"Ihr seid gebraucht hier, macht euch auf den Weg...!"

Konfirmandenarbeit früher und heute - nicht nur die Bilder sind farbig geworden...


Brockel/Kirchwalsede/Visselhövede im Mai 2011

„2 Jahre Konfirmandenunterricht, dann die Prüfung vor der versammelten Gemeinde, anschließend streng gescheitelt oder mit Zöpfchen zur Konfirmation – und im Anschluss daran ein weiteres Jahr des Pflichtbesuchs im Gottesdienst…“ Nicht selten erzählen ältere Gemeindeglieder seufzend von ihren Erlebnissen aus der eigenen Jugend: „Als das vorbei war, hatten viele erst einmal genug…!“

Wie haben sich doch die Zeiten geändert! Schon lange ist der Konfirmandenunterricht kein Schreckgespenst mehr. Seit Jahrzehnten schon sind die „Konfis“ vor der Konfirmation herausgefordert, sich selbst mit dem Erlernten in einem Vorstellungsgottesdienst der Gemeinde zu zeigen, statt einfach nur abgefragt zu werden. Das Pflichtjahr nach der Konfirmation gibt es schon lange nicht mehr.

Umso bemerkenswerter, welche Dynamik die Verzahnung von Konfirmanden- und Jugendarbeit seit Jahren in der Kirchenregion Brockel–Kirchwalsede–Visselhövede genommen hat. Jahr für Jahr fragt dort ein knappes Drittel aller Konfirmierten: „Wo geht‘s denn hier weiter…?“ Tatsächlich endet Kirche für die Jugendlichen nicht mit dem Konfirmationssegen – dann geht’s erst richtig los. Wer will, ist eingeladen, sich zum Jugendmitarbeiter ausbilden zu lassen. Und so beenden ein Jahr nach der Konfirmation regelmäßig 45 junge Leute diesen Lehrgang, der zum Erwerb der „JuLeiCa“ berechtig -  der JugendleiterCard. Sie haben gelernt, was wichtig ist, wenn man in der Kirchengemeinde mitarbeiten möchte: Verantwortungsbewusstsein und Erste Hilfe, Andachten halten und Konfliktmanagement, Spiele-Workshop und vieles mehr. „So vorbereitet sind diese Jugendlichen der größte Schatz unserer Konfirmandenarbeit!“, sagt Pastor Müller aus Brockel. „Sie erzählen den neuen Konfirmanden von ihrem Glauben, von ihren Zweifeln und wieso sie in der Evangelischen Jugend mitmachen.“ Dabei ist es längst so, dass nicht mehr alle ausgebildeten Mitarbeiter in den acht Unterrichtsgruppen unterkommen – es sind einfach zu viele. Doch das macht gar nichts. Denn so kommen immer wieder auch neue Teamer in die Jungschargruppen oder es stoßen neue zu den Kinderkirchen-Teams. Andere verpflichten sich, das offene Jugendbistro in Visselhövede zu betreuen oder bereiten Konfis-LAN-Partys oder Konfi-Discos vor…

In der kommenden Woche beginnt in Brockel, Kirchwalsede und Visselhövede der Konfirmandenunterricht des neuen Jahrgangs. Die Vorbereitung der über siebzig jugendlichen Mitarbeiter läuft bereits auf vollen Touren. Am Dienstag traf man sich in Visselhövede, um die inhaltliche Planung aufzunehmen: wer arbeitet in welcher der acht Unterrichtsgruppen mit? Und wer fährt mit auf die Großveranstaltung vom 16. bis 19. Juni? – Gemeint ist nicht das Hurricane-Festival, sondern das Konfirmanden-Camp in Offendorf bei Lübeck, wo sich die 170 Konfirmanden plus Mitarbeiter das erste Mal in der großen Runde sehen. Die drei Hauptamtlichen, die Diakone Jörg Pahling und Heinz Czienienga sowie Pastor Marco Müller haben gut damit zu tun, all dies zu koordinieren. Aber sie tun es mit Leidenschaft. „Wenn ich diese jungen Leute sehe, ist mir um die Kirche von morgen nicht bange“, sagt Heinz Czienienga. „Natürlich geht es immer auch darum, den Bedürfnissen der Jugendlichen gerecht zu werden. Bei Gottesdiensten zum Beispiel oder den Shows auf den Freizeiten“, ergänzt Jörg Pahling. „Aber gerade so zeigt Kirche sich ja lebendig! Wir wollen ja wissen: Was ist für euren Glauben wichtig? Wie wird ein Gottesdienst für Euch zu einem Gottesdienst?“

Am 15. Mai 2011 wurden all die jugendlichen Mitarbeitenden im Brockeler Gottesdienst in ihren Dienst eingeführt. „In einem ganz normalen Gemeindegottesdienst, weil wir den Jugendlichen zeigen wollen: Ihr seid willkommen in unserer Mitte! Ihr gehört dazu!“, sagt Pastor Müller. Ums „Salz der Erde“ wird es im Gottesdienst gehen und ums „Licht der Welt“. „Jesus hat ja gesagt, dass seine Jünger genau das sind.“ – Aber kann denn damit noch ein Jugendlicher etwas anfangen? – „Aber sicher“, meint Müller, „neulich bin ich über ein Lied der Rockband Silbermond gestolpert: ‘Krieger des Lichts’. Darin geht’s genau darum. Nicht den Kopf in den Sand stecken, nicht den Mut verlieren, sondern sehen: ‘Du wirst gebraucht hier…’“ So heißt es tatsächlich in einer Liedzeile von Silbermond: 'Ihr seid gebraucht hier, macht euch auf den Weg...' - Und genau darum geht's auch für die vielen Jugendlichen in der Kirchenregion.