Bilanz Reformationsjubiläum

Der Überlieferung nach soll der Mönch und Theologieprofessor Martin Luther am Tag vor Allerheiligen 1517 (1. November) seine 95 Thesen zu Ablass und Buße an die Tür der Wittenberger Schlosskirche angeschlagen haben. Er kritisierte darin die damalige Auffassung, dass der Mensch nur durch gute Werke und die Zahlung von Ablass von der Sünde erlöst werden könne. Nach Luthers Auffassung sei dies bereits durch den Tod Jesu am Kreuz geschehen. Zum 500. Jubiläum des Thesenanschlags feierten evangelische Christen in der ganzen Welt ein ganzes Reformationsjahr. Im Kirchenkreis Rotenburg stellte ein Team aus haupt- und ehrenamtlich Aktiven ein großes Programm zusammen. Alle 16 Kirchengemeinden beteiligten sich vielfältig. So gab es Gottesdienste, Glaubenskurse, Musik und Kultur, Vorträge und Lesungen, Begegnungen und Studienreisen sowie Kulinarisches.

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Die Reformation geht weiter

Kirchenkreis Rotenburg nutzt Anregungen der „Thesentür“ für zukünftige Impulse

„Kirche sollte interessanter für Jugendliche werden.“ oder „Kirche muss neue, ansprechendere Formen finden, um die Menschen heute zu erreichen.“ – Solche und viele weitere Gedanken haben die Kirchenbesucher im Laufe des Reformationsjahres in den Gemeinden des Kirchenkreises Rotenburg an eine „Thesentür“ geheftet. Jetzt kamen Mitglieder des Vorbereitungsteams zum Reformationsjahr zusammen, um diese Thesen zu sichten und eine Bilanz des zurückliegenden Jahres zu ziehen.

„Das Reformationsjahr hatte eine Breitenwirkung in die Gesellschaft. Und obwohl wir uns nicht mehr darauf verlassen können, dass der christliche Glaube alle trägt, haben wir uns doch in dem Jahr unserer Basis vergewissert“, sagt Superintendentin Susanne Briese, die auch ein bisschen stolz darauf ist, wie vielfältig und groß das Veranstaltungsangebot rund um das Reformationsjahr im gesamten Kirchenkreis ausfiel.

Dass das Jahr sowohl eine Außen- als auch eine Innenwirkung gehabt hat, davon sind alle Mitglieder des Teams überzeugt. „Die Menschen konnten spüren, dass die Reformation eine weltweite Riesenbewegung war, die sich bis heute noch auswirkt“, sagt Pastor Thomas Steinke. Der Theologe aus Fintel macht das auch fest an den zahlreichen Fernsehfilmen und -beiträgen rund um Luther und die viele öffentlichen Gesten zwischen den unterschiedlichen Konfessionen.

Steinke arbeitet ganz neu in der erst jüngst geschaffenen Stelle als Pastor für Gemeindeinnovation in den Kirchenkreisen Rotenburg und Bremervörde-Zeven. In diesem Arbeitsfeld sind ihm die vielen Beiträge von der „Thesentür“ ein besonderes Anliegen. „Es gibt aber nicht nur Aussagen, es sind auch viele Fragen angeheftet worden“, sagt Steinke. Sie lauten beispielsweise: „Einladende Kirche sein – wie geht das?“ oder „Wie kommen wir wieder ins Gespräch als Gemeinde?“ Das sind Fragen, die Steinke gemeinsam mit anderen Verantwortlichen weiter bedenken möchte. Seine Aufgabe ist es, Aktive zu unterstützen, die sich auf die Suche nach neuen Wegen machen. „Viele Gemeinden sind während des Reformationsjahres kreativ geworden. Es wäre schön, wenn das so bleiben würde und viele Gemeindemitglieder sich vornehmen würden, wach zu bleiben und mutig neue Wege weiterzugehen.“

Das sieht auch die Sottrumer Kirchenvorstandsvorsitzende Karin Fuge-Venzke so: „Ich wünsche mir, dass dieses Jahr weiterträgt und die Impulse aufgenommen werden.“ Allerdings müsse dafür jeder sein richtiges Tempo finden. Denn auch diese Frage war an der „Thesentür“ zu finden: „Wie lernen wir, Pause zu machen?“ Pastorin Hilke Bauermeister von der Rotenburger Auferstehungsgemeinde mahnt, diese Sorgen ernst zu nehmen: „Es ist an der einen oder anderen Stelle auch zu einer Luther-Übersättigung gekommen“, sagt sie. Doch die Überzeugung, dass die zahlreichen Bemühungen aus den 16 Kirchengemeinden sich gelohnt haben, bleibt, ebenso wie die Überzeugung, dass Kirche sich weiterentwickeln wird: „Es liegt in der Natur der Sache der Reformation, dass sie kein abgeschlossenes Geschehen ist, sondern dass sie weitergeht“, sagt Steinke.

 

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Thesen an einer Kirchentür: Hilke Bauermeister (von links), Susanne Briese, Karin Fuge-Venzke und Thomas Steinke wollen sie für die zukünftige Arbeit nutzen
Thesen an einer Kirchentür: Hilke Bauermeister (von links), Susanne Briese, Karin Fuge-Venzke und Thomas Steinke wollen sie für die zukünftige Arbeit nutzen

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