Frühstückstreff des Diakonischen Werks feiert 15. Geburtstag
Es duftet nach frisch gekochtem Kaffee. Der große Tisch ist gedeckt, neben Salami und Käse gibt es Marmeladen und andere Leckereien, die nur darauf warten, auf die köstlich duftenden Brötchen gestrichen zu werden. „Wie geht es dir heute?“, fragt ein älterer Mann seinen Nachbarn. Die Runde in der Kontaktstelle des Diakonischen Werkes in Rotenburg mutet fast an wie eine große Familie. Viele beim Frühstückstreff für psychisch kranke Menschen kennen sich bereits seit Jahren und freuen sich jede Woche wieder auf das gesellige Zusammensein in gemütlicher Runde.
„Erst wenn ich mich selbst mag, kann ich andere mögen“ – unter diesem Motto wurde das Angebot vor 15 Jahren in Rotenburg ins Leben gerufen. Kirchenkreissozialarbeiter Heinz Wagner berichtet: „Ein Betroffener schlug vor, einen Treff zu schaffen, bei dem er sich mit anderen austauschen kann.“ Gemeinsam mit dem psychiatrischen Dienst wurde die Idee umgesetzt. Zunächst fand das Frühstück im Kirchenkreisamt statt, später zog es in die Räume des Diakonischen Werks in der Goethestraße. „Es war sofort brechend voll, wir konnten bereits zum Auftakt rund 40 Personen begrüßen“, berichtet Wagner. Da Menschen aus dem gesamten Landkreis Rotenburg zu den Treffen in die Wümmestadt kamen, folgte ein Jahr später ein Frühstückstreff in Scheeßel und 1997 wurde das Angebot auf Visselhövede ausgeweitet.
Die Treffen werden von den Teilnehmenden selber vorbereitet, eine sozialpädagogische Fachkraft begleitet die Angebote. „Im Vordergrund steht der Austausch von Problemen im Lebensalltag. Bei Bedarf kann auch eine Beratung erfolgen“, berichtet Wagner. Zwischen 35 und 45 Teilnehmer können jedes Mal begrüßt werden. „Ich bin durch den Mittagstisch zum Frühstückstreff gekommen“, berichtet Wolfgang Klein, einer der Rotenburger Besucher. Seit drei Jahren ist er jeden Mittwoch dabei, wenn in der Kontaktstelle aufgetischt wird. Seit 15 Jahren die Treue hält Helmut Witz. „Mir ist die Gemeinschaft sehr wichtig“, erzählt er. Immer mal wieder kämen neue Gäste hinzu, oft sind es jedoch die altbekannten Gesichter, die am Frühstückstisch Erfahrungen austauschen. Willkommen ist jeder, sprechen muss niemand. Einzig eine Vorstellung wird von einem Neuankömmling gefordert. Ob er mit den anderen ins Gespräch kommen möchte, bleibt ihm selbst überlassen.
Einer der Rotenburger Teilnehmer berichtet: „Hier treffen sich sowohl Menschen mit schweren psychischen Problemen als auch Personen, die in einer persönlichen Krise stecken. Der ganz normale Wahnsinn eben.“ Er selbst habe zum Frühstückstreff gefunden, als seine Ehe kriselte. „Eines der größten Probleme ist, dass man in der Gesellschaft einfach funktionieren muss.“ Halt fand er, wie viele andere auch, bei den wöchentlichen Treffen. „Wir sind wie eine Großfamilie. Hier können wir über alles sprechen und Rat finden“, sagt er. Zuhause sitze man häufig nur isoliert herum und drehe sich im Kreis. „Dank des Frühstückstreffs kommt man wieder unter Leute und findet im besten Fall sogar neue Freunde.“
Übrigens: Bei den Angeboten sind jederzeit neue Teilnehmer willkommen. Die Treffen finden mittwochs in der Rotenburger Kontaktstelle (Goethestraße 19), donnerstags im evangelischen Gemeindehaus Visselhövede (Große Straße 8) und freitags im evangelischen Gemeindehaus Scheeßel (Große Straße 14-16) jeweils von 10 bis 12 Uhr statt.


