Was wär' die Gemeinde bloß ohne diesen Mann...!?

Gemeinsam mit dem Posaunenchor sang die Gemeinde ihrem Küster ein Ständchen

 

1. Januar 2009

20 Jahre ist es her, dass Erich Lohbeck seinen Dienst als Küster der Kirchengemeinde Brockel begann. Der 1. Januar 1989 war sein erster regulärer Arbeitstag. Vier Jahre hatte der damals 41jährige bereits in Brockel gelebt und seinen Platz im Dorf gefunden. Mittlerweile ist der aus dem Cloppenburger Land stammende Erich aus Brockel nicht mehr wegzudenken. Eine Brockeler Institution ist er und bekannt wie ein bunter Hund - zumindest solange man schlicht von Erich spricht. Dass er mit Familiennamen Lohbeck heißt, wissen die wenigsten. Viele kennen seine besondere Geschichte und sind froh, dass er in unsrer Mitte eine Heimat gefunden hat. Vielen Menschen ist er hier zum Segen geworden und hat weit mehr für sie und die Kirchengemeinde getan, als von einem Küster zu erwarten gewesen wäre.

Die Vorsitzende des Kirchenvorstandes, Elisabeth Hoops überreicht Erich einen Präsentkorb

Am 1. Januar 2009 feierten eine ganze Reihe von Gemeindeglieder mit dem Kirchenvorstand und Erich dessen 20jähriges Dienstjubiläum im Saal des Gemeindehauses. Mit dabei war auch das Pastorenehepaar Haarmann. Sie hatten zwischen 1978 und 1991 den Dienst in der Kirchengemeinde Brockel versehen. Ein ganzer Reigen an Dankesworten prasselte auf den Jubilar herab - zurecht, denn was wären wir in Brockel ohne "unseren" Erich...!?

So sah es auch Doris Wesseloh, deren Dichtkunst in Brockel bereits legendär ist. Ein weiteres Mal scheint sie von der Muse geküsst worden zu sein. Für ihren langjährigen Arbeitskollegen Erich schrieb sie mit Witz und Tiefsinn dieses Gedicht:

Erich, unser Küster

Erich, unser Küster mit Herz für Mensch und Tier
ist nun schon seit mehr als 20 Jahren hier.
Was wäre die Gemeinde nur ohne diesen Mann,
der Rasen mähen, Laub harken und Schnee räumen kann…!?

Er kann nicht nur putzen, fegen und Unkraut jäten,
Erich hat noch viele andere Qualitäten.
Die Kirche bezahlt ihm nur wenige Stunden,
hat mit ihm aber ein wahres Juwel gefunden.
Man sieht Erich von früh bis spät bei der Arbeit,
aber wehe man stört ihn in der Mittagszeit –
dem wird er die wahre Wirklichkeit erzählen…
Doch sonst kann ihn nichts lange quälen.
Trotz vieler Schmerzen bleibt er meist heiter
und hilft, wo er kann, den Leuten weiter.
Was wäre die Kirche nur ohne den Mann,
der auf fast alle Fragen antworten kann…!?

Für alle Gebäude hat er die Schlüsselgewalt,
ohne ihn blieben Kirche und Gemeindehaus oft kalt.
Er weiß über alles und jedes Bescheid
und hört sich an so manches Herzeleid.
Für jeden hat er ein gutes Wort
und wenn man ihn braucht, ist er immer vor Ort.
Er kümmert sich um Glühbirnen, Handtücher und Tischdecken,
hat viele Werkzeuge, Nägel und Heftzwecken,
weiß wo man Liederbücher, Kerzen und Sonstiges finden kann.
Was wäre die Kirche bloß ohne diesen Mann…!?

Er läutet die Glocken bei Freude und Leid,
zieht auf die Turmuhr für die richtige Zeit.
Den Kirchgängern ist Erich wohl bekannt,
meist gibt er jedem persönlich die Hand.
Er teilt Gesangbücher und Liederzettel zu
und sorgt bei den Konfis für Ordnung und Ruh.
Kindern, Konfis und Besuchern zeigt er stolz
unsere schöne Kirche mit neu gestrichenem Holz.
Er steigt mit ihnen zur Turmuhr und zu den Glocken,
doch eines können sie ihm nicht entlocken:
Nnämlich das Rätsel um unseren Geheimgang –
nur Pastoren und Küster kennen den Eingang.
Was wäre die Gemeinde nur ohne den Mann,
der schon 20 Jahre dieses Geheimnis hüten kann…!?

Auf dem Friedhof hat Erich auch oft zu tun.
Er weiß ganz genau wo die Brockeler ruh’n.
Und er ist auch dort der rechte Mann,
wenn jemand mal Trost gebrauchen kann.
So kennt Erich inzwischen Jung und Alt.
Er weiß auch Bescheid in Feld und Wald.
Mit Fahrrad oder Mofa fährt er umher.
Uund ist ihm mal das Gepäck zu schwer,
dann nimmt er seinen Anhänger dazu. –
So manches Mal, das gibt er zu,
hat er so den Herrn Jesus durch Brockel gefahren,
wenn Gottesdienste an der Mühle oder im Schützenholz waren.
Das fand er ganz besonders schön,
schließlich sollte ER auch das Dorf mal sehen.
Was wäre die Gemeinde nur ohne diesen Mann,
der sogar eine Prozession veranstalten kann…!?

Fürs Erntedankfest schafft er mit dem Anhänger ran,
was man sich an Obst und Gemüse nur denken kann.
Getreide, Eicheln und Kastanien sammelt er,
vom Feld bringt er Rüben und Mais daher.
Zum Advent sieht man ihn mit viel Tannengrün
ins Gemeindehaus und zu Angelika zieh’n.
Sie wird den Adventskranz für die Kirche binden,
und dann heißt es schöne Tannenbäume zu finden
für die Seniorenfeier und für die Kirche natürlich.
Da half ihm bisher unser Helmut ganz rührig.
Dieses Jahr konnten die Beiden sich das sparen
und sind lieber mal zum Kaffee trinken gefahren.
Was wäre die Gemeinde bloß ohne diesen Mann,
der sich auch mal eine Pause gönnen kann…!?

Die macht er oft im Dorfladen oder im Büro,
da ist er Ansprechpartner für viele sowieso.
Er sagt dort auch, wo er zu finden ist,
falls der Pastor ihn einmal vermisst.
Erich könnte Geschichten erzählen ganz viele.
Bei Haarmanns war er Mitglied der Familie.
Die Kinder kamen abends fernsehen und Zwieback essen,
sie werden die Ausflüge mit ihm sicher nie vergessen.
Er hat Touren nach Rotenburg oder in den Trochel gemacht
und sie mit Rad und Anhänger zur Schule gebracht.
Bei Walter konnte er wieder Landwirt sein
mit Federvieh, Fischen, Hunden und Schwein.
Manchmal wollten sie das noch etwas ausbauen
mit Pferd und Kutsche, einem Kamel oder mit Pfauen.
Doch Helmut hatte stets etwas dagegen
und sie wagten es nicht ohne dessen Segen.
Beide hatten auch einen schönen Garten
und konnten es im Frühjahr kaum erwarten,
wessen Petersilie wohl zuerst würde gesichtet –
Walter hatte sich nach dem Mondkalender gerichtet.
Inzwischen gibt’s im Pfarrhaus neue Leute,
doch Hühner, Kaninchen und Kater gibt’s auch heute.
Und Erich hat es längst kommen sehen:
Bald sollen sich Gänse im Garten ergehen.
Was wäre der Pastor nur ohne den Mann,
der auch Tiere hüten und füttern kann…!?

Ich könnte Euch noch viel mehr erzählen,
doch will ich Euch nicht länger quälen.
Schließlich wollen wir Erichs Jubiläum feiern
mit Kaffee und Torten, Salaten und Eiern,
mit Säften und Wasser, mit Bier oder Punsch
und ich hab zum Schluss nur den einen Wunsch:
dass Erich noch lange Zeit Küster sein kann,
denn was wäre die Gemeinde ohne diesen Mann…!?

[Doris Wesseloh]

Die ehemalige Pfarratssekretärin Doris Wesseloh beim Vortrag ihres Gedichts
Auch Klaus Haarmann ließ es sich nicht nehmen, aus Erichs ersten Jahren in Brockel zu erzählen (rechts neben Erich Lohbeck Angelika Haarmann).
Mit dabei auch die Gitarrengruppe, die die Feier musikalisch untermalte.