"Diese Ausstellung gehört in unsere Stadt"

Eine Frau steht vor einer primitiven Hütte aus Plastik und Wellblech.

Ohne Heimat – Die Wanderausstellung zeigt das Schicksal, von dem rund 10.000 Menschen in Deutschland bedroht sind. Sie wurde vom Ökumenischen Arbeitskreis Asyl nach Rotenburg geholt.

29.07.2010

„Ohne Heimat“ heißt die Fotoausstellung, die von Montag, 2. August, bis zum Donnerstag, 26. August, im Rotenburger Rathaus zu sehen sein wird. Sie dokumentiert die Lebenssituation von Menschen aus dem Kosovo und Montenegro, die dorthin aus Deutschland abgeschoben wurden. Ergänzt wird diese Wanderausstellung in Rotenburg durch Aufnahmen aus der Auferstehungsgemeinde in Rotenburg, in der sich seit April diesen Jahres zwei Frauen im Kirchenasyl befinden.
Die Bilder aus dem Kosovo und Montenegro gehören zu einer Wanderausstellung, die Mitglieder des Ökumenischen Arbeitskreises Asyl aus Rotenburg in Emden gesehen haben. „Und wir fanden sofort: Diese Ausstellung gehört in unsere Stadt“, sagt Annelies Wibbelt. Sie gehört dem Arbeitskreis seit 18 Jahren an. „Eine unserer wichtigsten Aufgaben ist es, aufmerksam zu machen.“
Tatsächlich passieren das Leben geduldeter Flüchtlinge in und Abschiebungen aus Deutschland meist ohne Wahrnehmung der Öffentlichkeit. Auch die Situation, in die diese Menschen dann zurückgeschickt werden, verfolgt kaum jemand nach.
„Dabei sind diese Verhältnisse häufig genug untragbar. Sie verletzen die Menschenwürde und verstoßen gegen die Menschenrechtskonvention“, sagt Elisabeth Isermann, die auch dem Ökumenischen Arbeitskreis Asyl in Rotenburg angehört. Zur Zeit besonders betroffen sind Minderheiten wie Roma, Ashkali und Kosovo-Ägypter, die seit dem Frühjahr 2009 wieder in den Kosovo abgeschoben werden dürfen. Grundlage dafür ist ein Rücknahmeabkommen, das Deutschland mit der Republik Kosovo geschlossen hat, nachdem sich die ehemalige Teilrepublik Serbiens für unabhängig erklärt und die Menschenrechtskonvention unterzeichnet hat.
„Aber für die Einhaltung dieser Konvention kann das Land zur Zeit überhaupt nicht sorgen“, sagt Isermann. Mit dieser Einschätzung ist sie nicht allein. Sie wird geteilt vom Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) und vielen Menschenrechtsorganisationen. Und sie wird deutlich durch die Wanderausstellung.
Die Fotos, die in Rotenburg gezeigt werden, stammen von Stefan Dünnwald. Er hat sie bei einer Reise im Auftrag von Pro Asyl im September 2009 aufgenommen. „Die Bilder sind sehr aussagekräftig“, sagt Andrea Wessel, Migrationsberaterin des Diakonischen Werks im Kirchenkreis Rotenburg. „Und sie gibt einen Ausblick auf die zukünftigen Lebensumstände der mehr als 10.000 in Deutschland lebenden Roma nach ihrer bevorstehenden Abschiebung in den Kosovo.“
Ergänzt wird die Wanderausstellung durch einen Vortrag am Dienstag, 17. August, bei dem Bastian Wrede vom Niedersächsischen Flüchtlingsrat über die Situation der Roma in Serbien berichtet.
Die Ausstellung wurde entwickelt von Zuflucht e.V.,  Pro Asyl e.V., und dem Flüchtlingsrat Bremen. Der Ökumenische Arbeitskreis Asyl Rotenburg und das Diakonischen Werk im Kirchenkreis Rotenburg haben sie nach Rotenburg geholt und um Bilder von Ansgar Stakemann ergänzt, der die zwei Roma-Frauen aus dem Kirchenasyl fotografiert hat. Wer die Roma-Flüchtlinge in Rotenburg unterstützen möchte, kann spenden auf das Konto 148 668 des Kirchenkreises Rotenburg bei der Sparkasse Rotenburg-Bremervörde, BLZ: 241 512 35 unter Stichwort Kosovo.
Die Wanderausstellung im Rathaus ist montags bis mittwochs und freitags von 8.30 bis 12 Uhr und donnerstags von 8.30 bis 18 Uhr geöffnet. Offizielle Ausstellungseröffnung ist am Montag, 2. August, um 18.30 Uhr im Rathaus. Dazu laden der Ökumenische Arbeitskreis und das Diakonische Werk ganz herzlich ein.

BU:
Ohne Heimat – Die Wanderausstellung zeigt das Schicksal, von dem rund 10.000 Menschen in Deutschland bedroht sind.

 

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