Ahauser Glockengeschichte

1. Erste Erwähnung: Bericht 1630 Von der pfarkirchen Auhausen zue Auhausen ist fur 400 jahren in honorem Mariae fundiret. Und weilen anno 1385 ein meyerhof, negest der kirchen belegen, plötzlich sambt allen gebauten abgebrannt, ist das feur auch in die kirchen gekommen, hat dieselbig bis uf die mauren in aschen gelecht.Die glocken sein versmolzen und alles, was in der kirchen gewesen, verbrandt. Die itzige kirche ist wiederumb erbauet anno 1386. Es gab also 1385 mehrere Glocken, die durch den Brand zerstört wurden (»versmolzen«)

2. Nach 1386 wird im Rahmen des Wiederaufbaus die Kirche sicher wieder eine Glocke bekommen haben. Diese erklang vermutlich bis zur Zerstörung der Kirche im dreißigjährigen Krieg 1626.

3.Die dritte Glocke tat ihren Dienst von 1637 an. Sie bekam im Jahre 1715 einen Riß.

4. Die vierte Glocke wurde aus dem Metall der vorigen von Hinrich Bringman in Bremen 1716 gegossen. Diese Glocke läutete bis 1743, dann zersprang auch sie.

5. Aus dem Metall der vorigen Glocke wurde 1743 durch Johann Andreas Bieber in Hamburg eine neue Glocke gegossen. Sie erhielt die Inschrift:

Anno 1743 me fusit H. Johan Andreas Bieber in Hamburg, da H. Conrad Erdwien Pagendarm Pastor, H. Rudolf Caspar Knoche Amtsvogt, Johann Hinrich Cölln Cüster. Harm Wulff, Cord Willenbrock. Harm Lünsmann Jurati waren. Ich ruf die Lebenden, daß sie gelehret werden, die Todten klage ich, bis sie verleibt der Erden. Ermuntre zum Gebet mit meinem einzlen Schlag, damit ein Sterblicher sein End bedenken mag.

1785 bekam auch diese Glocke Risse.home

6. 1786 wurde durch Johann Philipp Bartels in Bremen nochmals eine neue Glocke gegossen. In dieser Form hat sie bis heute die Zeiten überdauert. Sie wiegt 1014 Pfund. Außer einigen Verzierungen trägt sie die Inschrift:

Anno 1786 hat in Bremen durch M. Johann Philip Bartels diese Glocke die christliche Gemeine zu Ahausen gießen lassen, da daselbst Diedrich Wilhelm Zeidler Pastor, Johann Christian Bernhardt Augspurg Amtsvoigt, Johann Christian Georg Vieregge Küster, Cord Küsel, Hinrich Intemann und Hinrich Diercks Kirchenjuraten waren.

So war es früher

Die Verfehlungen des Küsters Strüver 

Im Jahre 1780 richteten die Ahauser einen Beschwerdebrief an das Konsistorium in Stade. Das Konsistorium war damals die höchste kirchliche Aufsichtsbehörde. Man beschwerte sich dort über den Lehrer und Küster Ulrich Christoph Strüver. Die Ämter des Lehrers und des Küsters, also Schuldienst und Kirchendienst gehörten damals zusammen. Eigentlich ist das Küsteramt das ältere. Im Mittelalter gab es nur in den Städten Schulen, sei es als kirchliche Schulen an Domen oder Klöstern oder als Ratsschulen der Städte. Erst die Reformation, besonders durch Martin Luthers Bemühungen, setzte Unterricht auch auf den Dörfern durch. Da es dort keine Lehrer gab, wurde den Küstern die Aufgabe übertragen, die Kinder zu sammeln und zu unterrichten, ihnen christliche Religion und die Anfangsgründe des Lesens, Schreibens und Rechnens beizubringen. So kam zum kirchlichen Küsteramt auch der weltliche Schuldienst hinzu. Diese Verbindung kam auch darin zum Ausdruck, daß die Pastoren Vorgesetzte der Lehrer waren und den Auftrag hatten, die schulische Erziehung zu überwachen. Mit dem Küster Strüver gab es da allerdings allerhand Probleme. Hören wir selbst:

 „Der heilsame Schulunterricht der Jugend, wird bey uns seit geräumer Zeit von dem Küster Strüver so sehr versäumet, daß wir ohne uns desfals gerechte Vorwürfe zu machen, dazu nicht länger stille schweigen können."

Und was tut nun der Küster Strüver? Er ist faul, er drückt sich um den Unterricht, so oft er kann. 6 Punkte werden aufgezählt.

1. damals wurde nur im Winter durchgehend unterrichtet. Da die Kinder in der übrigen Zeit im Hause und auf dem Felde mitarbeiten mußten, wurde im Sommer nur 2 Tage in der Woche Schule gehalten. Welche Tage, das setzte der Lehrer fest. Und Strüver setzte fest: Am Freitag und am Sonnabend. Nur: An beiden Tagen fanden damals Gottesdienste statt, am Freitag Betstunden, am Sonnabend Beichte. Und da ging der Kirchendienst vor - die Schule fiel aus. Das bekommt den Kindern nicht gut - fanden die Ahauser:

„Daß das hier nicht geschicht, davon ist die natürliche Folge, daß die Kinder den ganzen Tag zügelloß herum lauffen, und sich in der Kinder - lehre, bey allen übrigen Eingepfarrten wegen ihrer großen ignoranz besonders auszeichnen."

2. Wenn Hochzeiten oder Beerdigungen anstanden oder der Pastor einem Kranken das Abendmahl reichte (wozu ihn der Küster begleiten mußte), ließ Strüver gleich den ganzen Tag die Schule ausfallen.

3. „geht der Küster Strüver, nach allen Pferde- und Jahrmarckten die auf der Nachbarschaft in Städten, flecken und dörffern einfallen, dadurch dann teils die Schule versäumet wird."

4. „gewönet der Küster durch eine tirannische Begegnung die Kinder von sich, die er mehrmalen dermaßen durchnimmt, daß sie mit blutigen Köpfen zu hause gehen und sich heilen laßen müßen."

5. „handelt der Küster selbst in der Schule unverantwortlich gewißenloß, so daß er mit schrecklichen Flüchen und verwünschungen die jungen Kinder ärgert, und ihnen ein böses exempel gibt."

6. „geht der Küster fleißig in denen Bier und Branntsweins Häusern, und da dies selbst am Sontage geschicht, so kann sich dann der Küster nicht während der Predigt einmal, des Schlafs enthalten, unterdeßen aber machen die Knaben ein solches gelärme in der Kirche, daß dadurch der Prediger und die gemeine in der Anacht gestöret werden."

Nachdem dies alles vorgetragen ist, bittet man, den Lehrer vom Amt zu suspendieren und „einem anderen tüchtigen subjecte, die Schule zu Ahausen gnädig und hochgewogentlichst zu conferiren."

In ein etwas anderes Licht rückt die Angelegenheit allerdings, wenn man die Lebensdaten des Küsters Strüve in den Kirchenbüchern nachschlägt. Als diese Beschwerde aufkam, war er 74 Jahre alt und seit 25 Jahren in Ahausen im Dienst. Aber einen Ruhestand gab es nicht. Die Behörde ließ alles beim alten - und Strüver unterrichtete weiter, bis er 1784 im Alter von 78 Jahren einem „hitzigen Brustfieber" verstarb.

Kriegsverletzungen

Zum Ende des Zweiten Weltkrieges fanden im April 1945 in Ahausen und den umliegenden Dörfern noch heftige Kampfhandlungen statt. Es ging vor allem auch darum, den Flugplatz in Rotenburg gegen die britischen Truppen zu verteidigen. Von diesen Kämpfen zeugen Einschusslöcher im Mauerwerk der Kirche, die im Zuge der Entfernung des wilden Weines, der das ganze Gemäuer eingehüllt hatte, zu Tage kamen. Ein Schuss traf auch das Kreuz im Innenraum der Kirche, das mehrere Monate lang in der Werkstatt des Landesmuseums in Hannover restauriert werden musste

Einschusslöcher im Mauerwerk