Die Schuldnerberatung des Diakonischen Werks sucht ehrenamtlische Mitarbeiter
Meist fängt es damit an, dass Post nicht mehr geöffnet wird, Rechnungen, Mahnungen und Schreiben vom Finanzamt ungeöffnet in einen Schuhkarton wandern und der Überblick über Einnahmen und Ausgaben verloren geht. Irgendwann wird der Schuldenberg so groß, dass die Existenz auf dem Spiel steht.
„Es ist wie beim Zahnarzt. Erst wenn der Schmerz unerträglich geworden ist, geht man hin. Aber hat man den Schritt einmal gemacht, ist es eine unendliche Erleichterung.“ Gerald Engel, 66, pensionierter Wirtschaftsingenieur, ist ehrenamtlicher Schuldnerbegleiter bei der Schuldnerberatung des Diakonischen Werks im Kirchenkreis Rotenburg. Seit 1998 gibt es diese Anlaufstelle, allein im vergangenen Jahr nahmen rund 250 Ratsuchende ihre Hilfe in Anspruch.
Die Klienten kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten: Der Jugendliche, der Handyschulden hat, wird genauso ernst genommen wie der Familienvater mit gesichertem Einkommen, der über seine Verhältnisse gelebt und nun Post vom Gerichtsvollzieher bekommen hat.
Klingelt das Telefon in der Beratungsstelle nimmt Heiko Thömen, 49, den Anruf entgegen. Er ist hauptamtlicher Sozialarbeiter und koordiniert die Arbeit der Schuldnerberatung. „Im Schnitt sehe ich jeden Arbeitstag ein neues Gesicht. Manche verschulden sich durch falsches Konsumverhalten, einige haben nie gelernt, mit Geld umzugehen, andere geraten durch Scheidung, Krankheit oder Arbeitslosigkeit in Not.“ Thömen weiß bereits nach dem ersten Kontakt, wie er den jeweiligen Fall behandeln muss. Manchmal reichen ein, zwei Gespräche um zu helfen. Meist aber ist es damit nicht getan.
Damit die Termine mit dem Schuldnerberater gleich konstruktiv verlaufen können, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. Die Klienten müssen einen Haushaltsplan und eine Schuldenübersicht mitbringen.
„Und an dieser Stelle kommen die Schuldnerbegleiter ins Spiel“, sagt Thömen. „Ein Großteil der Menschen, die sich an uns wenden, haben komplett den Überblick verloren und sind nicht in der Lage, diese geforderten Unterlagen ohne Hilfe auszufüllen.“
Wer das nicht alleine kann, dem helfen Menschen wie Gerald Engel. ?? (bitte ergänzen) ehrenamtliche Schuldnerbegleiter gibt es im Kirchenkreis Rotenburg. Im ersten Schritt sortieren sie Rechnungen und weitere Unterlagen und öffnen dazu auch Briefe, die häufig seit langem liegengeblieben sind.
„Um das tun zu können, müssen die Schuldnerbegleiter zunächst das Vertrauen der Menschen gewinnen“, sagt Thömen. Dazu braucht es Offenheit, die Lust und den Mut, sich auf Menschen einzulassen, die in der Regel in völlig anderen Strukturen leben, als es die Schuldenbegleiter gewohnt sind.
Dabei werden die Ehrenamtlichen aber nicht ganz allein gelassen. Es gibt Treffen und Supervisionen, auf denen Schwierigkeiten im zwischenmenschlichen Bereich besprochen werden können. „Das ist ganz wichtig, weil es durchaus zu Frustrationen kommen kann, wenn Klienten beispielsweise Absprachen nicht einhalten“, weiß Thömen. Auch kann es belastend sein, wenn es trotz allen Bemühens nicht gelingt, eine drohende Insolvenz abzuwenden.
Natürlich hat auch der Schuldnerberater für die Probleme der Begleiter immer ein offenes Ohr. Darüber hinaus gibt es auch Fortbildungen auf fachlicher Ebene.
Jeder Ehrenamtliche kann soviel Zeit und Engagement einbringen, wie er möchte. Ist die erste Aufgabe das Sortieren der Rechnungen und Papiere, kann ein Schuldnerbegleiter im zweiten Schritt auch mit einem Klienten zusammen einen Haushaltsplan erstellen und – wo es sein muss – im dritten Schritt seine Einhaltung überwachen.
Schuldnerbegleiter Engel stellt dazu auch schon mal vier Dosen auf den Küchentisch. In jeder befindet sich das Haushaltsgeld für eine Woche. Wird in einer Woche zu viel verbraucht, muss in der nächsten mehr gespart werden. „Ich frage dann auch schon mal, ob dieser oder jener Einkauf nötig war. Wir sind hier kein Kuschelverein, das geht teilweise dramatisch zu.“
Eine weitere Aufgabe ist die Begleitung der Klienten zu Behördengängen und Banken und die Kontaktaufnahme zu anderen Gläubigern. „Die Initiative muss vom Betroffenen ausgehen. Ich stehe hinter ihm, begleite ihn und stärke ihm den Rücken, aber handeln muss derjenige selbst“, sagt Engel.
Heiko Thömen weiß, dass die Arbeit der Schuldnerberatung ohne die Mitarbeit der ehrenamtlichen Schuldnerbegleiter heute nicht mehr funktionieren würde. Schon jetzt sind die Wartezeiten auf ein Beratungsgespräch sehr lang (mögen Sie eine genauere Zeit nennen?). Wer Interesse hat, sich ehrenamtlich zu engagieren, erreicht Heiko Thömen unter Telefon: 04261/961017 oder schuldnerberatung(at)kirche-rotenburg.de.Schuldnerberatung im Diakonischen Werk des Kirchenkreises Rotenburg
Unser Angebot für Menschen, die in finanzielle Not geraten sind:
Wir besprechen Ihre Gesamtsituation (Haushaltsanalyse).
Wir machen Vorschläge, wie Sie eventuell Geld einsparen können.
Wir prüfen, ob Sie noch Anspruch auf soziale Leistungen haben (zum Beispiel Wohngeld, Sozialhilfe, Kindergeldzuschlag, usw.).
Wir vermitteln, wenn Probleme mit Behörden, Arbeitgebern, Vermietern auftreten.
Wir prüfen, ob die Forderungen Ihrer Gläubiger berechtigt sind.
Bei Verhandlungen mit Ihren Gläubigern unterstützen wir Sie. Wenn nötig, verhandeln wir auch direkt mit den Gläubigern.
Wir zeigen Ihnen, dass auch Schuldner Rechte haben. Bei kniffligen juristischen Fragen ziehen wir einen Rechtsanwalt hinzu.
In Zusammenarbeit mit Ihnen erstellen wir Zahlungspläne.
Wir beraten und begleiten Sie im Verbraucherinsolvenzverfahren.
Wir beraten, begleiten und unterstützen Sie, auch wenn es schwierig wird.
Schuldnerberatung zielt auf eine persönliche und ökonomische Stabilisierung und will den verschuldeten Menschen zu einem sozialen und wirtschaftlichen Neubeginn verhelfen.
Ansprechpartner Heiko Thömen.
Glockengießerstraße 17, Rotenburg
Telefon: 04261/961017
Die Termine werden vorher telefonisch vereinbart. Telefonische Sprechzeiten sind
montags 17.00 – 18.30 Uhr
dienstags 11.00 – 12.30 Uhr
donnerstags 11.00 – 12.30 Uhr


