Eine Ära ist jetzt zu Ende

Zahlreiche Brockeler besuchten die Abschiedsfeier vom örtlichen Dorfladen. Im Hintergrund: Superintendent Hans-Peter Daub, Bürgermeister Rolf Lüdemann und Pastor Marco Müller

Zum Abschiedsfest unseres Dorfladens erschien am 13. Juli 2011 folgender Artikel in der Rotenburger Rundschau.

Zwölf Jahre lang war der Brockeler dorfladen nicht nur Bezugsquelle für Lebensmittel, sondern auch eine Begegnungsstätte. Da im August ein Netto-Discounter im Ort eröffnet, schließt der kleine Laden jetzt seine Pforten.

Als im Jahr 1999 der einzige Einzelhandel in Brockel schloss, standen die Anwohner plötzlich ohne Einkaufsmöglichkeit im Ort da. Eine Gruppe umtriebiger Freiwilliger tat sich zusammen, um den dorfladen zu gründen.

Mit Planung und Durchführung wurde Gemeindediakon Heinz Czienienga beauftragt. Die alte Pfarrscheune stand schon seit einer Weile leer und bot sich dementsprechend als Standort an. Problem: Der Raum stand fast völlig leer. "Es befanden sich lediglich ein Waschbecken und ein Schrank darin“, berichtet Czienienga. Auch der offizielle Weg über die Ämter war nicht in allen Punkten ganz unkompliziert: "Wir mussten tatsächlich einen Bauantrag stellen“, berichtet Czienienga, "um vier Eimer Farbe verstreichen zu dürfen.“ Hintergrund war allerdings, dass es gar nicht um besagte vier Eimer Farbe ging, sondern um die Tatsache, dass ein Raum in ein Ladenlokal umgewandelt werden sollte.

Am 17. April 1999 war dann die Eröffnungsveranstaltung – und das, obwohl noch gar nicht alle Genehmigungen in schriftlicher Form vorlagen. "Wir hatten den Antrag über ein halbes Jahr vorher gestellt“, berichtet Czienienga. "Die Eröffnung zu verschieben, haben wir dann nicht eingesehen.“

Nicht jeder im Ort glaubte von Anfang an den Erfolg der Unternehmung. "Die von der Kirche, die machen da irgendwas“, unkten die Skeptiker. Oder: "Ich gebe dem Projekt drei Monate.“ Dass daraus ganze zwölf Jahre wurden, überraschte nicht zuletzt auch die Betreiber selbst. Es fanden sich im Laufe der Zeit fast 25 Freiwillige, die sich ehrenamtlich Woche für Woche jeden Tag hinter die Ladentheke stellten. Auch freundschaftliche Bande wurden geknüpft. Viele nutzen den Einkauf für eine gemütliche Klönrunde.

Gelegentlich wurden auch Ein-Euro-Jobber und Praktikanten beschäftigt, was in einigen Fällen dazu führte, dass diese Mitarbeiter nach einiger Zeit wieder in den Arbeitsmarkt eingegliedert werden konnten oder eine Ausbildungsstelle fanden.

Träger und Mitarbeiter sind traurig darüber, dass das Projekt dorfladen jetzt ein Ende fand. "Wir gehen zwar alle mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, berichtet Mitarbeiterin Ingrid Rösch, "aber den meisten von uns ist eher zum Weinen zumute.“

...und dann wurde abgeschlossen: Die ehrenamtliche Verläuferin Ingrid Rösch gibt die Schlüssel der Pfarrscheune zurück an die Vorsitzende des Kirchenvorstandes, Elisabeth Hoops

Ab Mitte August wird ein Netto-Discounter in Brockel eröffnen, zu diesem will und kann der dorfladen nicht in Konkurrenz stehen. "Wir haben uns vor allem als Angebot für die Bevölkerung verstanden“, so Rösch, "und dies ist ja jetzt nicht mehr vonnöten.“ Doch auch bei der Bevölkerung freut sich nicht jeder darauf, demnächst im Discounter und nicht mehr im gemütlichen dorfladen einzukaufen. Manch ein Stammkunde, berichtet Pastor Marco Müller, habe sogar die Einladung zur Abschiedsfeier ausgeschlagen, weil ihm "eher zum Heulen als zum Feiern zumute“ sei. Das sieht der Pastor aber anders: "Wir haben sehr wohl einen Grund zu Feiern: Wir können nämlich stolz und dankbar auf das sein, was wir in den vergangenen zwölf Jahren hier auf die Beine gestellt haben.“ Superintendent Hans-Peter Daub bestätigt: "Es gehört auch zum Leben dazu, Dinge zu einem angemessenen Zeitpunkt zu beenden und sich neuen Herausforderungen zu widmen.“

Begleitet wurde die Abschiedsfeier vom Posaunenchor, außerdem gab es Geschenke für die Ehrenamtlichen. Mit der Schließung des Ladens und der Schlüsselübergabe von Rösch an die Vorsitzende des Kirchenvorstands, Elisabeth Hoops, ging die Zeit des Brockeler Dorfladens dann auch offiziell zu Ende.

Quelle: Rotenburger Rundschau vom 13.7.2011 (Autorin: J. Rehak, Fotos: J. Rehak, A. Krüger)