"Soviel Aufwand für einen einzelnen Menschen"
Einen festen Ort finden die Plastiken der zwei Roma-Flüchtlingsfrauen am Sonntag, 10. Juli, um 10 Uhr in der Stadtkirche Rotenburg. Im Rahmen des Gottesdienstes werden die Kunstwerke, die Harald Birck im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Von Wegen Gerechtigkeit – arme und reiche Wirklichkeiten – spüren, darüber reden, verändern“ geschaffen hatte, in der Stadtkirche erstmals öffentlich präsentiert.
Er hat bereits eine große Anzahl Köpfe in Ton gearbeitet, für die meist Obdachlose oder Hartz-IV-Empfänger Modell gestanden haben. „Auf Augenhöhe“ heißt diese Reihe, mit der Birck inzwischen bundesweit für viel Aufsehen gesorgt hat. Nach einer Trocknungsphase wurden die Köpfe von Selvije Ernst und Dulja Saiti aus Ton gebrannt und sind nun an die Wümme zurückgekehrt. Die Auferstehungskirchengemeinde in Rotenburg konnte sie inzwischen Dank großzügiger Spenden erwerben.
„Für diesen Sommer werden die Arbeiten in der Stadtkirche bleiben. Dann wandern sie weiter“, sagt Superintendent Hans-Peter Daub. Er freut sich sehr, dass diese Büsten hier entstanden sind und nun auch in Rotenburg bleiben können. Dulja Saiti und Selvije Ernst waren, so Daub, von der Kunstaktion sehr angesprochen. Es war eine für sie neue Erfahrung, in dieser Weise wahrgenommen und gewürdigt zu werden. Jetzt sind sie und ihre Geschichte präsent, wo immer diese Kunstwerke gezeigt werden und geben einen Anstoß, sich weiterhin intensiv mit dem Schicksal der zwei Flüchtlingsfrauen und der Abschiebepraxis der Bundesrepublik auseinanderzusetzen. Die zwei Frauen aus dem Kosovo befinden sich seit April vergangenen Jahres fast ununterbrochen im Kirchenasyl in der Rotenburger Auferstehungsgemeinde.
Der Predigttext für den kommenden Sonntag passt gut zu dem besonderen Anlass. Es ist die Geschichte aus dem Lukas-Evangelium über das verlorene Schaf, für das der Hirte die 99 anderen der Herde zurücklässt. „Für die ökonomische Vernunft erscheint ein solcher Aufwand unverhältnismäßig. Aber manchmal entscheidet sich die Humanität einer ganzen Gesellschaft am Schicksal eines einzigen Menschen“, sagt Superintendent Daub.


