Die 20. Delegation Ferienkinder aus Weißrussland ist eingetroffen
„Man, ist Grischa groß geworden!“ Die Wiedersehensfreude war riesig bei der Ankunft der Ferienkinder aus Weißrussland. Zum 20. Mal sind Kinder zwischen acht und 14 Jahren, sowie Mütter mit Kleinkindern von zwei bis fünf Jahren zur Erholung für vier Wochen im Kirchenkreis Rotenburg untergebracht. Die Gastfamilien kommen in diesem Jahr aus den Kirchengemeinden Rotenburg, Horstedt, Scheeßel, Fintel, Schneverdingen und Visselhövede.
Auf dem Programm stehen viele Unternehmungen wie Ausflüge an die Nord- oder Ostsee, Spielenachmittage, Tretboot fahren, das Johannisfest in Horstedt, ein Nachmittag im Tierpark Lauenbrück, Badespaß in der Lent-Kaserne und gemeinsames Kochen.
Für einige der Kinder gab es ein fröhliches Wiedersehen mit ihren Gasteltern. Denn zwei Aufenthalte in Deutschland werden von den unterstützenden Organisationen – dem Kirchenkreis Rotenburg und der Landeskirche Hannovers finanziert. Es gibt aber auch Gasteltern, die anschließend auf eigene Kosten Kinder wieder nach Deutschland einladen.
„Es entstehen häufig enge Kontakte und Freundschaften“, sagt Barbara Koll, Koordinatorin der Hilfe für Tschernobyl-Kinder im Kirchenkreis Rotenburg. Sie freut sich darüber, denn heute ist die Hilfe für Kinder aus den verstrahlten Gebieten in Weißrussland noch genauso wichtig, wie vor 20 Jahren, als die erste Ferienaktion im Kirchenkreis Rotenburg stattfand. Vier Wochen unverstrahlte Nahrung und Erholung in gesunder Umgebung stärkt die Lebens- und Abwehrkräfte der Kinder in einer wichtigen Wachstumsphase.
Die gesundheitlichen Probleme der Menschen aus den verstrahlten Gebieten sind seit der Reaktorkatastrophe vor 24 Jahren dieselben geblieben. Sie haben sich sogar noch verschlimmert. Leukämie, Schilddrüsenkrebs, Missbildungen und auch die Säuglingssterblichkeit nehmen zu. Das liegt daran, dass die Zerfallsprodukte zum Teil eine höhere Halbwertszeit haben und auch wesentlich gesundheitsschädlicher sind, als die zunächst freigesetzten radioaktiven Isotope.
„Vor 20 Jahren konnten wir nicht ahnen, was aus dem kleinen Samenkorn Ferienaktion einmal werden würde. Wir sind glücklich und dankbar für diese tolle, kontinuierliche Entwicklung“, sagt Koll und freut sich über die vielen kleinen Gesichter, die nach der langen Reise aus Weißrussland erschöpft, ein wenig ängstlich, aber in froher Erwartung aus dem Busfenster schauen.
Am Sonntag, 27. Juni, wird es um elf Uhr in Bothel im Bürgerhaus einen gemeinsame Begrüßungsgottesdienst geben, zu dem alle Interessierten herzlich eingeladen sind.


