike Gleede
Kirche und Werbung?

Täglich werden wir mit Werbung überflutet. Werbung lockt mit tollen Angeboten und verspricht: Wenn du dieses Produkt kaufst, steigerst du damit deine Lebensqualität, dann bist du ein glücklicher Mensch.

Dabei haben wir es doch längst durchschaut. Nur Weniges ist wahr, nicht alles tut uns wirklich gut und nützlich ist es meistens auch nicht. Dennoch: Je lauter und je bunter etwas beworben wird, um so tiefer prägt es sich ein.

All die vielen Angebote überfordern mich und sie kosten mich viel Kraft und Lebensenergie. Ich schalte sie weg, werfe sie achtlos ins Altpapier und höre gar nicht hin. Und doch erreichen sie mich. Woher kommt es, dass die Medien uns so in ihren Bann ziehen, während das Wort Gottes uns nur gelegentlich erreicht? Macht die Kirche zu wenig Werbung? Aber passt das überhaupt – Kirche und Werbung? Jesus hat uns den Auftrag erteilt: Geht in die Welt und erzählt den Menschen, was ihr von mir gehört habt! Verkündet ihnen den Weg zum ewigen Leben! Macht die Menschen zu meinen Jüngern! Ladet sie ein in meine Gemeinde!

Auch Paulus hat sich nicht geschämt, für das Evangelium zu werben.

Für ihn war es die einzig seligmachende Kraft. Dafür hat er sich eingesetzt, weil ihm daran lag, dass immer mehr Menschen davon erfahren und aus dieser Kraft leben.

In vielen Gemeinden werden an diesem und den nächsten Sonntagen Konfirmationen gefeiert. Jugendliche sagen „Ja“, ich gehöre zu Christus, seine Botschaft ist für mein Leben wichtig.

Und bald schon werden Menschen in den Gemeinden gesucht, die sich als Kirchenvorsteher für die Kirche vor Ort einsetzen, sie verantwortlich gestalten und dafür sorgen, dass die wertvolle Botschaft der Bibel im Bewusstsein bleibt.

Bis heute verkünden wir Jesu Botschaft, weil wir glauben, dass sie unserem Leben eine neue Qualität gibt.

Für mich gibt es sonntags um halb zehn nichts Schöneres, als in die Kirche zu gehen und eine Botschaft zu verkünden, die hält, was sie verspricht.

 

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Haike Gleede

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So. 16.04.17
Ein Glaube, der lebt und wirkt
Dr. Matthias Wilke
Ein Glaube, der lebt und wirkt

Sonntag – Auferstehungstag – in Jerusalem. Vor wenigen Stunden hatte Maria Magdalena eine Begegnung mit dem auferstandenen Christus gehabt, die alles auf den Kopf gestellt hatte. Nun sitzen die Jünger hinter verschlossenen Türen. Sie haben Angst. Angst, dass ihnen Unheil droht, dass man sie sucht und verfolgt. Plötzlich steht Jesus mitten im Raum. Durch die verschlossene Tür muss er gekommen sein – wie geht das denn? „Friede sei mit euch!“ Das haben sie schon einmal gehört. War es nicht beim Abschied von ihrem Herrn? Ja, so war es. Und nun wieder diese vertraute Stimme.

Thomas hat das alles nicht mitbekommen. Wenn er ihnen glauben soll, müsste er es selbst sehen. Mehr noch: Er müsste die Wundmale Jesu mit seinen eigenen Händen fühlen. Dann wäre er überzeugt. Ob er wirklich damit gerechnet hat, dass sich dieser Wunsch erfüllt? Am nächsten Sonntag ist es so weit. Wieder sitzen die Jünger – natürlich wieder ohne Judas Iskariot – im Hause zusammen. Die Tür ist zu. Wieder steht Jesus mitten im Raum. Wieder grüßt er mit dem Friedensgruß. Ohne Umschweife wendet er sich Thomas zu und fordert ihn auf, zu tun, was er braucht, um zu glauben. „Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite.“ Das öffnet Thomas die Augen. Es bricht förmlich aus ihm heraus: „Mein Herr und mein Gott!“

Mehr geht nicht. „Selig sind die nicht sehen und doch glauben“, muss er sich anhören. Das ist die Regel für die Zukunft: Nicht sehen und doch glauben. Wie kommt man dazu, an Gott zu glauben, wenn für uns so eine spürbare Begegnung mit dem Herrn, wie sie hier von Thomas berichtet wird, nicht möglich ist? Wie kriegt man das hin? Wie es zum Glauben kommt, ist schwer zu sagen. Trotzdem muss man auf die Frage hin nicht verstummen. Man kann selbst ein gutes Beispiel sein und davon erzählen, was der Glaube im eigenen Leben bewirkt. Man kann sprechen über die größere Klarheit der Entscheidungen, über die Kraft in Krisenzeiten, den Mut, den ersten Schritt zu tun, über die Freude an Versöhnung und Gerechtigkeit. Glaube ist ein Geschehen zwischen Dir und mir, zwischen Gott und Mensch – das aber natürlich trotzdem nach außen hin sichtbar und spürbar werden kann.

Davon erzählen Worte und Taten von Menschen, die in ihrem Beruf, in der Familie und in der Freizeit als Menschen, die auf Gott vertrauen, leben. Vielleicht ganz still und unbemerkt. Vielleicht öffentlich sichtbar. Auf jeden Fall getragen von der Überzeugung, dass es gut ist, sich einzubringen – als Anwälte des Lebens. Zum Beispiel Ingeburg und Werner. Statt im Ruhestand die Füße hochzulegen, entwickelten sie gemeinsam mit dem Diakonischen Werk die Idee, mit dem „Zahnmobil – Hilfe mit Biss“ bedürftigen Menschen eine Zahnbehandlung zu ermöglichen. Ihr Engagement lindert die Not da, wo sie am größten ist. In und im Umkreis einer Großstadt bietet das Ehepaar gemeinsam mit anderen Zahnärzten und weiteren Mitarbeitenden Behandlungen an – auch, wenn etliche der Patienten nicht krankenversichert sind. „Es ist ein tolles Gefühl, anderen zu helfen“, sagt Ingeburg. Entscheidend ist neben der medizinischen Versorgung auch, dass die Patienten durch dieses Angebot Wertschätzung und Aufmerksamkeit erfahren – etwas, was ihnen im Alltag oft fehlt.

Menschen in unserer Kirche geben ihre Zeit und ihre Kompetenz für andere. Gut, dass es sie gibt. Das ist ein Beispiel für einen Glauben, der lebt und wirkt. Christlicher Glaube tut der eigenen Seele gut und hat zugleich eine gesellschaftliche, soziale, politische Dimension. Wer Gott liebt, liebt auch den Nächsten wie sich selbst. Und das kann man sehen und spüren. So soll es sein.

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Dr. Matthias Wilke

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So. 09.04.17
Arabischer Frühling
Peter Handrich
Arabischer Frühling

Vor knapp 2.000 Jahren ritt Jesus auf einem Esel in Jerusalem ein. Die Straße säumten Menschen, die Hosianna riefen und mit Palmzweigen winkten. Sie erwarteten den Messias. Den König der Welt. Den Mann, der der Welt den Frieden bringen würde. Den Mann, der die römischen Besatzer aus ganz Israel vertreiben würde.

Ab Dezember 2010 versuchten viele Bewohner arabischer Länder ihre autoritären Regierungen mit Demonstrationen, Protesten und Aufständen zum Aufgeben zu bewegen und demokratischere Strukturen zu schaffen.

Beides hat nicht funktioniert. Jesus starb nur wenige Tage später am Kreuz. Außer in Tunesien hat der arabische Frühling nur zu noch autoritäreren Regierungen, zu Staaten ohne Regierung und ohne Schutz ihrer Bewohnerinnen oder zu Bürgerkriegen geführt. Syrien und der Jemen sind die traurigsten Beispiele dafür.

Wir Christen glauben, dass Jesus der Messias war, obwohl er am Kreuz starb. Für uns ist der Messias nicht der strahlende Gottmensch, dessen Kraft alles hinwegfegt, was auf dieser Welt schlecht ist. Für uns ist der Messias nur ein Mensch, der das nicht hingekriegt hat, was alle von ihm erwartet haben. Und der gerade deswegen Gottes Sohn war. Weil er so war wie wir: guten Willens – aber hilflos.

Und weil Gott nicht einfach so Frieden im Jemen und in Syrien schafft, weil da alle möglichen Länder ihre unheiligen Suppen am Kochen halten, sind wir in unserer Hilflosigkeit gefragt. Wir versuchen denen, die geflohen sind, ein Zuhause zu geben. Wir spenden für Ärzte ohne Grenzen. Aber vor allem: Wir sprechen mit allen, die das hören wollen und auch mit allen, die das nicht hören wollen, friedlich. Und vom Frieden. Und von der Welt, die Jesus eigentlich wollte, als er vor knapp 2.000 Jahren auf einem Esel in Jerusalem einritt.

Das ändert die Welt täglich.

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Peter Handrich

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